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Ein Sommer ohne böse Überraschung: Swisscom schafft Roaminggebühren ab – was machen Sunrise und Salt?

In den Badeferien in Italien das Handy genutzt und nach der Heimkehr eine horrende Mobilfunkrechnung? Mit dem neuen Smartphone-Abo der Swisscom sind solche Schocks vorbei. Doch das Sorglospaket hat seinen Preis und lohnt sich nur für Vielnutzer.
Thomas Griesser Kym
Surfen auf dem Smartphone kann im Ausland mächtig ins Geld gehen. Die Abschaffung der Roaminggebühren gewährleistet Schutz vor monströsen Rechnungen. (Bild: Getty)

Surfen auf dem Smartphone kann im Ausland mächtig ins Geld gehen. Die Abschaffung der Roaminggebühren gewährleistet Schutz vor monströsen Rechnungen. (Bild: Getty)

Per Mitte 2017 hat die EU-Kommission die Roaminggebühren abgeschafft. Das bedeutet: Die Handynutzung, sei es fürs Telefonieren, SMS verschicken oder Surfen, kostet den Kunden im EU-Ausland gleichviel wie in seinem EU-Heimatland. Zuschläge fürs Roaming, also für die Benutzung des fremden Mobilfunknetzes, die sich die Telekomfirmen gegenseitig verrechnen und auf die Kunden überwälzen, sind seither passé. Diese Regelung gilt auch für den EWR.

Die Schweiz ist aussen vor geblieben. Wer als Schweizer in die EU reiste, riskierte je nach Handynutzung horrende Rechnungen. Seitens der Schweizer Te­lekomfirmen hiess es, man arbeite auf eine Lösung hin, doch bedinge dies Verhandlungen mit jedem einzelnen Telekomanbieter in der EU.

Nun ist ein Durchbruch geschafft. Die Swisscom hat gestern ein Smartphone-Abo angekündigt, mit dem man in der Schweiz und in der EU sowie im übrigen Westeuropa unbegrenzt telefonieren, SMS versenden und Daten übertragen kann. Das Abonnement nennt sich «inOne mobile go» und kostet ohne Kombirabatt 80 Franken pro Monat. Jean-Claude Frick, Telekomexperte beim Vergleichsdienst Comparis, nennt das neue Angebot «sehr attraktiv». Vor allem bestehende Swisscom-Kunden, die hochpreisige Abos der bisherigen «inOne mobile»-Linie nutzen, «bekommen mehr für weniger Geld».

Trotz Vollbremsung auf der Datenautobahn online bleiben

Frick sagt aber auch: «All-inclusive-Abos tönen gut. Aber oft zahlt der Kunde für Leistungen, die er selten nutzt.» Und:

«Das neue Abo ist immer noch teuer.»

Es lohne sich aus diesen Gründen in erster Linie für Vielnutzer, also für Leute, die oft in der EU unterwegs sind und dort auch das Handy intensiv gebrauchen. Alle anderen seien meist mit dem punktuellen Kauf von Datenpaketen besser bedient. Deren Preise will die Swisscom in den nächsten Monaten «deutlich senken». Wer im Ausland zwar viel telefoniert, aber weniger Internet braucht, könnte auch das «inOne mobile basic» von Swisscom wählen, das ebenfalls unlimitierte Telefonie sowie SMS in der Schweiz und der EU bietet, aber nur 2 GB Internet pro Monat inklusive hat. Auf die Schweiz beschränkt ist wiederum das neue Abo «Swiss mobile flat».

Zu beachten: Bei «inOne mobile go» mit unlimitiertem Internet surft der Kunde in der EU mit bis zu 100 Mbit/s bis zu einem Maximum von 40 GB pro Monat. Danach wird die Geschwindigkeit auf 128 kbit/s gedrosselt. Frick: «40 GB sind extrem viel.» Das reiche für zwei Stunden Netflix am Tag. Und auch 128 kbit/s genügten, um online zu bleiben und beispielsweise WhatsApp zu nutzen oder ­E-Mails zu senden und zu empfangen.

