Nach Easyjet: Jetzt prüft auch die Swiss ein neues Kompensationsmodell

Die Schweizer Airline macht sich Überlegungen, die Emissionskosten ihrer Flüge künftig selber zu kompensieren. Doch an diesem System gibt es Kritik. 

Benjamin Weinmann, Genf
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Orange macht auf grün: Easyjet kompensiert die Emissionen seiner Flüge künftig selber und lässt sich das rund 32 Millionen Franken kosten. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Orange macht auf grün: Easyjet kompensiert die Emissionen seiner Flüge künftig selber und lässt sich das rund 32 Millionen Franken kosten. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

In der Klimadebatte stehen Billigairlines besonders am Pranger. Nun hat Easyjet, die Nummer 1 in Basel und Genf, angekündigt, ihre umweltschädlichen Emissionen künftig selber zu kompensieren. Dies lässt sich die Firma jährlich rund 32 Millionen Franken kosten, wie Europachef Thomas Haagensen gegenüber CH Media sagt.

Die Swiss bietet ihren Passagieren bisher an, ihre Emissionen mithilfe der Organisation Myclimate zu kompensieren. Laut einer Sprecherin überlegt sich die Swiss nun aber auch, die Kompensation selber zu übernehmen. Nur: Da die Politik zurzeit lieber eine Flugticketabgabe ins Auge fasse, beobachte man vorläufig die weitere Entwicklung im Parlament.

Zwischen Januar und Oktober hat im Schnitt einer von hundert Swiss-Passagieren den Flug kompensiert. Gegenüber der Vorjahresperiode sind dies acht Mal mehr, wie die Sprecherin sagt.  Sie betont, dass die Swiss 2007 als erste Fluggesellschaft mit Myclimate eine Kooperation eingegangen sei. In der Vergangenheit habe die Kompensationsnutzung jeweils im Promillebereich gelegen. «Es freut uns, dass unser Angebot an Akzeptanz gewinnt und vermehrt genutzt wird.»

Allerdings sind die Kompensationssysteme nicht unumstritten. So sagt der Nachhaltigkeitsexperte Niels Jungbluth von der Beratungsfirma ESU Services: «Die Kompensationsbezeichnung ist irreführend, da die Emissionen nach wie vor anfallen.» Wenn schon müsse man von einer Spende oder Ausgleichsmassnahme sprechen.

Wichtiger wäre zudem laut Jungbluth, der Firmen wie Swisscom, Migros aber auch das Bundesamt für Energie berät, dass die Emissionen Richtung null gehen, was kurzfristig nur mit weniger Flügen möglich sei. Für ihn ist klar: «Solche Kompensationen sind ein billiger Weg für Airlines, sich aus der Affäre zu ziehen. Manche Projekte, die mit dem Geld unterstützt werden, mögen sinnvoll sein. Aber das ändert nichts an der Menge CO2, die durch einen Flug ausgestossen wird.»