Swisscom duelliert sich mit Rivalen

Während Swisscom ihre Bevorzugung des hauseigenen Fernsehens mit hohen Investitionen rechtfertigt, fordert die Konkurrenz diskriminierungsfreie Angebote im Sport-Bezahl-TV. Ein Problem ist die fehlende Unabhängigkeit der Swisscom-Tochter Cinetrade.

Thomas Griesser Kym
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BERN. 143 Mio. Fr. Busse gegen Swisscom hatte das Sekretariat der Wettbewerbskommission (Weko) beantragt. Nun spricht die Weko mit 71,8 Mio. Fr. die Hälfte aus. Als Basis der Berechnung dienen laut Weko der Umsatz der Swisscom auf dem beeinträchtigten Markt, die Dauer und die Schwere des unzulässigen Verhaltens. Sanktionserhöhend kam dazu, dass Swisscom bereits mehrfach gegen Kartellrecht verstossen hat. Allerdings hat das Bundesgericht Sanktionen auch wieder aufgehoben.

Mildernd wirkt sich aus, dass Swisscom mit ihrem Eintritt in den TV-Markt vor gut zehn Jahren überhaupt erst den Wettbewerb mit den Kabelnetzbetreibern angestossen hat. Das anerkennt selbst die Weko, und es spreche auch nichts gegen das Erlangen einer marktbeherrschenden Stellung. Doch dürfe diese nicht missbraucht werden. Dabei spiele es auch keine Rolle, dass Swisscom die Sportrechte in einer Auktion ersteigert habe.

Mehr Sport auch im Free-TV

Swisscom weist die Vorwürfe zurück. Man sei überzeugt, sich beim Vermarkten von Sportinhalten über Bezahl-TV «rechtmässig zu verhalten». Swisscom und Cinetrade argumentieren einmal mit hohen Investitionen der vergangenen Jahre, um die zuvor in der Schweiz vernachlässigten Sportübertragungen als attraktive Bezahl-TV-Inhalte anbieten zu können. Diese Investitionen und deren Schutz rechtfertigten ein grösseres Sportangebot auf der eigenen Plattform Swisscom TV. Ausserdem sei als Folge das Sportangebot sowohl generell im Bezahl-TV wie auch im frei empfangbaren Fernsehen deutlich erweitert worden. So seien beispielsweise dank des Sportengagements der Swisscom «heute vier- bis sechsmal mehr Schweizer Fussballspiele live im Free-TV verfügbar, als dies früher der Fall war».

«Inkonsequent» und «mutlos»

Anders tönt es seitens UPC Cablecom und des Verbandes der Schweizer Kabelnetzbetreiber, Suissedigital. Zum einen begrüssen sie, dass die Weko seitens Swisscom einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung bei Sportübertragungen feststellt und sanktioniert. Zum anderen kritisieren sie aber die Festlegung der Sanktionen als «inkonsequent». So fehle eine Massnahme, um den Missbrauch rasch zu beseitigen. Konkret wird Swisscom nicht dazu verpflichtet, den anderen Anbietern per sofort diskriminierungsfreien Zugang zu den Sportinhalten zu ermöglichen. Suissedigital bezichtigt die Weko deshalb «der Mutlosigkeit» und verdächtigt die Behörde, den mehrheitlich staatlichen Konzern zu schonen.

Die Weko kontert: Derzeit liefen die Auktionen für die Übertragungsrechte der Fussball- und Eishockeyspiele ab der Saison 2017/18. Das könne zu neuen Marktbedingungen führen. «Falls wieder eine marktbeherrschende Stellung entsteht, weiss der betroffene Konzern, wie die Weko die Situation einschätzt», sagt Direktor Rafael Corazza zur Agentur SDA. Die Busse sei daher auch «ein wichtiges Signal».

Ein Blick über die Grenze

Suissedigital fordert Swisscom auf, «nun allen Anbietern eine faire Offerte für die Sportübertragungen zu unterbreiten». Dies sei auch für Swisscom attraktiv, da sie die Gruppe der potenziellen Kunden für ihr Sportangebot auf einen Schlag verdreifachen könne, wie Suissedigital-Präsident Pierre Kohler sagt. Das ist in der Tat ein gutes Argument, zumal mehr TV-Zuschauer und damit Konsumenten auch zu höheren Preisen für das Sponsoring und den Verkauf von Werbung führen könnten. Andererseits ist Swisscom aber daran gelegen, sich mit ihrem TV-Angebot von der Konkurrenz abzuheben, um so mehr TV-Kunden zu gewinnen und darüber hinaus mehr Bündelangebote zu verkaufen.

Vor diesem Hintergrund ist es rückblickend fragwürdig, dass die Weko 2005 den Einstieg der Swisscom bei Cinetrade für unbedenklich befunden hatte. Eine unabhängige Cinetrade, das legen Erfahrungen mit dem Bezahl-TV-Anbieter Sky Deutschland nahe, hätte alles Interesse daran, ihre exklusiven Sportangebote möglichst vielen Kunden und zu diskriminierungsfreien Konditionen zu verkaufen.