So sieht es bei der Konkurrenz aus

Der Comparis-Experte zeigt sich ausserdem «sicher, dass die beiden Swisscom-Konkurrenten Sunrise und Salt reagieren müssen. Betreffend Roaming sehen sie schlecht aus.» Zum Vergleich: Sunrise kennt ein Abo namens «Swiss Neigh­bors». Es bietet für 95 Franken im Monat unlimitierte Anrufe und SMS in der Schweiz, von der Schweiz in ihre fünf Nachbarländer sowie in diesen Ländern. Hinzu kommen unlimitiertes Surfen in der Schweiz und 4 GB Daten in den Nachbarländern. Wer all das auch in der EU und den USA will, zahlt 130 Franken im Monat. Bei Salt sind im Abo «Plus Europe» für 69.95 Franken – neben unlimitierter Nutzung in der Schweiz – ebenfalls unlimitierte Anrufe und SMS sowie 4 GB inklusive, und zwar in der EU, den USA und ein paar weiteren Ländern.

Ein Sunrise-Sprecher sagt auf Anfrage, «immer vor der Reisesaison geraten die Roamingtarife ins Rutschen». Auch verweist er auf Promotionen wie vergangenes Jahr, als Sunrise die Datenroaminglimiten bei mehreren Abos von Anfang Juni bis Ende September aufhob. Über allfällige weitere Pläne hält sich der Sprecher bedeckt. Ein Vorteil bei Sunrise: Die Abos haben keine Mindestlaufzeit, können mit einer Frist von 60 Tagen gekündigt werden – und Wechsel sind jederzeit möglich. Das ermöglicht es, auf Auslandreisen bei Bedarf auf ein anderes, kurzfristig geeigneteres Abo zu wechseln und dann wieder zurück. Auch eine Salt-Sprecherin verweist darauf, dass beispielsweise das erwähnte Abo «Plus Europe» keine Mindestlaufzeit hat. Bei der Swisscom dagegen läuft der Vertrag bei Neuabschluss des Abos zwölf Monate.

Subventionierte Geräte gibt es keine mehr

Ein weiterer Punkt: Die Swisscom trennt den Handykauf vom Abonnement. Will heissen: Nun ist Schluss mit subventionierten Geräten, die früher ein wesentlicher Faktor für die Wahl des Telekomanbieters waren. Konsumenten erinnern sich: Ein brandneues Handy für 1 Franken, dafür gekoppelt an ein relativ teures Abo. Mittlerweile aber hat das subventionierte Gerät laut der Swisscom an Bedeutung verloren. Das Unternehmen stützt sich auf eine Umfrage, die es in Auftrag gegeben hat. Demnach «möchten 87 Prozent der Kunden ihr Gerät nutzen, bis es kaputtgeht. Lediglich 10 Prozent wünschen sich noch regelmässig ein neues, vergünstigtes Gerät.»

Comparis-Experte Frick bezweifelt zwar, dass Konsumenten ein Handy so lange nutzen wollen, bis es den Geist aufgibt. Aber auch er beobachtet:

«Die Leute wechseln nicht mehr so rasch.»

Dies vor allem, weil heute die technologischen Sprünge von einer Gerätegeneration zur nächsten nicht mehr so gross seien wie früher. Heute seien das Nuancen – mit dem Ergebnis, «dass ein teures Smartphone von heute auch in zwei Jahren noch immer gut ist».

Sunrise als Vorreiter in der Schweiz

Mit dem Abschied von den Subventionierungen «setzt die Swisscom ein deutliches Zeichen», sagt Frick. Dennoch ist sie hierbei, anders als bei der Abschaffung der Roaminggebühren, nicht die Pionierin in der Schweiz. Bei Sunrise ist es schon seit bald fünf Jahren Praxis, dass der Kunde das Handy abbezahlt. Bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) stiess dies bei der Lancierung im Frühling 2014 auf Anklang. So sagte damals André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft bei der SKS: «Für die Konsumenten ist dieses System transparenter. Sie sehen auf den ersten Blick, wie viel das Handy und wie viel das Abonnement kostet.»

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