Sulzer in der Schusslinie

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Sanktionen Der Schachzug von Sulzer scheint nicht aufzugehen. Mit einem Rückkauf eigener Aktien wollte sich das Winterthurer Unternehmen aus der Schusslinie nehmen. Am Montag kündigte Sulzer an, 5 Millionen eigene Aktien von Grossaktionär Renova des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg zurückzukaufen. Damit wäre Sulzer nicht mehr von den Sanktionen betroffen.

Doch die Transaktion ist noch nicht in trockenen Tüchern. Der Rückkauf muss erst noch vom US-Finanzministerium anerkannt werden, bevor die Transaktion vollzogen wird. Bis dahin behandeln die Banken Sulzer wie eine Firma, gegen die Sanktionen gelten. Und diese haben es in sich: Die Konten des Schweizer Industriekonzerns in den USA wurden am Dienstag eingefroren. Sulzer dürfe zwar weiterhin Löhne aus- und Lieferanten bezahlen, ansonsten aber keine Zahlungen in Dollar vornehmen und keine Neugeschäfte tätigen.

Erschwerend kam gestern dazu, dass die Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) nicht mehr mit Sulzer-Aktien handeln. Dies bestätigten mehrere Händler am Börsenplatz Zürich tätiger Banken. «Bereits am Dienstag hat die UBS den Handel gestoppt, seit heute auch die CS», hiess es. Auch andere Banken würden ähnliche Schritte erwägen.

Auch Joe Ackermann tritt bei Renova zurück

Die Sulzer-Aktien stürzten danach erneut ab. Gestern verloren die Titel über 8,5 Prozent. Seit vergangenem Freitag, als die Sanktionen ausgesprochen wurden, haben die Sulzer-Aktien ­einen Viertel ihres Werts ein­gebüsst. Und es könnte noch schlimmer kommen. Laut Reuters, erklärte MSCI, der wichtigste Indexanbieter weltweit, man werde, falls bis zum 16. April keine Klarheit bestehe, ob Sulzer Gegenstand von Sanktionen sei, das Schweizer Unternehmen aus ihren Aktienindices streichen. «Sollte dies geschehen, können wir uns auf eine weitere Verkaufswelle gefasst machen», sagte ein Aktienhändler.

Auch bei der des Oligarchen Vekselberg kontrollierten Renova scheint man angesichts der jüngsten Entwicklungen kalte Füsse zu bekommen. So sei jüngst Joe Ackermann aus dem Verwaltungsrat der Renova Management AG ausgetreten. Das bestätigte der ehemalige Chef der Deutschen Bank gestern gegenüber «NZZ online». Auch die anderen Verwaltungsräte hätten ihr Mandat zu dem Zeitpunkt niedergelegt, an dem die USA die Sanktionen verhängten. (rom)