Starker Franken als Schuldenfalle

Der Höhenflug des Schweizer Frankens beschert in Österreich und Osteuropa immer mehr privaten Kreditnehmern düstere Aussichten. Auch Gemeinden droht die Schuldenfalle.

Rudolf Gruber
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Wien. Laut Österreichischer Nationalbank (ÖNB) notiert ein Viertel aller privaten Kredite in Österreich in Franken. Die meisten der rund 250 000 Schuldner haben sich für eine endfällige Tilgung entschieden, bezahlen also bis Vertragsende nur die monatlich anfallenden Zinsen. Die Kredite, in Summe 30 Mrd. Fr., wurden zwischen 1997 und 2005 aufgenommen, seither ist der Schuldenberg allein durch die Aufwertung um rund 30% gewachsen.

Der klare Zinsvorteil gegenüber dem Euro ist längst weggeschmolzen. Zum Zeitpunkt der Endfälligkeit könnte es daher für manchen Häuslebauer eine böse Überraschung geben. Banken raten daher zu einer schnelleren Tilgung. Zugleich üben Banken massiven Druck auf Schuldner aus, ihre Frankenkredite in Euro zu konvertieren, auch wurden zusätzliche Besicherungen gefordert. Konsumentenschützer werfen den Geldhäusern vor, erst massiv mit Fremdwährungskrediten zu werben, aber in schwierigen Zeiten alles Risiko auf die Kunden abzuwälzen. Aufgrund einer Klage erklärte das Handelsgericht Wien jetzt derlei nachgereichte Vertragsbedingungen als rechtlich unzulässig.

Gemeindebund schlägt Alarm

Alarm schlägt auch der österreichische Gemeindebund. Viele Kommunen haben sich ebenfalls mit Frankenkrediten verschuldet. Die Verbindlichkeiten haben sich innerhalb von zwei Jahren verdreifacht – von 770 Mio. € 2007 auf 2,1 Mrd. im Februar dieses Jahres. Jetzt kämpfen immer mehr Gemeinden mit Verlusten und steigenden Zinsen – viel Geld, das für andere Zwecke fehlt. Allein die Hauptstadt Wien beklagte 2010 Wechselkursverluste aus Frankenkrediten in Höhe von über 200 Mio. €.

Der österreichische Staat hat die Fremdwährungsanleihen bereits deutlich zurückgefahren, von 5,1 Mrd. € 2009 auf 3,9 Mrd. € 2010. Dennoch warnte die Ratingagentur Fitch kürzlich, der hohe Frankenkreditanteil könne für Österreich mittelfristig zum Problem werden. Die Höchstbonität, das Triple-A, sei indes wegen stabiler Aussichten nicht gefährdet.

Schmerzhafter als Österreich bekommen den starken Franken die osteuropäischen Nachbarländer zu spüren, wo der Anteil von Fremdwährungskrediten ungleich höher ist. Die Spitze hält Ungarn mit 70% des Gesamtvolumens, davon notieren weit über 90% in Schweizer Währung. Im Schnitt haben osteuropäische Währungen wie Zloty, Forint und Leu in den letzten zwei Jahren gegenüber dem Franken etwa ein Drittel ihres Wertes eingebüsst, was Tilgungsraten und Zinsen massiv verteuert hat.

Budapest wagt Kunstgriff

Die Regierung in Budapest verschaffte sich mit einem Kunstgriff eine Atempause: So wurde mit den nationalen Banken bis Ende 2014 ein fester Kurs von 180 Forint für 1 Fr. vereinbart; der echte Kurs liegt derzeit bei 240 Forint – und der Druck setzt sich fort. Die Schulden steigen also vorerst nicht, weil Rückzahlungsraten und Zinsen nach dem günstigeren fiktiven Kurs berechnet werden. Doch ab 2015 gilt wieder der echte Wechselkurs, zudem wird die angehäufte Differenz aufgerechnet.

Das Rezept gründet schlicht auf dem Prinzip Hoffnung: Es geht nur auf, wenn der Franken zeitgerecht wieder auf seinen realistischen Wert sinkt.