Steuerbeamte durchsuchen Google in Paris

PARIS. Ein derart grosser Aufmarsch von Steuerbeamten ist sogar für französische Verhältnisse ungewöhnlich: Ungefähr hundert Angestellte des Fiskus und der Brigade gegen «grosse Finanzkriminalität» haben gestern früh dem Pariser Sitz von Google France einen Besuch abgestattet.

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PARIS. Ein derart grosser Aufmarsch von Steuerbeamten ist sogar für französische Verhältnisse ungewöhnlich: Ungefähr hundert Angestellte des Fiskus und der Brigade gegen «grosse Finanzkriminalität» haben gestern früh dem Pariser Sitz von Google France einen Besuch abgestattet. Was sie suchten, wollten weder die Regierung noch Google bekanntgeben. Doch der Zweck der Hausdurchsuchung war klar: Die Agenten suchten Hinweise, wie Google seine Steueroptimierung betreibt.

Ein lächerlicher Umsatz

Über das Resultat der Hausdurchsuchung wurde vorerst nichts bekannt. Nach einer ähnlichen Operation hatte es im Februar geheissen, der französische Fiskus verlange von Google 1,6 Mrd. € an Steuernachzahlungen. Google behauptet dagegen, seiner Steuerpflicht auch in Frankreich vollumfänglich nachgekommen zu sein.

Paris wirft dem US-Konzern hingegen unlautere Methoden vor. Google France betreibt seine französische Suchmaschine und die damit verbundenen Werbeeinnahmen in Frankreich über die Plattform AdWords in Irland. In Frankreich selbst wickelt die Tochtergesellschaft offiziell nur ihre Beratertätigkeit für den Mutterkonzern in den USA ab. Daraus resultierten 2014 ein Umsatz von bloss 17,2 Mio. € und eine Steuerrechnung von rund 5 Mio. €. Der Umsatz des Kerngeschäftes von Google in Frankreich dürfte ein Dutzendfaches betragen.

«Holländisches Sandwich»

Diese Einnahmen gehen, wie Steuerexperten annehmen, via eine niederländische Zwischenstation nach Irland und von dort nach Bermuda, wo die Google Ireland Holding eingeschrieben sein soll. Insider nennen das in der Privatwirtschaft bekannte Verfahren «holländisches Sandwich» oder «irisches Doppel». Die 20 wichtigsten Industriestaaten der G-20 haben solche Praktiken vergangenen Herbst verurteilt und lassen OECD-Standards gegen diese Art der Steueroptimierung ausarbeiten. Kernpunkt ist die Besteuerung aller Aktivitäten an ihrem Ausführungsort. (brä.)