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Strafverfahren: Mit der Anklage gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz dauert's

Die Staatsanwaltschaft ist noch mit Befragungen beschäftigt. Es wird wohl 2019, bis Anklage erhoben wird.
Beat Schmid
Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller, 27. Februar 2015)

Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller, 27. Februar 2015)

Diese Woche tauchte Pierin Vincenz plötzlich in der Öffentlichkeit auf. Der monatelang weggesperrte Ex-Raiffeisen-Chef hatte bei der Zürcher Staatsanwaltschaft einen Termin. Die Journalisten von «20 Minuten» hatten offenbar Wind davon bekommen und passten ihn beim Eingang ab. Doch der Gejagte verschwand schnell im Bauch des Gebäudes und überliess das Feld seinem Verteidiger Lorenz Erni. Dieser lächelte lediglich und sagte nichts Verwertbares.

Eine der Spezialitäten des renommierten Juristen ist es, Fehler der Staatsanwaltschaft auszunutzen. Im Fall seines bekannten Mandanten könnte das heissen: Sobald belastende Informationen in den Medien auftauchen, wird der Staatsanwaltschaft unterstellt, dass diese die Informationen an die Öffentlichkeit getragen habe. Ernis Ziel: Die Glaubwürdigkeit der Ermittler um deren Abteilungsleiter Marc Jean-Richard-dit-Bressel zu un­tergraben.

Jurist Peter Forstmoser würde gerne reden

Die Zürcher Staatsanwaltschaft ist sich dessen bewusst und versucht daher zu verhindern, dass Beweismaterial öffentlich wird. Sie droht Beteiligten schwere Konsequenzen an, wenn sie in den nächsten zwölf Monaten Dokumente weiterreichen. Das geht aus einem Brief hervor, den Jean-Richard-dit-Bressel allen Parteien im Verfahren zugestellt hat. Die Medienpräsenz scheint dem Staatsanwalt zu missfallen: Im Schreiben spricht er von «exzessiver» Berichterstattung.

Eine Person, die sich gerne zum Fall äussern würde, ist Peter Forstmoser. Der Rechtsprofessor hat für Raiffeisen vor bald zehn Jahren ein Gutachten verfasst, das seinen Ruf beschädigt hat. Der Starjurist hatte ein heikles privates Geschäft von Vincenz zu beurteilen, das jetzt im Zentrum der Strafermittlungen steht. Vincenz hatte sich damals mit seinem Geschäftspartner Beat Stocker vorgängig und verdeckt an der Wiler Firma Commtrain beteiligt, die später von Aduno gekauft wurde. Vincenz und Stocker waren damals Verwaltungsratspräsident respektive Chef von Aduno und hatten gegenüber der Kreditkartenfirma, an der Raiffeisen ein Viertel hielt, ihre private Beteiligung an Commtrain nicht offengelegt.

Warten bis nächstes Jahr

Als Gerüchte über das verdeckte Geschäft die Runde machten, gab Vincenz über den damaligen Raiffeisen-Präsidenten Franz Marty eben dieses Gutachten bei Forstmoser in Auftrag, das keinen Gesetzesverstoss feststellte. Forstmoser schreibt in einer E-Mail: «Leider kann ich – wegen des Berufsgeheimnisses – keine Auskunft über den Inhalt meines Gutachtens machen. Ich hoffe, es wird bald endlich einmal öffentlich zugänglich, damit die Mutmassungen und Unterstellungen aufhören.»

Beobachter glauben, dass frühestens nächstes Jahr mit einer Anklage zu rechnen ist. Auch möglich ist, dass es zu keiner Anklage kommt. Für Vincenz und alle anderen in das Verfahren Verwickelten gilt die Unschuldsvermutung.

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