Streit um Bierpreis wird hitziger

Mit neuen Parallelimporten heizt der Wirteverband Basel-Stadt den Streit mit den Bierkonzernen Heineken und Carlsberg an. Die Grossbrauereien erhöhen seit Jahren im Gleichschritt die Preise.

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BASEL. Über eine Handelsfirma lässt der Wirteverband Basel-Stadt künftig Bier von Carlsberg und Heineken importieren – vorbei an offiziellen Kanälen der zwei internationalen Braukonzerne. Ab kommender Woche bietet der Verband das Bier und weitere Getränke in Pratteln seinen Mitgliedern an – teilweise deutlich unter den Schweizer Listenpreisen, wie er in einer Mitteilung schreibt.

«Nicht mehr länger tolerieren»

Mit ersten Parallelimporten hatte der Verband im Mai begonnen. «Wir zeigen vor allem den Preistreibern Carlsberg und Heineken, dass wir ihre Geschäftspolitik nicht mehr länger tolerieren», sagt Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt. Hintergrund der Aktion ist die jüngste Preiserhöhung von Heineken. Der Konzern, zu dem Biermarken wie Eichhof, Calanda und Haldengut gehören, erhöht die Preise per Oktober im Schnitt um 3,9%. Heineken folgt damit Konkurrent Carlsberg: Dessen Zugpferd in der Schweiz, die Brauerei Feldschlösschen, hat wenige Monate zuvor eine Preiserhöhung von 4,4% bekanntgegeben. Seit Jahren erhöhen die beiden grössten Anbieter auf dem Schweizer Biermarkt die Preise praktisch im Gleichschritt – allein seit 2007 um jeweils über 20%.

Doch nicht nur die Preiserhöhung an sich stört die Wirte. Besonders ärgerlich sei die ungleiche Preissteigerung in Gastgewerbe und Detailhandel. Laut den Basler Wirten erhöhten Carlsberg und Heineken zwischen 1995 und 2010 die Preise für Flaschenbiere nicht einmal halb so stark wie die Fassbierpreise. Die Bierkonzerne schieben den Schwarzen Peter indessen zurück.

Für den höheren Preis, den der Kunde im Restaurant für ein Bier bezahle, seien sowohl die Brauereien als auch die Wirte verantwortlich, sagt Olivier Burger, Mediensprecher von Heineken Schweiz. «Der Offenbierpreis ist seit 2007 von unserer Seite um 59 Rappen pro Liter gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich der Preis für ein Liter in der Gastronomie aber um 2,23 Franken verteuert.»

Auch den Vorwurf der Preisabsprache weisen die grossen Brauereien weit von sich. «Wir haben in der Schweiz einen hart umkämpften Markt», sagt Markus Werner, Mediensprecher bei Feldschlösschen. Dennoch hat der Streit mittlerweile auch Organisationen und Behörden erreicht (siehe Kasten rechts).

Ostschweiz regional geprägt

In der Ostschweiz wiederum präsentiert sich die Ausgangslage zwischen Brauereien und Wirten etwas anders. Hier dominieren nicht Grosskonzerne. Es besteht eine starke Zusammenarbeit mit den regionalen Brauereien, wie Josef Müller-Tschirky, Kantonalpräsident von Gastro St. Gallen, auf Anfrage sagt.

Hiesige Brauereien haben die Preise nicht erhöht, und es sind derzeit auch keine Erhöhungen absehbar. Durch die regionale Verwurzelung befinden sich die Entscheidungsträger zudem gleich vor Ort. Das heisst: Allfällige Fragen können die Partner direkt miteinander besprechen. (sda/T. F.)

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