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Das Öl erlebt stürmische Zeiten

Der Ölpreis ist in sechs Wochen um fast ein Viertel gefallen. Grosszügige Ausnahmen von den Iran-Sanktionen führen zu einem Überangebot des schwarzen Goldes. Immer mitten drin: US-Präsident Donald Trump.
Christian Mihatsch
Die Ölbohrplattform Sleipner A des norwegischen Energiekonzerns Statoil in der Nordsee. Nach einem steilen Anstieg ist der Ölpreis in den vergangenen Wochen ebenso steil abgestürzt. (Bild: Øyrind Hagen/Statoil (23. Mai 2013))

Die Ölbohrplattform Sleipner A des norwegischen Energiekonzerns Statoil in der Nordsee. Nach einem steilen Anstieg ist der Ölpreis in den vergangenen Wochen ebenso steil abgestürzt. (Bild: Øyrind Hagen/Statoil (23. Mai 2013))

Die Inflation in Deutschland ist im Oktober auf ein Zehn-Jahres-Hoch gestiegen: 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und in der Schweiz liegt die Jahresteuerung seit einem halben Jahr wieder um 1 Prozent oder leicht darüber, und im Oktober hat sie weiter leicht angezogen. Grund dafür sind besonders die hohen Energiepreise. Anfang Oktober lag der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent bei 86 Dollar. Doch seither ist er auf 67 Dollar abgestürzt – ein Minus von 22 Prozent (siehe Grafik). Für den plötzlichen Einbruch gibt es drei Gründe: das Angebot, die Nachfrage und die US-Sanktionen gegen den Iran.

Zuerst zu den Sanktionen, denn diese hatten mit dazu geführt, dass der Preis überhaupt erst auf 86 Dollar gestiegen war. Die USA haben im Mai angekündigt, sich aus dem Atomabkommen zwischen dem Iran, den USA und der EU zurückzuziehen und wieder Sanktionen einzuführen. Diese traten am 4. November in Kraft. Da waren die iranischen Ölexporte bereits von 2,8 Millionen Fass pro Tag im April auf noch 1,8 Millionen gefallen, und der Markt erwartete einen weiteren Rückgang auf noch 1 Million Fass. Folglich stiegen die Preise.

Mehr Öl im Markt als erwartet

Doch dann kam die Überraschung: Acht Länder dürfen für weitere sechs Monate Öl aus dem Iran importieren, ohne von Washington dafür abgestraft zu werden. Diese acht Länder – China, Indien, Südkorea, Japan, Italien, Griechenland, Taiwan und die Türken – nehmen dem Iran rund drei Viertel seiner Ölexporte ab. US-Präsident Donald Trump sagte über die Ausnahmen: «Ich könnte Irans Öl sofort auf Null bringen, aber das wäre ein Schock für den Markt. Ich will die Ölpreise nicht anheben.»

Damit war plötzlich mehr Öl im Markt als erwartet, denn Saudi-Arabien und Russland hatten ihre Produktion bereits ausgeweitet, um den Effekt der Iran-Sanktionen abzufedern. Im Oktober lagen die saudischen Exporte erstmals wieder über dem Niveau von vor zwei Jahren. Damals hatten das Ölkartell Opec und Russland vereinbart, die Exporte zu drosseln, um den Ölpreis anzuheben. Nicht gebunden an den Opec-Russland-Deal war zudem die US-Frackingindustrie, und diese nutzte den steigenden Ölpreis, um ihre Produktion deutlich auszuweiten – von 8,7 Millionen Fass pro Tag am Ende des Jahres 2016 auf 11,7 Millionen jetzt. Damit sind die USA nun der grösste Ölproduzent der Welt.

«Eine verblüffende Trendumkehr»

Nächstes Jahr dürfte sich der US-Vorsprung sogar noch ausweiten: Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass die US-Produktion um weitere 1,3 Millionen Fass pro Tag steigt. «Es ist eine verblüffende Trendumkehr und bringt enorme wirtschaftliche und bis zu einem gewissen Grad geopolitische Vorteile», sagt Jason Bordoff von der US-Universität Columbia. Trotzdem sind die USA noch weit von der globalen Energiedominanz entfernt, die Trump anstrebt: «Wahrer Einfluss beruht nicht nur darauf, wie viel man produziert, sondern von der Fähigkeit, das Angebot schnell zu erhöhen oder zu verringern. Und das kann nur Saudi Arabien», sagte Bordoff dem US-Magazin «Foreign Policy».

