Universität St.Gallen
«Sei ein Spieler und schau nicht bloss zu»: Das 50. St.Gallen Symposium ist eröffnet

Die Pandemie macht's möglich: Das St.Gallen Symposium wird erstmals als hybrider Anlass durchgeführt, mit weit mehr Teilnehmenden als bisher. Lord Brian Griffiths of Fforestfach ortet einen «Mangel an Vertrauen» und gibt Tipps für Symposiumsneulinge.

Thomas Griesser Kym
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Peter Voser, Präsident des Stiftungsrats der St.Galler Stiftung für Internationale Studien, eröffnet das 50. St.Gallen Symposium.
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Live-Zuschaltung des Symposium-Ehrenvorsitzenden und Ex-Goldman-Sachs-Vizepräsidenten Lord Brian Griffiths of Fforestfach.
Bankendiskussion mit Julius-Bär-Chef Philipp Rickenbacher und Ökonom Klaus Wellershoff.
Julius-Bär-Chef Philipp Rickenbacher.
Ökonom Klaus Wellershoff.
Covid-19-Testcenter am St.Gallen Symposium.
Auch Studenten nehmen teil.
Im Studio mit den Moderatorinnen.
Studio Moderatorinnen am 50. St.Gallen Symposium.
Zwischendurch mal eine Verpflegung.

Peter Voser, Präsident des Stiftungsrats der St.Galler Stiftung für Internationale Studien, eröffnet das 50. St.Gallen Symposium.

Ralph Ribi

Rund 800 Teilnehmende sind es normalerweise, die am St.Gallen Symposium an der hiesigen Universität dabei sind. Als Folge der Pandemie ist nun vieles anders. Zwar sind auf dem Campus keine Gäste und nur ein kleinerer Teil der Referenten anzutreffen. Weil aber die meisten der 60 Sessions rein digital ablaufen, können online weit mehr Leute teilnehmen. 2000 sind es, wie ABB-Verwaltungsratspräsident Peter Voser, Präsident des Stiftungsrats der St.Galler Stiftung für Internationale Studien, am Vormittag an der Eröffnung des 50. St.Gallen Symposiums sagte.

Insgesamt findet das Symposium dieses Jahr global an zwölf Standorten statt, darunter neben St.Gallen an zwei weiteren Hubs in Boston und Singapur und in mehreren Schweizer Botschaften. Zugeschaltet aus Peking sagte der kanadische Botschafter in China, Dominic Barton, das diesjährige Konferenzthema «Trust matters» (Vertrauen zählt) sei enorm wichtig, ebenso wie der Dialog zwischen den Generationen.

Peter Voser im Gespräch mit dem kanadischen Botschafter in China, Dominic Barton.

Peter Voser im Gespräch mit dem kanadischen Botschafter in China, Dominic Barton.

Als die Jungen das Vertrauen verloren hatten

Daran schloss Lord Brian Griffiths of Fforestfach, zugeschaltet ins regnerische St.Gallen aus dem sonnigen London, nahtlos an. Der Ehrenvorsitzende des Symposiums und Vizepräsident der Investmentbank Goldman Sachs ortet «einen Mangel an Vertrauen» und nannte als Beispiel die Proteste der «Black Lives Matter»-Bewegung. An Vertrauen fehlt es laut Griffiths an vielen Orten, etwa in die Justiz oder in die Polizei oder beim Umgang mit Umweltthemen oder der Pandemie.

Griffiths schlug sodann einen Bogen, indem er sagte:

«Vertrauen bedingt Vertrauenswürdigkeit.»

Jede und jeder Einzelne müsse vertrauenswürdig sein ebenso wie alle Institutionen. Ein Mangel an Vertrauen habe schliesslich auch Anfang 1970 zur Gründung des St.Gallen Symposiums, damals als «Internationales Management-Gespräch», durch fünf Studenten um Wolfgang Schürer geführt, mit eine Folge der Studentenproteste der 1960er-Jahre. Griffiths:

«Die Jungen hatten kein Vertrauen mehr in die Älteren.»
Zugeschaltet aus London: Lord Brian Griffiths of Fforestfach.

Zugeschaltet aus London: Lord Brian Griffiths of Fforestfach.

Zuhören, verstehen, mitreden

Was empfiehlt Griffiths als Urgestein des Symposiums Neulingen, die zum ersten Mal teilnehmen? Erstens gut zuhören, «auch bei Argumenten, mit denen man selber nicht einverstanden ist». Zweitens versuchen, die Standpunkte des oder der anderen zu verstehen. Und drittens einen eigenen Standpunkt formulieren. Griffiths ruft zum Dialog auf:

«Sei ein Spieler und schau nicht bloss von der Seitenlinie aus zu.»

Covax-Initiative: «Nicht perfekt, aber ...»

Vom Hub in Singapur aus sprach Swan Gin Beh, Chef der Wirtschaftsentwicklungsbehörde EDB des südostasiatischen Stadtstaats. Beh hob hervor, wie wichtig internationale Kooperation sei, um die Pandemie zu meistern. Dabei erwähnte er auch die Covax-Initiative, die eine halbwegs gerechte Verteilung der Impfstoffe an alle Länder gewährleisten soll. Die Schweiz unterstützt diese Initiative seit Beginn und hat zusammen mit Singapur eine informelle Gruppe gleichgesinnter Länder geleitet, um den Aufbau der Covax-Fazilität aus Perspektive der selbst finanzierenden Länder zu begleiten. Beh räumte ein:

«Es ist nicht die perfekte Lösung, aber sie ermöglicht ärmeren Ländern einen besseren Zugang zu Impfstoff, als wenn alles rein über den Markt liefe.»

Auch die Universität St.Gallen ist mit Singapur verbunden. So bietet das St.Gallen Institute of Management in Asia (SGI) als Tochtergesellschaft der Universität asienbezogene akademische Aktivitäten an, und es gibt ein Programm für Studierende der Universität St.Gallen und der Singapore Management University für Austauschsemester. Dieses Austauschprogramm blühe, wie Beh sagte.

Auch Firmen können Singapur einiges abgewinnen

Auch Unternehmen der Privatwirtschaft haben Singapur als Nährboden für fruchtbare Zusammenarbeit entdeckt. So haben beispielsweise jüngst der Uzwiler Technologiekonzern Bühler und der Genfer Riechstoff- und Aromenkonzern Givaudan in Singapur gemeinsam ein Protein-Innovationszentrum eröffnet, an dem pflanzliche Fleischalternativen erforscht und entwickelt werden.

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