«Stellen wären sowieso verschwunden»

«Überrascht und enttäuscht» äussert sich Guido Schluep von der Gewerkschaft Syna über die Restrukturierung der AFG, und sein Kollege Erich Kramer von der Unia spricht von «heftigen Massnahmen». Wobei: Abbau im Fensterbau hatten die beiden Gewerkschafter erwartet, «nur nicht in diesem Ausmass».

Thomas Griesser Kym
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«Überrascht und enttäuscht» äussert sich Guido Schluep von der Gewerkschaft Syna über die Restrukturierung der AFG, und sein Kollege Erich Kramer von der Unia spricht von «heftigen Massnahmen». Wobei: Abbau im Fensterbau hatten die beiden Gewerkschafter erwartet, «nur nicht in diesem Ausmass». Die Überraschung Schlueps konzentriert sich denn auch darauf, dass die Einschnitte bei EgoKiefer in Altstätten tiefer gehen als befürchtet, das Werk in Villeneuve geschlossen wird und die Produktion der Sonderheizkörper von Arbon nach Tschechien zügelt.

Die Hoffnungen Schlueps ruhen nun vorerst auf einem Treffen der Sozialpartner. «Die AFG hat uns zu Gesprächen eingeladen, nun müssen wir für nächste Woche noch einen Termin finden.» Zum einen wolle man versuchen, eine längere Konsultationsfrist als die gesetzlich vorgeschriebenen 15 Tage zu erwirken, zum anderen werde man probieren, der AFG Verbesserungen des geltenden Sozialplans abzuringen und allenfalls einige Arbeitsplätze zu retten.

Frankenstärke als Beschleuniger

Kramer macht sich allerdings keine grossen Illusionen: «Die Arbeitsplätze, deren Abbau angekündigt ist, gehen sehr wahrscheinlich verloren.» Schluep stimmt dem grundsätzlich zu und ergänzt, «die Stellen im Schweizer Fensterbau wären über kurz oder lang wohl sowieso verschwunden, die Frankenstärke beschleunigt nun diesen Prozess».

Die Schweiz als begehrter Markt

In der Tat hat die Aufhebung des Euromindestkurses den Wandel auf dem Schweizer Fenstermarkt befeuert. Die Euroschwäche, gepaart mit dem Bauboom in der Schweiz, hat deren Markt zunehmend interessant gemacht für ausländische Anbieter. In Deutschland und Osteuropa ist in moderne Fensterfabriken investiert worden. Sie haben freie Kapazität, ihre Qualität nähert sich jener der Produzenten in der Schweiz sukzessive an, und das bei bedeutend tieferen Herstellkosten. Zudem wird die Logistik immer effizienter, was weitere Transporte erlaubt.

All das macht den Fensterbauern am Hochlohnstandort Schweiz immer mehr zu schaffen. Auch Schluep weiss: «Die AFG ist mit ihren Fenstern als Zulieferer des Baunebengewerbes einem unheimlichen Preisdruck ausgesetzt.» Als Ausweg hat das Unternehmen nun entschieden, den Fensterbau ebenfalls ins Ausland zu verlagern – in eigene, moderne, unausgelastete und günstigere EU-Werke.