Süsse Geschäfte im Ausland

Trotz Eurokrise und starken Frankens drängen Ostschweizer Süsswarenhersteller ins Ausland. Ihr schlagkräftigstes Verkaufsargument ist das weisse Kreuz auf rotem Grund. Vermehrt werden Märkte ausserhalb Westeuropas bearbeitet.

Tom Sundermann
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Auch das ist süss: Pumps aus Schokolade an der Internationalen Süsswarenmesse 2013 in Köln. (Bild: Koelnmesse)

Auch das ist süss: Pumps aus Schokolade an der Internationalen Süsswarenmesse 2013 in Köln. (Bild: Koelnmesse)

KÖLN. Bald zwei Jahre ist es her, da wurde es dramatisch: Der Franken wurde im Vergleich zum Euro teurer und teurer – und damit auch die Schoggi der Kreuzlinger Chocolat Bernrain in europäischen Regalen. «Da sind uns die Gewinnmargen zusammengefallen», sagt Monica Müller, die das Familienunternehmen in dritter Generation führt. Bernrain begann zu sparen – und biss sich durch die Krise. Etwa 70% seiner Erzeugnisse verkauft Bernrain im Ausland, vor allem in die Nachbarländer der Schweiz. Jetzt setzen die Kreuzlinger verstärkt auf Schwellenländer, auf Kunden aus der wachsenden Mittelschicht in Brasilien oder in Russland.

Dem Husten folgt die Grippe

Bernrain präsentierte sich diese Woche auf der Internationalen Süsswarenmesse ISM in Köln. Über 35 000 Einkäufer aus 150 Ländern besuchten die 1400 Aussteller aus 67 Ländern, darunter gegen 30 aus der Schweiz. Wie Bernrain haben viele Hersteller das Ausland im Auge. «Der Inlandmarkt ist auf hohem Niveau gesättigt», sagt Franz Schmid, Direktor des Zuckerwarenverbands Biscosuisse. Schweizer Schoggihersteller verkauften bereits 62% ihrer Ware ennet der Grenze. Wichtige Absatzziele sind inzwischen auch Asien, die USA oder Osteuropa.

Der Export ist aber heikel: «Wenn ein wichtiger Auslandmarkt hustet, leiden wir kurz danach an Grippe», sagt Schmid. So hätten die Schweizer Firmen in der Eurokrise Rabatte gewähren müssen, um überhaupt noch Produkte verkaufen zu können.

Swiss als Marke

Die Wirtschaftslage allein diktiere allerdings nicht die Verkäufe – schliesslich sei eine Tafel Schokolade immer noch einfacher erschwinglich als etwa eine Schweizer Uhr. Wichtiger sei die Konsumentenstimmung: Seien die Kunden optimistisch, griffen sie auch bei Süsswaren zu.

Dann darf es oft etwas aus der Schweiz sein, deren Schoggi einen guten Ruf geniesst, was als wertvoller gilt als jeder Markenname. «Unsere Marke heisst Swiss», sagt Müller. Sei Bernrain schon in der Heimat vergleichsweise wenig bekannt, sei im Ausland das weisse Kreuz auf rotem Grund die beste Werbung. Daher blickt auch Bernrain, die am Standort Kreuzlingen 100 Angestellte beschäftigt, mit Zuversicht in die Zukunft. Sicherheit gibt laut Müller auch der Mindestkurs der Nationalbank.

Auch der St. Galler Kaugummi- und Bonbonhersteller Roelli Roelli setzt auf Export. Das Unternehmen führte vergangenes Jahr eine neue Produktlinie ein – und hatte damit derart Erfolg, dass die Produktionskapazität schnell zu klein war, wie Marketingleiterin Esther Gabathuler sagt. Habe sich der Hersteller zuerst auf Europa beschränkt, seien nun auch weiter entfernte Märkte das Ziel.

«Vernarrt in alles Westliche»

Derzeit setzt Roelli Roelli die Hälfte seiner Produkte im Ausland ab, mit Deutschland als wichtigstem Abnehmer. Die Eurokrise sei wenig zu spüren gewesen, sagt Gabathuler. Gute Kunden seien vor allem Junge. Diese liessen sich Süsses gerne etwas mehr kosten.

Auf solvente Kunden setzt auch die Gottlieber Spezialitäten AG am Bodensee. Sie will ihre Produkte im oberen Preissegment den neuen Reichen im asiatischen Raum schmackhaft machen. Momentan gingen noch 90% der Schokoladen in der Schweiz über die Theke, bald sollen zunehmend Käufer etwa aus Singapur oder Indonesien zugreifen. «Da leben viele Menschen, die in alles Westliche vernarrt sind», sagt Verkaufsleiterin Andrea Rivas.

Wegen des noch geringen Auslandsverkaufs habe sich die Krise bei den Gottlieber Spezialitäten kaum bemerkbar gemacht. Und dennoch: «Die Angst, dass es knallt, ist latent vorhanden», sagt Rivas. Anlass für lähmenden Pessimismus sei das jedoch nicht: «Es gibt immer Menschen, die sich Schokolade leisten können.»