Strafe für Chevron Texaco wegen Umweltverseuchung

In Ecuador hat ein Richter den US-Ölkonzern Chevron Texaco wegen Verschmutzung des Amazonas-Regenwaldes verurteilt. Chevron Texaco muss 8 Mrd. Dollar Strafe und Entschädigung zahlen.

Sandra Weiss
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Bild: Sandra Weiss

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Puebla. Der Rechtsstreit um den mutmasslich weltgrössten Umweltskandal im Erdölgeschäft dauerte 18 Jahre. Nun ist das Urteil gefällt. Dessen Begründung füllt gut 180 Seiten. «Der Richter hat die Wirklichkeit gesehen und ein gerechtes Urteil gefällt», begrüsste Humberto Piaguaje, Sprecher der Secoya, das Urteil. Die Ureinwohner hatten die Klage einst angestrengt.

Allerdings will Chevron Texaco Berufung einlegen und hat vor einem internationalen Schiedsgericht die vorübergehende Suspendierung des ecuadorianischen Urteils erwirkt, wegen möglicher Verstösse gegen bilaterale Abkommen. Chevron nannte das Urteil «illegal» und «auf Betrug basierend statt auf wissenschaftlichen Beweisen».

Schlimmer als die BP-Ölpest

Laut Umweltschützern übertrifft der im Amazonas angerichtete Schaden die Folgen der BP-Ölpest im Golf von Mexiko um das Zehnfache. Laut einer schwedischen Studie wurden 113 Mio. m³ Giftstoffe im Amazonasbecken entsorgt. Über 30 000 Menschen waren den Klägern zufolge von Texacos Praktiken in den Jahren 1972 bis 1990 betroffen. So wurde der bei der Erdölförderung anfallende Giftschlamm unter freiem Himmel in offenen, schlecht abgedichteten Becken gelagert oder als Strassenbelag auf den Schotterpisten im Amazonas verwendet. Krebsrate, Fehlgeburten und Kindersterblichkeit in der Region schnellten in die Höhe.

Unterstützung von Sting

Der Texaco-Konzern, der 2001 von Chevron aufgekauft wurde, stritt die Verschmutzung nicht ab, machte aber geltend, er habe damals in Partnerschaft mit dem staatlichen Petroecuador-Konzern operiert, alle Auflagen erfüllt und nach Ende der Konzession 40 Mio. $ für die Säuberung der Rückstände ausgegeben. Daher sei das Unternehmen nicht mehr zu belangen.

Chevron Texaco hatte über Jahre mit formalen Einwänden versucht, den Prozess hinauszuzögern. Zeugen wurden beeinflusst, internationale Gerichte eingeschaltet, politischer Druck wurde ausgeübt. Der Fall inspirierte den Dokumentarfilm «Crude». Zahlreiche Prominente unterstützten die Kläger, darunter Sänger Sting und Schauspielerin Daryl Hannah.

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