Denn in Saudi-Arabien wird die Ölproduktion von einem einzigen Staatskonzern kontrolliert, Saudi Aramco, während in den USA viele oft kleine Firmen für die Rekordproduktion verantwortlich sind. Genau diesen Vorteil will Saudi- Arabien nun nutzen: das Königreich verlangt, dass die Opec und Russland zusammen die Produktion um 1,4 Millionen Fass pro Tag drosseln. Entschieden wird das vielleicht schon am 6. Dezember an der nächsten Opec-Sitzung.

Eine Horrorvorstellung für die Opec und Russland

Was aber, wenn gar nicht das Angebot für den Preiszerfall verantwortlich ist, sondern die Nachfrage? Diese leidet derzeit unter drei Faktoren: den zunehmenden Spannungen im Welthandel, steigenden US-Zinsen und wirtschaftlichen Turbulenzen in einigen Schwellenländern wie der Türkei oder Argentinien. Falls der aktuelle Preisrutsch nachfrage-bedingt ist, wäre dies das schlechtestmögliche Szenario für die Opec und Russland. Denn dann müssten sie ihre Förderung drastisch drosseln, um sowohl die steigende US-Produktion als auch die sinkende Ölnachfrage zu kompensieren.

Damit würden sie allerdings den Zorn von Trump auf sich ziehen. Dieser twitterte am Donnerstag: «Hoffentlich werden Saudi-Arabien und die Opec ihre Ölproduktion nicht kürzen. Die Ölpreise sollten viel niedriger sein!» Besonderes Gewicht erhält dieser Appell vor dem Hintergrund der Affäre um den ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi. Sie erlaubt es derzeit Trump, den Druck auf die saudische Regierung nach Belieben zu erhöhen oder zu senken – so wie es Saudi Aramco mit der Ölförderung tun kann. Kurzfristig haben die USA so vielleicht tatsächlich, was Trump sich wünscht: Energiedominanz.

Benzin und Diesel sind teurer geworden

Treibstoffe kosten momentan so viel wie seit vier Jahren nicht mehr. So ist laut TCS in der Schweiz der Durchschnittspreis für Benzin seit Anfang Jahr um 12 Rappen pro Liter und jener für Diesel um 23 Rappen gestiegen. Der Mineralölkonzern Shell nennt Preisaufschläge an seinen Tankstellen von 13 respektive 16 Rappen (siehe Tabelle).

Wie kann das sein, wo doch der Rohölpreis in den vergangenen Wochen gesunken ist und auch raffiniertes Rohöl in Form von Treibstoffen grundsätzlich genügend vorhanden ist? Der TCS nennt als wichtigen Grund den tiefen Wasserpegel des Rheins. Das schränkt den Schiffsverkehr ein, und die Schiffe können weniger laden. Die Folge: Der Tarif für den Transport von Rotterdam nach Basel auf dem Rhein liegt mit rund 200 Franken pro Tonne auf Rekordhöhe. Im Normalfall, wenn der Rhein genügend Wasser führt, kostet der gleiche Transport etwa 20 Franken pro Tonne. Der Unterschied von 180 Franken macht beim Preis an der Zapfsäule etwa 13 Rappen je Liter aus, wie der TCS vorrechnet.

Tipps zum Treibstoffsparen beim Fahren

Der TCS weist auch darauf hin, dass sich weite Umwege, um an einer günstigeren Tankstelle zu tanken, kaum lohnen. Laut einer Faustregel zahlt sich bei einer Tankfüllung von 50 Litern ein Umweg von 2 Kilometern pro Rappen Preisdifferenz aus – rein finanziell, aber nicht ökologisch. Zudem können Stosszeiten, Ampeln usw. dazu führen, dass sich auch deutlich kürzere Umwege im Portemonnaie nicht rechnen. Im Ausland ist Tanken derzeit vor allem in Österreich günstiger: der Liter Benzin um 10 Rappen und der Liter Diesel um 25 Rappen.

Der TCS hat auch Tipps, mit denen man bis zu 30 Prozent Treibstoff sparen könne: Reifendruck regelmässig kontrollieren, unnötigen Ballast aus dem Auto entfernen, frühzeitig hochschalten (bei höchstens 2500 U/min), vorausschauend und gleichmässig, im höchstmöglichen Gang fahren. (T.G.)

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