Swatch Group: Warum Hayek nun doch 1000 Arbeitsplätze abgebaut hat  

Ein Stellenabbau sei kein Thema, sagte Präsidentin Nayla Hayek als die Swatch Group unter dem Frankenschock litt. Das war im Jahr 2016. Im Jahr 2019 hat die Swatch Group doch 1000 Stellen abgebaut.

Niklaus Vontobel
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Stellenabbau kein Thema? Nick Hayek an einer Swatch-Generealversammlung

Stellenabbau kein Thema? Nick Hayek an einer Swatch-Generealversammlung



Oliver Menge / D5

Die Swatch Group hat heute ihre Jahreszahlen vorgestellt. Die Börse reagierte ungehalten. Die Aktie des Uhrenkonzerns verlor zwischenzeitlich um 4,1 Prozent an Wert. Damit gehört der Titel zu den grössten Verlierern unter den Schweizer Bluechip-Aktien, die im Swiss-Market-Index (SMI) enthalten sind.

Swatch-Aktie noch tiefer als nach dem Frankenschock

Die Aktie der Swatch Group fiel gar auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2009. Das heisst: sie ist gar noch tiefer gesunken als nach der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015. Die Aufwertung des Frankens hatte damals die Uhren-Herstellung in der Schweiz massiv verteuert. Der Frankenschock riss ein gehöriges Loch in die Swatch-Bilanz.

Nick Hayek als Chef und Nayla Hayek als Verwaltungsratspräsidentin standen damals unter Druck. Sie hätten den Teuerungs-Sprung an den Schweizer Produktionsstandorten mit einem Sparprogramm auffangen können. Ein Stellenabbau wäre die Folge gewesen. Doch sie entschieden anders.

2016 war ein Stellenabbau «kein Thema»

Wie schon in der Vergangenheit sei ein Stellenabbau in Krisenzeiten kein Thema. Nayla Hayek setzte gar einen Seitenhiebe gegen «einige Konkurrenten», die zum Mittel eines Stellenabbaus greifen würden. Anders gesagt, auf kurzfristige Ereignisse, angebliche Krisen reagiert die Swatch nicht.

Das war im Jahr 2016. Was tun die Hayeks im Jahre 2020, da der Aktienkurs noch tiefer gefallen ist als damals? Im Jahr 2019 hat die Swatch tatsächlich Stellen abgebaut. 2020 werden gemäss Analysten-Einschätzungen noch weitere Stellen gestrichen.

Im Jahr 2019 sinkt der Personalbestand um 1000 Mitarbeiter

Das freut die Aktionäre. Bei der Zürcher Kantonalbank schreibt der zuständige Analyst: «Positiv und vom Markt unterschätzt ist die Tatsache, dass Swatch Group Gegensteuer bei der Kostenentwicklung gibt.» Der Personalbestand sei Ende 2019 tiefer gewesen als 2018, um rund 1000 Mitarbeiter. Die ZKB empfiehlt die Swatch auch darum den Investoren zum Kauf.

Was ist 2019 anders als 2016?

Was ist 2020 anders als 2016? So einiges. Das Personal wird grösstenteils nicht in der Schweiz abgebaut, sondern im Ausland. Rund um die Welt werden 60 Boutiquen verschwinden, von denen jede etwa 10 Mitarbeiter hat. Dazu wird eine Lizenzvereinbarung mit Calvin Klein bald auslaufen. Die Swatch wird also bald keine Uhren mehr herstellen für das US-Modelabel.

In der Schweiz sieht es besser aus. Die industrielle Basis an den Schweizer Standorten ist nicht berührt vom Stellenabbau. Gemäss einer Umfrage der SonntagsZeitung vom Dezember wird Swatch in der Schweiz sogar einige hundert neue Stellen schaffen.

Was ist 2019 gleich wie 2016?

Einiges ist 2020 aber auch gleich geblieben wie 2016. Nach Ansicht der Hayeks gab es 2016 gar keine Krise, auf die man hätte reagieren müssen. Und auch 2020 sieht man im Swatch-Konzern keine Krise. Da mag man noch so sehr von der Börse abgestraft werden. Was die Hayeks von ihr halten ist hinlänglich bekannt: sehr wenig.

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