Steigende Löhne trotz sinkender Preise

Nächstes Jahr werden die Nominallöhne im Schweizer Durchschnitt voraussichtlich um 0,5 Prozent steigen. Bei der von UBS erwarteten leicht negativen Inflation dürfte daraus unter dem Strich eine Reallohnerhöhung von 0,9 Prozent resultieren.

Anton Simonet, UBS Regionaldirektor, Ostschweiz
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Nächstes Jahr werden die Nominallöhne im Schweizer Durchschnitt voraussichtlich um 0,5 Prozent steigen. Bei der von UBS erwarteten leicht negativen Inflation dürfte daraus unter dem Strich eine Reallohnerhöhung von 0,9 Prozent resultieren. Die kürzlich durchgeführte Unternehmensbefragung ergab, dass die Nominallöhne dieses Jahr um 0,8 Prozent erhöht wurden. Mit einer Jahresteuerung von –1,2 Prozent fiel dabei die reale Lohnerhöhung im 2015 mit knapp 2 Prozent deutlich höher aus als im langjährigen Durchschnitt.

Unterschiede in den Branchen

Die Nominallohnerhöhungen werden 2016 in den einzelnen Branchen voraussichtlich sehr unterschiedlich ausfallen. Überdurchschnittliche Lohnerhöhungen von rund 1 Prozent sind in der Chemie- und Pharmaindustrie, in der Branche Dienstleistungen für Unternehmen sowie in der Informatik- und Telekomindustrie zu erwarten. Nullrunden hingegen dürften in den Branchen Tourismus, Medien, Textil sowie Materialien und Baustoffe anstehen. Für diese Branchen ist charakteristisch, dass sie sich vermehrt in direkter Konkurrenz zu ausländischen Anbietern befinden und als Folge der Wechselkurse preislich unter Druck sind, oder wie bei den Medien Onlineportale oder Gratismedien die Erträge zurückgehen lassen.

Über die letzten Jahre kumuliert betrachtet, ist das Auseinanderdriften der Branchen laut UBS-Lohnumfrage noch offensichtlicher. So konnten sich Arbeitnehmende in der Branche für Informatik- und Telekomdienste dieses Jahr verglichen mit 2008 über durchschnittlich 13 Prozent mehr Lohn freuen. Im selben Zeitraum wuchsen die Löhne im Tourismus nur um 6 Prozent. Bis letztes Jahr war dieser unrühmliche letzte Platz noch der Textilindustrie vorbehalten, im 2015 jedoch geriet der Tourismus mit der diesjährigen Nullrunde ins Hintertreffen.

Fachkräftemangel treibt Löhne

Die Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses akzentuierte den schon bei vielen Unternehmen hohen Kostendruck. Umso mehr erstaunt es, dass die stark exportorientierte Maschinenindustrie die Löhne nächstes Jahr voraussichtlich um durchschnittlich 0,5 Prozent erhöhen wird. Auch die Energie- sowie die Ver- und Entsorgungsbranche machen sich im Hinblick auf die Strommarktliberalisierung keinen Gefallen, wenn sie ihre Kosten weiter in die Höhe treiben. Eher starke Lohnerhöhungen in einzelnen Branchen dürften vor allem auf den Fachkräftemangel zurückzuführen sein. So haben viele Unternehmen aktuell Mühe, geeignete Fachkräfte zu finden, was wiederum deren Marktlöhne erhöht. Dies zwingt die Unternehmen trotz schwierigem Wirtschaftsumfeld auf Lohnforderungen einzugehen. In diesem Kontext ist auch die Tatsache zu sehen, dass Lohnerhöhungen oft nur selektiv ausfallen und vor allem genutzt werden, um einzelne Fachkräfte zu halten.

Weniger Handlungsspielraum, dem Fachkräftemangel zu begegnen, hat die öffentliche Hand. Laut den Umfrageteilnehmern gewähren die Lohntabellen zu wenig Spielraum, um in einzelnen Bereichen mit den Marktlöhnen mitzuhalten.