Stickmaschinen: Saurer zieht die Verlagerung von Arbon nach China durch

Das Konsultationsverfahren hat wie erwartet keine brauchbaren Rettungsideen gebracht: Saurer verlagert die Montage der Stickmaschinen wie angekündigt nach Fernost. Am Standort Arbon geht rund ein Drittel der 105 Arbeitsplätze verloren, begleitet von einem «guten» Sozialplan.

Thomas Griesser Kym
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Am Arboner Standort der Saurer-Gruppe wird die Montage der Stickmaschinen nach China verlagert. (Bild: Thurgauer Zeitung)

Am Arboner Standort der Saurer-Gruppe wird die Montage der Stickmaschinen nach China verlagert. (Bild: Thurgauer Zeitung)  

Die angekündigten Verlagerungspläne der Saurer-Gruppe von Arbon nach China sind beschlossene Sache. Während der dreiwöchigen Konsultationsfrist sind aus den Reihen der Belegschaft keine substanziellen Vorschläge zum Erhalt der betroffenen Stellen oder eines Teils von ihnen am Thurgauer Standort eingegangen, wie auf Anfrage Anke Gähme sagt. Das sei auch nicht zu erwarten gewesen, ergänzt die Regionalleiterin Ostschweiz-Graubünden der Gewerkschaft Unia.

Demnach wird die Produktion respektive Montage der Saurer-Stickmaschinen per Ende Jahr von Arbon ins chinesische Saurer-Werk am Standort Suzhou verlagert. Von dieser Neuausrichtung sind laut Angaben vor einem Monat rund 35 der 105 Stellen in Arbon betroffen. Wie Gähme sagt, haben die Unternehmensleitung und die Personalkommission unter Beizug der Gewerkschaft in der Zwischenzeit einen Sozialplan ausgehandelt, wobei die Firma von einer «Vereinbarung» spreche. Laut Gähme gab es «gründliche, langwierige Verhandlungen», die «in gute Ergebnisse» gemündet seien für jene Mitarbeitenden, die ihre Stelle verlieren.

«Das sind gesuchte Berufsleute»

In den nächsten Tagen gelte es bis zur Unterschrift noch Details zu regeln, doch als Eckpunkte des Sozialplans nennt Gähme Frühpensionierungen, Abgangsentschädigungen je nach Lebens- und Dienstalter, Outplacement-Beratung und eine Stellenbörse. Erste betroffene Saurer-Angestellte seien bereits bei anderen Firmen untergekommen. «Es handelt sich ja um qualifizierte Beschäftigte wie Techniker, Monteure, Speditionsmitarbeitende, Logistiker, Einkäufer oder Angestellte in der Qualitätssicherung. Das sind gesuchte Berufsleute», sagt Gähme. Die exakte Zahl der Stellen, die bei Saurer verloren gehen, ist laut ihren Angaben noch nicht klar, ebenso wenig die Zahl der Frühpensionierungen.

Saurer selber will sich noch nicht äussern. Firmensprecherin Simona Gambini schreibt auf Anfrage, die Personalvertretung habe dem Management per Ende des Konsultationsverfahrens Vorschläge unterbreitet. «Saurer ist nun dabei, diese genau zu prüfen, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird». Danach wolle man zuerst die Belegschaft informieren, bevor man extern kommuniziere.

«Seit geraumer Zeit nicht mehr rentabel»

Saurer hatte die geplante Verlagerung der Montage von Arbon nach China vor Monatsfrist mit dem schrumpfenden Stickereimarkt, der sinkenden Nachfrage nach Stickmaschinen und Kostenüberlegungen begründet. Das Geschäft mit Stickmaschinen sei «seit geraumer Zeit nicht mehr rentabel». Am Standort Arbon bleiben Forschung und Entwicklung. Das hier stationierte Technologiezentrum soll laut Gähme weiter ausgebaut werden. 2018 wurden im Zentrum sowie in den Bereichen Sensoren, Automation und IT 38 neue Stellen geschaffen.

Der börsenkotierte Saurer-Konzern stellt Textilmaschinen her und gehört mehrheitlich zur chinesischen Jinsheng-Gruppe. Saurer hat weltweit 4300 Mitarbeitende und setzt im Jahr rund 1,25 Milliarden Franken um.