Streik legt Südafrika lahm

Nur einen Monat hat es seit dem Ende der Fussball-WM gedauert, da brechen die Probleme wieder mit voller Wucht auf. Ein landesweiter Streik ist angekündigt.

Frank Räther
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Johannesburg. Für heute haben die Gewerkschaften im ganzen Land einen totalen Streik des öffentlichen Dienstes angekündigt. 1,3 Mio. Angestellte der Verwaltung, Lehrer, Krankenschwestern und viele andere treten in den Ausstand. Auch die Zollbeamten legen die Arbeit nieder, womit auf Flughäfen und an Grenzübergängen nichts mehr laufen dürfte.

Mit Massendemonstrationen durch die Städte und zum Regierungssitz in Pretoria wollen die Gewerkschaften ihren Forderungen Nachdruck verleihen.

Vorerst ist nur ein 24stündiger Streik beabsichtigt, doch wenn es bei den Tarifverhandlungen dann keine Zugeständnisse gibt, können tage- und möglicherweise wochenlange Aktionen folgen. Ein Gewerkschaftssprecher machte klar: «Und wenn wir bis 2011 streiken müssen – wir geben nicht nach.»

Staatsdiener im Hintertreffen

Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes beklagen, dass Minister und Bürgermeister von Grossstädten jährlich umgerechnet über 140 000 Fr.

verdienen, sie aber mit Brosamen abgespeist würden, weil angeblich kein Geld da sei. Und während nach Streiks die Beschäftigten der staatlichen Unternehmen Transnet 11% und des Energieversorgers Eskom 9% mehr Lohn plus einen monatlichen Mietzuschuss von 200 Fr. erhielten, sollen sie nur 7% und die Hälfte des Zuschusses bekommen. Die Forderung lautet 8,6% plus zwei Drittel des Zuschusses.

Übermorgen werden auch Zehntausende Arbeiter der Autoindustrie streiken, um einen neuen Tarifvertrag zu erzwingen. Er soll künftig zudem nur noch ein Jahr gelten statt drei Jahre, um so die Einkommen rascher an die rapide steigenden Lebenshaltungskosten angleichen zu können.

Das Leben wird immer teurer

Obwohl die offizielle Inflationsrate nur etwas über 4% liegt, verteuern Grundkosten das Leben deutlich. Strom schlägt jedes Jahr um 25% auf, Wasser und Kehrichtabfuhr um über 10%.

Auch viele Grundnahrungsmittel kosten bereits doppelt so viel wie vor vier Jahren. Vor allem tiefe Einkommen sind dadurch überproportional belastet. Dazu kommt die hohe Arbeitslosigkeit von mehr als 25%, so dass von einem Einkommen oft Grossfamilien mit mehr als zehn Personen über die Runden kommen müssen.

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