START-UP-FÖRDERUNG
De-Vigier-Preis: Thurgauer Firma Cellvie hat es ins Finale geschafft

Ein Dutzend Start-ups wetteifern um einen der Förderpreise der W.A.-de-Vigier-Stiftung. Darunter ist mit der Biotechfirma Cellvie AG aus Matzingen auch ein Ostschweizer Unternehmen.

Thomas Griesser Kym
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Alexander Schüller, Mitgründer und Chef der Cellvie AG.

Alexander Schüller, Mitgründer und Chef der Cellvie AG.

Screenshot: Youtube

217 Projektideen waren eingereicht worden, daraus wählte die Jury des W.A.-de-Vigier-Preises im Februar 2021 deren 17 für die nächste Runde aus. Nun hat sie daraus die zwölf Finalisten ermittelt, zwei mehr als ursprünglich geplant. Regula Buob ist Geschäftsführerin der W.A.-de-Vigier-Stiftung. Buob sagt:

«Einmal mehr sind wir vom hohen Niveau der Eingaben beeindruckt. Unsere Jury tat sich schwer, die Top Ten auszuwählen, und entschied sich schliesslich für zwölf Finalistinnen.»
Regula Buob, Geschäftsführerin der W.A.-de-Vigier-Stiftung.

Regula Buob, Geschäftsführerin der W.A.-de-Vigier-Stiftung.

Bild: Hanspeter Bärtschi

Weiter sagt Buob, «in diesem Jahrgang ist eine breite Palette von Branchen vertreten, und wir lernen hochstehende Start-ups kennen, die sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen stammen».

Als Harvard-Spin-off in den Thurgau gezügelt

Dazu zählt als einzige Ostschweizer Finalistin auch die Cellvie AG mit Hauptsitz in Matzingen. Das Start-up war im Oktober 2018 als Spin-off der renommierten amerikanischen Universität Harvard von vier Doktoren gegründet worden, darunter CEO Alexander Schüller.

Seit 1. September 2020 sitzt Cellvie in Matzingen. Mitte März 2021 begründete Schüller die Wahl des Standorts im Thurgau mit mehreren Faktoren: Erstens konnte sich Cellvie «als relativ kleine Firma mit relativ kleinem Budget» hier zu tragbaren Konditionen beim Institute for Biopharmaceutical Research (IBR) einmieten und kann Teile der vorhandenen Infrastruktur nutzen. Zweitens biete die Schweiz einen guten Nährboden für Biotechfirmen, drittens sei man von Investoren dazu ermutigt worden, und viertes, sagte Schüller, habe er nach vier Jahren Amerika zurück nach Europa gewollt.

Die Kraftwerke der Zelle

Worum geht es bei Cellvie? Das Start-up nutzt das therapeutische Potenzial von Mitochondrien. Fällt bei einem Körperteil eines Menschen die Durchblutung aus, werden Zellen geschädigt oder sterben ab, selbst wenn die Durchblutung nachfolgend wiederhergestellt ist. Solche Zellverletzungen geschehen beispielsweise bei Herzinfarkten und Schlaganfällen, an denen jährlich Millionen Menschen sterben.

Cellvie transplantiert gesunde, lebhafte Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, in geschädigte Zellen – wie eine Starthilfe beim Auto. Die Zellen können ihren Energiestoffwechsel wieder in Gang bringen und überleben. Die Mitochondrien-Therapie der Cellvie soll zunächst bei Empfängern von Organspenden eingesetzt werden.

Einer der renommiertesten Förderpreise

Die De-Vigier-Preise werden am 16. Juni 2021 vergeben. Bis zu fünf junge Führungskräfte werden mit einem Preisgeld von je 100'000 Franken belohnt werden. Schüller hat angekündigt, im Falle eines Gewinns werde das Geld vollumfänglich in die Firma investiert.

Der Förderpreis der W.A.-de-Vigier-Stiftung ist die älteste Auszeichnung für Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer in der Schweiz und zählt zu den am höchsten dotierten Preisen.

Bei der Beurteilung der Projekte fallen folgende Kriterien ins Gewicht: Unternehmerpersönlichkeit, Innovationscharakter, gesamtgesellschaftliche Relevanz, technische und finanzielle Machbarkeit, Marktchancen und Potenzial neuer Arbeitsplätze.