STEINEMANN TECHNOLOGY: Mit Präzision und Offenheit

Der Ostschweizer Maschinenhersteller setzt seit 100 Jahren auf hochpräzise Produkte, trotzt der Hochpreisinsel und geht den digitalen Wandel zügig an.

Thorsten Fischer
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Die Anlagen von Steinemann Technology werden in St. Gallen entwickelt und hergestellt und international exportiert. (Bilder: Benjamin Manser)

Die Anlagen von Steinemann Technology werden in St. Gallen entwickelt und hergestellt und international exportiert. (Bilder: Benjamin Manser)

Thorsten Fischer

Mitten im Boom junger Start-up-Firmen sticht ein etabliertes Unternehmen, das den 100. Geburtstag feiert, besonders hervor. Vor allem, wenn es sich wie die Steinemann Technology im Technologiesektor behauptet. Gelungen ist das, weil das St. Galler Unternehmen über die Jahrzehnte beweglich geblieben ist und sich auf besondere Kundenbedürfnisse ausgerichtet hat (siehe auch Interview rechts).

Gut ablesen lässt sich der Wandel in der Produktpalette: Sie sieht heute deutlich anders aus als zur Gründungszeit. Es sind präzise Schleifsysteme für die Plattenfertigung sowie Lackiersysteme für die Druckveredelung, mit denen Steinemann die Nischen international erfolgreich besetzt. Ohne die hohe Spezialisierung könnte das Unternehmen kaum von der Hochpreisinsel Schweiz aus im weltweiten Markt operieren. «Wir sind aufgrund der fehlenden Grösse gewissermassen an die Schweiz ‹gefesselt›. Das heisst, wir produzieren und entwickeln auf der Höchstpreisinsel – und daraus machen wir das Bestmögliche», hält Christof Stürm, Chef der Stei­nemann Technology, fest. Das Unternehmen beschäftigt 140 Mitarbeitende und setzt 40 Millionen Euro (rund 45 Millionen Franken) um. Der Grossteil des Umsatzes wird in Asien und im holzreichen Osteuropa erzielt.

Auch im Jubiläumsjahr herausgefordert

Nebst erfreulichen Ereignissen im Jubiläumsjahr – am heutigen Tag öffnet die Firma ihre Tore für Partner sowie Mitarbeitende und deren Bekannte – erwähnt Stürm auch besondere Knackpunkte. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften beschäftigt den Unternehmensleiter im Jubiläumsjahr besonders stark, wie in der Mitteilung zum 100-jährigen Bestehen betont wird. Es würden beispielsweise laufend Pro­jektleiter gesucht: Elektroingenieure oder Mechatroniker. Das sei gar nicht so einfach, denn: «Seit in Deutschland die Konjunktur wieder anzieht, wird es auch schwieriger, im Nachbarland Fachkräfte zu rekrutieren, die in der Schweiz schon länger Mangelware sind.»

Stürm sieht aber ebenso das Unternehmen selbst als Talentschmiede und will ausserdem mit flexiblen und familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Auch technologisch wird der Standort in St. Gallen-Winkeln immer gewichtiger. Im hauseigenen Technologiecenter werden seit gut einem Jahr Schleifanalysen und Materialtests durchgeführt. Ebenso werden Mitarbeiter und Kunden geschult. Bereits wurden auch Forschungsprojekte mit Hochschulen und Universitäten ausgelöst. Stürm sieht den Anlagenhersteller daher in vorteilhafter Ausgangslage «für das, was kommt.»

Was kommt, das sind einerseits weiter wachsende Ansprüchen an die Plattenoberflächen, andererseits das Thema Digitalisierung. Die grafische Industrie dürfte sich laut Stürm mehr und mehr für praktikable digitale Veredelungen wie Lackieren, Folienprägen und Stanzen interessieren. Auch Konzepte wie das internetbasierte Web-to-Print spielen bereits eine Rolle.

Der Digitalbereich soll vorab in Europa, in den USA sowie in China ausgebaut werden. Ein Schlüssel ist ebenso eine gut ausgebaute Serviceinfrastruktur vor Ort. Stürm rechnet für das Unternehmen mittelfristig mit 60 Millionen Franken Gesamtumsatz.