«Strategie durchhalten»

4 bis 6 Prozent pro Jahr betragen laut Studien die Anlageverluste durch psychologisches Fehlverhalten. In unsteten Zeiten reagieren Investoren oft emotional statt rational, sagt Professor Thorsten Hens, der gestern auf Einladung der Acrevis Bank in St. Gallen referierte.

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Thorsten Hens Professor für Financial Economics an der Universität Zürich (Bild: pd)

Thorsten Hens Professor für Financial Economics an der Universität Zürich (Bild: pd)

4 bis 6 Prozent pro Jahr betragen laut Studien die Anlageverluste durch psychologisches Fehlverhalten. In unsteten Zeiten reagieren Investoren oft emotional statt rational, sagt Professor Thorsten Hens, der gestern auf Einladung der Acrevis Bank in St. Gallen referierte.

Wie kommen Anlageentscheide zustande?

Anlageentscheide von Privatanlegern kommen immer mehr spontan zustande. Dies liegt vor allem daran, dass Privatanleger durch moderne Medien viel direkter mit den Finanzmärkten verknüpft sind als sonst. Eine schockierende Nachricht, wie der jüngste Börsencrash in China, führt sofort zu Handelsaktivität – und zwar in alle Richtungen.

Welche Fehler begehen Anleger dabei häufig?

Durch die direkte Verknüpfung mit den Finanzmärkten handeln Privatanleger sehr viel – und dies zumeist prozyklisch. Das heisst: Wenn die Kurse gestiegen sind, wird gekauft, sind die Kurse gefallen, wird verkauft. Man macht immer das, was letztes Mal das beste gewesen wäre.

Was können Anleger tun, damit sie Anlageentscheide rationaler fällen?

Anleger müssen strategischer agieren. Das bedeutet, sie müssen eine Anlagestrategie wählen, die zu ihnen passt und diese durchhalten – in guten wie auch in schlechten Zeiten. Eine Anlagestrategie passt zu einem, wenn sie im Rahmen der finanziellen Risikofähigkeit die psychologische Risikotoleranz nicht überschreitet.

Welche weitere Entwicklung erwarten Sie an den chinesischen Börsen?

An den chinesischen Börsen kommt es sehr häufig zu spekulativen Blasen, die sich in Crashes entladen. Im Moment sind die Börsen noch 10 bis 20 Prozent überbewertet. Ein Börsencrash in China hat aber weniger starke Auswirkungen auf die reale Ökonomie, wie es einer

in den USA oder Europa hätte.

Welche generellen Ratschläge können Sie Schweizer Anlegern für ihre Investitionen dieses Jahr erteilen?

2016 wird ein schwieriges Anlagejahr. Der langfristige Aufwärtstrend an den Aktienmärkten, den wir seit der Finanzkrise gesehen haben, ebbt ab, und die Bewertungen sind nicht mehr attraktiv. Aber auch in solchen Zeiten sollte man seine langfristig ausgerichtete Anlagestrategie durchhalten. Allenfalls kann man sie ergänzen durch Chancen, die sich kurzfristig bieten – zum Beispiel aus dem Klimagipfel in Paris sowie aus der Migrationswelle. (T. G.)

SG - Thema Businesslunch Besteck Gabel Serviette gedeckter Tisch bei Nett Restaurant Schützengarten (Bild: Ralph Ribi)

SG - Thema Businesslunch Besteck Gabel Serviette gedeckter Tisch bei Nett Restaurant Schützengarten (Bild: Ralph Ribi)

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