Streit um die neue Griechen-Anleihe

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Finanzierung Zum ersten Mal seit drei Jahren ist Griechenland diese Woche wieder an den Kapitalmarkt gegangen. Mit einer fünfjährigen Anleihe borgte sich das Krisenland am Dienstag drei Milliarden Euro. War die Emission ein «absoluter Erfolg», wie Ministerpräsident Alexis Tsipras verbreiten lässt, oder war es ein neuer Beweis für die Unfähigkeit der regierenden Koalition aus Links- und Rechtspopulisten, wie die konservative Opposition meint?

Die neue Anleihe hat einen Zins-Coupon von 4,375 Prozent. Effektiv bekommen die Anleger eine Rendite von 4,625 Prozent. Das ist zwar, wie die Regierung hervorhebt, weniger als bei der letzten Emission eines fünfjährigen Bonds im April 2014 unter der damaligen konservativen Regierung. Seinerzeit belief sich der Coupon auf 4,75 und die Rendite auf 4,95 Prozent. Tatsächlich ist die Rendite aber jetzt ähnlich hoch wie damals. Denn von den aufgenommenen drei Milliarden Euro entfallen 1,6 Milliarden auf Inhaber des damaligen Bonds, die ihre Papiere jetzt gegen die neue Anleihe tauschen. Als Anreiz nimmt die staatliche Schuldenagentur die alten Schuldverschreibungen zu einem Kurs von 102,6 Prozent herein, also über dem Nennwert.

Nachfrage bleibt überschaubar

Manche wollen trotz der hohen Risikoprämie nicht zugreifen. Die Auktion der neuen Anleihe zeigte, dass es immer noch Zweifel an der Reformwilligkeit und der wirtschaftspolitischen Kompetenz der Regierung Tsipras gibt. Die Nachfrage nach dem Papier blieb deutlich unter den Erwartungen. Statt geplanter vier Milliarden Euro nahm die Schuldenagentur deshalb nur drei Milliarden auf.

Dass sich Griechenland nach drei Jahren Abwesenheit überhaupt wieder am Markt refinanzieren konnte, ist zwar ein Erfolg. Aber Anlass zur Euphorie gibt es nicht. Nach zweieinhalb Tsipras-Jahren ist Griechenland bei der Kreditwürdigkeit noch nicht einmal wieder da angelangt, wo es im Frühjahr 2014 stand. Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis gebraucht ein anschauliches Bild: «Wir waren im ersten Stock, sind tief in den Keller hinuntergefahren, und nun jubeln einige, weil wir wieder im Erdgeschoss angelangt sind.» (gha)