Superjumbo A380 wird zum Sorgenkind

PARIS. Bestellungen für über 1000 Maschinen hat der europäische Flugzeugbauer Airbus in diesem Jahr schon erhalten, darunter Grossaufträge von Lufthansa oder der indonesischen Lion Air. Bloss das Flaggschiff wartet auf neue Käufer: Der A380 verbucht seit Jahresbeginn keine einzige Festbestellung.

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PARIS. Bestellungen für über 1000 Maschinen hat der europäische Flugzeugbauer Airbus in diesem Jahr schon erhalten, darunter Grossaufträge von Lufthansa oder der indonesischen Lion Air. Bloss das Flaggschiff wartet auf neue Käufer: Der A380 verbucht seit Jahresbeginn keine einzige Festbestellung. Lufthansa hat jüngst gar drei Kaufoptionen verfallen lassen. Air France-KLM kündigte gleichzeitig an, Kaufabsichten für zwei A380 in andere Modelle umschreiben zu wollen. An der Air Show in Dubai von Mitte Monat will Airbus-Chef Fabrice Brégier neue Grossaufträge für den A380 einfahren. Trotzdem will er die aktuelle Produktionskadenz von 2,8 Maschinen pro Monat leicht senken, um «white tails» (weisse Heckflossen) zu vermeiden, wie im Flugzeugbau Ladenhüter heissen.

Egal, wie die A380-Ernte in Dubai ausfällt: Der Superjumbo bleibt sechs Jahre nach seiner Inbetriebnahme weit hinter den Erwartungen zurück. Bei erst 260 Bestellungen und 112 ausgelieferten Exemplaren bleibt die Gewinnzone – ab schätzungsweise 530 Maschinen – in weiter Ferne.

An der Technik liegt es nicht. Die winzigen Haarrisse in den Flügeln sind behoben, und für ein völlig neu konzipiertes Flugzeug ist der A380 ein Muster an Zuverlässigkeit. Ausserdem verbraucht er 17% weniger Kerosin pro Passagierkilometer als andere Langstreckenjets. Das Problem ist vielmehr die lahmende Nachfrage, wobei die Wirtschaftskrise nur teils als Erklärung dient. Umstritten ist die Langzeitprognose von Airbus, die von einem globalen Bedarf von 1711 Superjumbos in den nächsten zwanzig Jahren ausgeht. Dagegen rechnet der US-Rivale Boeing mit weniger als der Hälfte (760 Maschinen).

Airbus meint, dass der Massentransport zwischen den Hubs (Knotenpunkten) der Fluggesellschaften gerade im Boommarkt Asien immer mehr gefragt sein wird. Daher bietet Airbus den A380 gar als Version mit «Sardinen-Bestuhlung» für 800 Passagiere. Boeing rechnet hingegen langfristig mit einer Zunahme der Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, die eher Flugzeuge mit 400 Sitzplätzen erfordern. (brä.)

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