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STUDIE: «Nischen gibt es im Hochpreissegment»

Trotz Wirtschaftsaufschwung stagnieren die Umsätze des stationären Detailhandels dieses Jahr. Der Onlinehandel hingegen floriert. Doch auch ihm seien Grenzen gesetzt, sagt Experte Sascha Jucker.
Rainer Rickenbach

Sascha Jucker, was setzt den stationären Detaillisten stärker zu? Der Onlinehandel oder der Einkaufstourismus?

Das lässt sich nicht immer genau auseinanderhalten. Amazon und Zalando etwa beliefern den Schweizer Markt von den Nachbarländern aus, ihre Schweizer Kunden kaufen also auch ausserhalb des Landes ein. Die Wertschöpfung fällt ausserhalb der Schweiz an.

Amazon ist bei uns schon heute von Deutschland aus stark präsent. Nun steht der US-Konzern in Verhandlungen mit der schweizerischen Post, an deren Ende sein Markteintritt stehen könnte. Kommt es zu einer Konsolidierung im Onlinegeschäft?

Die Struktur der Onlineanbieter ist hier anders als in Deutschland oder Österreich. Dort dominiert Amazon den Markt. In der Schweiz präsentiert sich dieser aber heterogener. Es gibt starke Schweizer Anbieter wie Brack.ch oder Digitec Galaxus der Migros. Sie sind auf dem hiesigen Markt gut etabliert. Sollte Amazon einen Schritt weiter gehen und in den Schweizer Markt einsteigen, hat es der US-Onlineanbieter nicht mehr so einfach wie vor 15 Jahren, als er in anderen Teilen Europas sozusagen auf der grünen Wiese sein Geschäft aufbauen konnte.

Unter den Onlinehändlern ist der Verdrängungswettbewerb also schon im Gang?

Es braucht keine Unmenge an Onlinehändlern. Längerfristig werden jene Anbieter den Ton angeben, die über die nötigen Finanzen für hohe Investitionen verfügen. Ein Teil der Detailhändler wird bei einer der grossen Plattformen Unterschlupf finden, andere meiden auch künftig das Onlinegeschäft.

Zalando macht deutlich, dass man auch mit einem späten Onlinemarkteintritt erfolgreich sein kann.

Zalando stieg vor sechs Jahren in den Schweizer Markt ein. Die hiesigen Kleiderhändler hatten zuvor das Onlinegeschäft vernachlässigt, was Zalando zugute kam.

Wie gross ist das Wachstumspotenzial für den Online­handel in der Schweiz?

Heute entfallen 7 Prozent des gesamten Detailhandelsumsatzes auf das Onlinegeschäft. Wir schätzen, 2022 dürften es 11 bis 12 Prozent sein. Der Onlinehandel macht also auch aus mittelfristiger Sicht nur einen kleinen Teil des Retailgeschäftes aus.

Welche Nischen bieten sich dem stationären Handel?

Nischen sehe ich eher im Hochpreissegment und bei Geschäften, deren Klientel weniger onlineaffin ist. Also vermögende Kunden im gehobenerem Alter. Ein starkes Argument für die stationären Läden sind auch Beratung und Service. Es handelt sich letztlich um eine Frage der Strategie. Sicher ist: Es gibt Chancen für den stationären Detailhandel, sich zu profilieren und sich von den Mitbewerbern abzuheben.

Interview: Rainer Rickenbach

Hinweis

Sascha Jucker ist Detailhandelsexperte der Credit Suisse und Mitautor des «Retail Outlook».

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