Stimmung ist der treibende Faktor

Was ist nur an den Märkten los? Die Unsicherheit dominiert, und Einzelereignisse werfen hohe Wellen. Wenn die Emotionen hochgehen, dann ist ein dickes Nervenkostüm gefragt und eine Auslegeordnung nötig.

Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Analyse und Anlagestrategie, St. Galler Kantonalbank
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Was ist nur an den Märkten los? Die Unsicherheit dominiert, und Einzelereignisse werfen hohe Wellen. Wenn die Emotionen hochgehen, dann ist ein dickes Nervenkostüm gefragt und eine Auslegeordnung nötig.

Viele Krisenherde

Zuerst zu den kritischen Punkten: Krisenherde an den globalen Finanzmärkten gibt es einige. Chinas Wirtschaft wächst langsamer als noch bis letztes Jahr. Überhaupt kommen aus den Schwellenländern immer wieder negative Nachrichten. Auch die US-Konjunkturdaten konnten die Erwartungen in den letzten Wochen nicht erfüllen. Und dann noch der Ölpreis. Signalisiert sein Rückgang eine globale Rezession? Chinas Konjunktur beobachten wir sehr eng. Zu lange haben die Anleger Chinas Wachstum nur durch die rosa Brille betrachtet, doch nun sind sie zu kritisch. Die Schwäche der Schwellenländer hat viel mit Kapitalabflüssen zu tun, welche sich stabilisiert haben. Die US-Wirtschaft expandiert, und vor allem die US-Binnenkonjunktur brummt. Weh tut jedoch der tiefe Ölpreis. Vorerst gibt es keine Entwarnung für Länder und Firmen, die von einem steigenden Preis profitieren würden. Ein Rezessionssignal können wir aus den tiefen Preisen aber nicht ablesen. Er hat vor allem mit dem üppigen Angebot zu tun.

Die Hausse nährt die Hausse

Aktuell ist es nicht ganz einfach, einen Zugang zum Geschehen an den Finanzmärkten zu finden. Die Pessimisten haben Hochkonjunktur, und jede negative Aussage wiegt zehnmal stärker als jede positive. Auch ist es auffallend, dass eine Meldung reicht, um den gesamten Markt in die gleiche Richtung zu schicken. So bestätigt jede negative Meldung das negative Bild. Ein Teufelskreis, in dem die Stimmung der treibende Faktor ist, und es dominiert der Herdentrieb.

Gemischtes Signal

Wie viel «Negatives» ist in den aktuellen Marktpreisen bereits berücksichtigt, und gibt es noch Chancen für wieder stärkere Aktienmärkte? Man hat den Eindruck, dass inzwischen viele negative Faktoren in den aktuellen Marktpreisen berücksichtigt sind. Der Eindruck entsteht, weil die Preisreaktionen kleiner sind als noch vor wenigen Wochen. Ebenfalls sieht man weiterhin positives Potenzial von Seiten der US-Konjunkturlage. Die Gewinnrevisionen für die Unternehmen rund um den Globus sind negativ. Das ist ein gemischtes Signal. Negativ ist, dass sich das wirtschaftliche Umfeld für die Unternehmen verschlechtert hat. Positiv aber ist, dass die tiefen Erwartungen die Wahrscheinlichkeit für gute Überraschungen erhöhen.

Aktien sind ein Kauf wert

Die Aktienquote ist entgegen dem negativen Trend in den letzten Wochen erhöht worden. Ein Teil davon ist in den Schwellenländern aufgebaut worden, weil die Konjunkturaussichten dort zu negativ beurteilt wurden und die Bewertung vergleichsweise attraktiv ist. Der andere Aufbau geschah in US-Aktien, weil dort die Konjunkturaussichten gleichfalls intakt sind.