SYMPOSIUM: Limousinen und viele Männer

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat am Donnerstagmorgen das St.Gallen Symposium eröffnet. Für Kritik sorgte die Männerlastigkeit des Anlasses.

Jürg Ackermann
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Frauen sind am St.Galler Symposium kaum zu finden. Zum Anlass wurden vorwiegend Männer eingeladen. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Frauen sind am St.Galler Symposium kaum zu finden. Zum Anlass wurden vorwiegend Männer eingeladen. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Hier treffe sich eine selbsternannte Elite, die eitles Statusgehabe zelebriere und der es vor allem darum gehe, ihre globalen Vermögensbestände zu vermehren. Nur, was finanziell Erfolg verspreche, werde überhaupt diskutiert: Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann übte im Vorfeld in einem Interview mit unserer Zeitung scharfe Kritik am Treffen auf dem Uni-Gelände. Schon am Mittwoch Abend ist jedoch augenfällig, dass es sich um einen geschlossenen Anlass handelt: Viele – vor allem auch junge Leute – in Anzug und Krawatte laufen mit dem Smartphone am Ohr herum. Limousinen fahren in kurzen Abständen die Strassen zum Rosenberg hoch. Die Polizei markiert mit zwei Streifenwagen vor dem Symposium-Zelt Präsenz, auch ein Notfallwagen steht für alle Fälle da. Zuhören darf aber nur, wer eine Akkreditierung hat.

St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
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Shira Kaplan (Bild: Michel Canonica)
Sir J. Scarlett (Bild: Michel Canonica)
Cyborg Neil Harbisson (Bild: Michel Canonica)
Podium mit Sir j. Scarlett, Shira Kaplan und L. James (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))
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Bild: Michel Canonica
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Bild: Michel Canonica
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
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Michel Canonica / TAGBLATT St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / Tagblatt St.Gallen Symposium Paneldiskussion "Politics in a disrupted world", u.a. mit BR Johann-Schneider Ammann. (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / Tagblatt St.Gallen Symposium Paneldiskussion "Politics in a disrupted world", u.a. mit BR Johann-Schneider Ammann. (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / Tagblatt St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / TAGBLATT St.Gallen Symposium Paneldiskussion "Politics in a disrupted world", u.a. mit BR Johann-Schneider Ammann. (Bild: Michel Canonica)
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)

St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)

Zwar fehlen die ganz grossen Namen am diesjährigen Symposium, aber die Zahl an internationalen Managern, Politikern und hoffnungsvollen Jungunternehmern aus Indien oder China – in ihrer überwältigenden Mehrheit Männer - ist dennoch derart hoch, dass es ohne erkennbaren Polizeischutz nicht geht.

Loblied auf die Globalisierung

Nicht aus Peking oder Neu-Delhi, sondern aus Burgdorf kommt Johann Schneider-Ammann. Wie jedes Jahr hat mit dem Wirtschaftsminister auch am Donnerstagmorgen ein Mitglied des Bundesrats den von Studenten organisierten Grossanlass eröffnet. Schneider-Ammann wusste weniger mit seiner monotonen, vom Teleprompter abgelesenen Rede zu überzeugen, als mit witzigen Episoden im anschliessenden Talk mit Al-Jazeera-Moderator Mehdi Hasan, in dem die Zerrüttung in der politischen Welt Thema war. Schneider-Ammann sagte, man habe ihm als damaligem Bundespräsidenten am Abend vor den US-Wahlen mögliche Gratulationsschreiben vorgelegt. Er habe aber nur eines unterzeichnet – und habe dann am nächsten Morgen nochmals unterschreiben müssen.

Einig war sich die Runde darin, dass die Politik in Zeiten von unerwarteten Umwälzungen wie der Wahl Trumps oder des Brexits besonders wachsam sein solle. "Die Politik müsse vor allem wieder lernen, zuzuhören und das Potenzial jener Leute anzuzapfen, die optimistisch in die Zukunft blicken und die Chancen der Globalisierung sehen würden", sagte Anders Samuelsen, der Aussenminister Dänemark. Schneider-Ammann erwähnte die Bildung als zentralen Pfeiler gegen Zerrüttungen aller Art. In der anschliessenden Diskussionsrunde meldete sich im Publikum eine junge Frau aus dem Nahen Osten zu Wort. Sie frage sich, wie es im 21. Jahrhundert möglich sei, zur Eröffnung des Symposiums eine Gesprächsrunde mit nur älteren Männern zu organisieren. Neben Schneider-Ammann und Samuelsen sass mit Ong Ye Kung auch der Bildungsminister von Singapur auf dem Podium. Insbesondere Schneider-Ammann blieb jedoch eine Antwort schuldig, wie der Frauenanteil in Unternehmensleitungen und in der Politik erhöht werden könnte. "Ich bin gegen jede Quote", sagte er nur.

Schneider-Ammann will Fonds für Startups

Schneider-Ammann weilt schon seit Mittwoch Abend am Symposium. Und er blieb offenbar nicht untätig. Bei einem Nachtessen mit Unternehmern und einflussreichen vermögenden Privatpersonen sei am Mittwoch die Idee entstanden, einen Milliarden-Fonds mit privatem Kapital zu schaffen, der Startups zu Gute komme, sagte der Wirtschaftsminister in seiner Eröffnungsrede. "Wir müssen hier handeln", sagte Schneider-Ammann.

Die Schweiz habe im Vergleich zu Ländern wie Israel und den USA einen grossen Nachholbedarf, was die Finanzierung von zukunftsträchtigen Technologien und Unternehmen angehe.