Stimmrechte der Sika-Erben gelten nur beschränkt

Die Familien-Erben der Sika können an der Generalversammlung nicht ihre ganze Stimmkraft zum Einsatz bringen. Der Verwaltungsrat beschränkt die Stimmrechte ihres Anlagevehikels SWH bei diversen Traktanden, unter anderem bei der Wahl des Verwaltungsratspräsidenten.

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Sika-Präsident Paul Johann Hälg spricht an der Generalversammlung. (Bild: Keystone)

Sika-Präsident Paul Johann Hälg spricht an der Generalversammlung. (Bild: Keystone)

Die Beschränkung auf 5 Prozent betrifft weiter jene Verwaltungsräte, die nicht die Erben-Familie Burkard vertreten. Zudem gilt sie auch bei der von den Burkards vorgeschlagenen Zuwahl des Juristen Max Roesle in das Aufsichtsgremium.

Der Vorbehalt gelte auch bei der Wiederwahl des Nominierungs- und Vergütungsausschusses. Bei anderen Traktanden, etwa der Opting-Out-Klausel, gelte die Beschränkung nicht. Dies sagte Verwaltungsratspräsident Paul Hälg an der Generalversammlung vor Beginn der Abstimmungen.

"Wir haben eine massvolle Vorgehensweise gewählt", rechtfertigte sich Hälg. Man habe die SWH ihrer vollen Stimmkraft von rund 52 Prozent nur in den Punkten beraubt, die notwendig seien, um eine Einverleibung des Konzerns in Saint-Gobain bis auf weiteres zu verhindern. Bei der Wahl der SWH-Vertreter Urs Burkard, Willi Leimer und Jürgen Tinggren in den Verwaltungsrat gelte die Beschränkung nicht, betonte er.

Weg frei machen für Verkauf
Hälg sagte, das Ziel der Familien-Erbe an dieser Generalversammlung sei klar gewesen: Es gehe darum, den Weg frei zu machen für den Verkauf. Darum wollen die Familien-Erben den unabhängigen Verwaltungsrat nicht mehr wählen und ein neues Mitglied, Max Roesle, zum Präsidenten machen.

Dies müsse mit der Stimmrechtsbeschränkung verhindert werden. Hälg bezeichnete die Verkaufspläne als tiefe Zäsur. Sika habe in den vergangenen Jahren genug bewiesen, dass Sika keinen Partner brauche. Er legte nochmals dar, warum der Sika-Verwaltungsrat sich gegen die Verkaufspläne stellt. Sika und Saint-Gobain seien auch Konkurrenten.

Statt von Synergien sprach Hälg von "schädlichen Überlappungen" und zentralistischen Strukturen, die der Sika von den Franzosen aufgedrückt würden. An den redlichen Absichten an einer Übernahme zweifelt der Sika-Verwaltungsrat. Es fehle die industriellen Logik für diese Transaktion. Saint-Gobain sei aber nicht bereit, mit dem Sika-Verwaltungsrat konstruktiv zu diskutieren.

Familienvertreter Burkard spricht unter Buhrufen
Urs Burkard, Sika-Verwaltungsrat und Vertreter der Erben-Familie im Gremium, hat den unabhängigen Verwaltungsrat an der Generalversammlung scharf kritisiert. Er warf ihnen den Versuch einer Enteignung vor und sprach von Bevormundung, wurde dabei aber mehrfach von Aktionären ausgebuht.

Es sei das gute Recht der Familien-Erben, ihren Anteil zu verkaufen. Auch die Opting-Out-Klausel sei seit Jahren Bestandteil der Statuen. Der Verwaltungsrat flüchte sich in die Illegalität, sofern er sich nicht entscheide, die Stimmrechtsbeschränkung aufzuheben. Sofern die Beschränkung gelte, «sind wir darauf vorbereitet», sagte Burkard.

Saint-Gobain sei keine Heuschrecke, sondern ein verlässlicher Partner, versuchte Burkard die Aktionäre zu beruhigen. Die Arbeitsplätze seien sicher. An der Profitabilität der Sika werde sich nichts ändern. Sika bleibe eine Schweizer Firma, sagt er − und bekam als Antwort ebenfalls Buhrufe.

Verwaltungsratspräsident Paul Hälg sagte unmittelbar nach dem Votum, dass der Verwaltungsrat nicht davon absehe, die Stimmrechtsbeschränkung für jene Traktanden, die die Wahlen betreffen, aufzuheben. Urs Burkard appellierte also vergeblich an "deine Vernunft, Paul."

Zahlreiche Voten gegen Sika-Verkauf
Rund ein Dutzend Redner haben an der Generalversammlung versucht, die Erben-Familie umzustimmen und von einem Verkauf der Firma an Saint-Gobain abzusehen. Karl Vogler, Nationalrat des Kantons Obwalden, sprach aus Sicht eines Sika-Standortes und bat die Familie Burkard, das Unternehmen nicht aufzugeben. Ebenso tat es Markus Lehmann, Nationalrat des Kantons Basel-Stadt.

Weiter meldeten sich Aktionäre respektive Vertreter von Aktionären zu Wort, unter anderem Dominique Biedermann von der Stiftung Ethos sowie die Vertreter von ausländischen Investoren. Sie alle votierten gegen den Verkauf und für ihre Anträge. Ethos etwa will die Opting-Out-Klausel zu Fall bringen, die Stiftung um Bill Gates verlangt eine Sonderprüfung sowie den Einsatz von Sachverständigen. Der Chef des Aktionärsdienstleisters zRating, Michael Otte, hingegen empfahl, dem Verwaltungsrat die Entlastung zu verweigern und die Anträge auf Sonderprüfungen abzulehnen. "Spielregeln gelten für alle", sagte er, also auch für die Gründerfamilie.

Kritische Voten wie diese vom Redner, der sich klar auf die Seite der Familie stellte, blieben die Ausnahme. (sda)

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