Start-up mit ambitionierten Zielen

Das junge St. Galler Internetunternehmen Frontify ist auf Erfolgskurs und gehört zu den Finalisten für den Jungunternehmerpreis Startfeld Diamant. Mit seiner internationalen Kundschaft will es in St. Gallen verwurzelt bleiben.

Samuel Eugster
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Roger Dudler (links) und Andreas Fischler wollen den Umsatz ihres Onlineportals Frontify dieses Jahr verdreifachen. (Bild: Michel Canonica)

Roger Dudler (links) und Andreas Fischler wollen den Umsatz ihres Onlineportals Frontify dieses Jahr verdreifachen. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Im Büro von Frontify im St. Galler Neumarkt ist heute noch viel vom Pioniergeist und der Gründeratmosphäre zu spüren. Aber obwohl das Start-up erst 2013 gegründet wurde, zählen bereits namhafte Unternehmen wie Lufthansa, Adobe, BMW oder Swisscom zur Kundschaft von Frontify. Das siebenköpfige Team um Geschäftsführer Andreas Fischler und Gründer Roger Dudler hat es geschafft, ein gefragtes Produkt zu entwickeln und international zu verkaufen. Prominentester Investor ist Doodle-Gründer Myke Näf, der auch Verwaltungsrat ist.

Tool für einfachere Prozesse

In seiner früheren Tätigkeit als Softwareentwickler wurde Dudler immer wieder mit Problemen konfrontiert, für die es keine Lösungen gab. «Die Übergabe von Informationen zum graphischen Unternehmensauftritt hat sich immer schwierig gestaltet. Deshalb habe ich ein Tool, also ein Werkzeug entwickelt, das diese Prozesse vereinfacht.» Das Einstiegsprodukt ist der sogenannte Style Guide, eine digital abgespeicherte Design-Anleitung für den Auftritt von Unternehmen, auch unter dem Namen Corporate Design Manual bekannt. Mit der Lösung von Frontify kann man Schriften, Farben und Design-Vorlagen wie etwa einen Flyer oder eine Visitenkarte online erfassen und internen Mitarbeitern sowie externen Dienstleistern einfach per Link zur Verfügung stellen. «Jedes Unternehmen hat das Ziel, nach aussen konsistent aufzutreten. Wir glauben, dass es Zeit ist, von statischen Dokumenten wegzukommen, und bieten deshalb eine lebendige, dynamische Plattform an», erklärt Fischler.

Neben dem Style Guide bietet Frontify für Grosskunden noch verschiedene andere Module an, beispielsweise zur Online-Zusammenarbeit von Teams oder zur Verwaltung von Bildern und Logos. Gezahlt wird jeweils ein monatlicher Beitrag im Abo. Und das scheint anzukommen. Über 75 000 Benutzer haben sich auf der Plattform bereits registriert, die allermeisten davon wurden über das Internet auf Frontify aufmerksam.

«Pizza Hut» und Baseball

Und bald sollen es noch mehr werden, denn Fischler und Dudler haben grosse Ziele. Noch sei das Geschäft nicht selbsttragend, sagt Fischler. «Wir könnten bereits in schwarzen Zahlen operieren, wenn wir wollten, aber wir möchten schneller wachsen und die Liquidität ausnützen, die wir haben.» Denn von der finanziellen Basis her ist Frontify dank Investorengeldern gut aufgestellt. Und wenn es nach den Plänen des Führungsduos geht, wird der Umsatz weiter steigen. Ziel ist eine Verdreifachung innert Jahresfrist. Auch geographisch möchte das Start-up weiter expandieren.

Ein grosser Teil der Kunden kommt heute schon aus den USA. Die meisten Grosskunden seien aber bis jetzt immer noch Firmen aus dem deutschsprachigen Raum. Dem Ziel, das Marktpotenzial auch in Übersee zunehmend auszuschöpfen, ist Frontify kürzlich durch die Akquisition von «Pizza Hut» und dem Baseball-Team Boston Red Sox als Neukunden nähergekommen. Wichtig ist den beiden trotz des internationalen Erfolges die regionale Verankerung von Frontify. Solange sie die Geschäfte leiten, bleibe Frontify ein St. Galler Unternehmen. Damit geben die beiden Ostschweizer auch ein klares Bekenntnis zum IT-Standort St. Gallen ab. Obschon grössere Städte wie zum Beispiel Zürich auf den ersten Blick verlockender scheinen, glauben sie daran, dass auch in St. Gallen rund um innovative Start-ups ein eigenes überregionales IT-Cluster entstehen könnte, das die Ostschweizer Wirtschaft nachhaltig positiv beeinflussen könnte.

Vereinbarkeit mit Familie

Ein zentraler Wert neben der regionalen Verankerung ist für die Familienväter Fischler und Dudler auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. «Wir sind der Beweis dafür, dass man auch noch ein Start-up gründen kann, wenn man schon Kinder zu Hause hat», sagt Dudler. «Uns ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen und eine gute Work-Life-Balance haben.» Es sei nicht so, dass man in einer jungen Firma 15 Stunden täglich arbeiten müsse, um Erfolg zu haben. Bei Frontify arbeite man lieber effizient statt möglichst viel. Und manchmal tue es auch gut, zwischendurch den Kopf zu lüften und ein Videospiel zu spielen, bevor man nachher wieder voll motiviert an die Arbeit gehe.