Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

STANDORTWECHSEL: Lavendelfarm zügelt nach Marokko

Die 2008 gegründete Biolavendelfarm in Oberstammheim direkt an der Grenze zum Kanton Thurgau wird aufgegeben. Claudia Dummermuth verlässt ihre Manufaktur und wandert 2018 nach Marokko aus.
Urs Oskar Keller
Claudia Dummermuth (rechts) bei einer ihrer letzten Lavendelernten in Oberstammheim im Zürcher Weinland. (Bild: Urs Oskar Keller)

Claudia Dummermuth (rechts) bei einer ihrer letzten Lavendelernten in Oberstammheim im Zürcher Weinland. (Bild: Urs Oskar Keller)

Urs Oskar Keller

Die Beweggründe zum Verkauf und zur Auswanderung seien vielfältig: «Die Lebensdauer meiner Lavendelpflanzen ist abgelaufen. Eine Neukultivierung ist dringend nötig, damit der Aufwand und Ertrag im Gleichgewicht bleibt», sagt die Thurgauerin Claudia Dummermuth. Dazu komme, dass der Boden in der Schweiz zu belastet sei für ihre Zwecke. «Viel zu lange wurde intensive Agrarwirtschaft mit Einsatz von Pestiziden betrieben. Grossflächig eine Biokultur anzulegen ist fast unmöglich.»

Nun will Dummermuth im Wüstenstaat Marrakesch «etwas Schönes und Neues» auf die Beine stellen. Auf die Möglichkeit, dort eine Lavendelfarm mit drei Gästezimmern (BnB) aufzubauen, ist sie auf einer Marokkoreise gestossen. Doch den Stein ins Rollen brachte eine Anfrage aus der Bio-Öl- und Parfüm-Industrie, die sie wegen geringer Lieferkapazität nicht mehr beliefern konnte. «Diese Anfrage zeigte mir, dass hochwertige Bioqualität gefragter ist denn je.» Von Marokko aus versucht sie, 80% ihrer Lavendelölproduktion auf dem Weltmarkt verkaufen.

8000 Lavendelpflanzen auf 2,5 Hektaren

Im Berberdorf Tameslohte, 40 km südlich von Marrakesch, hat sie ein Stück Land gefunden, das sich ideal für die Lavendelkultur eignet. Flankiert vom Hoher-Atlas-Gebirge, eingebettet in Olivenplantagen und umschlungen von einem trockenen Flussbett, liegt das 2,5 ha grosse Grundstück. In den kommenden Monaten wird ein 80 m tiefer Brunnen gebohrt , 8000 winterharte Lavendelsetzlinge gepflanzt, ein Wandel- und Duftgarten mit Schatten spendenden Bäumen angelegt sowie eine kleine Villa im marokkanischen Stil mit drei Gästezimmern erbaut. Fünf Personen wird sie ab 2018 beschäftigen. Die ganze Anlage wird von einheimischen Fachleuten erstellt. Dummermuth: «Wir wollen die Sonne als Energie- und Wärmequelle nutzen. Das gesammelte Abwasser soll gereinigt und für die Bewässerung des Gartens verwendet, der tägliche Abfall kompostiert oder der Wiederverwertung zugeführt werden. Ein intelligentes Kontrollsystem wird uns den Wasserverbrauch täglich vor Augen führen.» Es soll ein Vorzeigeprojekt in Marokko werden, hofft die Thurgauer Unternehmerin.

Die trendige Wüstenstadt Marrakesch mit über zehn Golfplätzen hat ein Wasserproblem. Der Grundwasserpegel sinkt. Ist das kein Problem für die Landwirtschaft? Dummermuth: «Lavendel mag es trocken. Sogenannte winterharte Lavendelarten können den Winter bei Beachtung einiger Regeln recht gut überstehen.» Im Sommer sind Temperaturen von bis zu 47 Grad keine Seltenheit. Im nahen Atlas, mit Bergen von über 4000 m Höhe, sind im Winter Schnee und Kälte alles andere als selten. Vor einigen Jahren fielen die Temperaturen in Marrakesch zuweilen nachts auf minus fünf Grad. Viele Pflanzen vertragen solche Kälte schlecht. Mit diesem Garten möchte Claudia Dummermuth «für alle Marokko-Reisenden und auch für alle Marokkaner ein kleines Paradies schaffen, das die fünf Sinne wachrüttelt». Ihre neue Lavendelfarm soll ein Rückzugsort für Ruhesuchende sein, die gleichzeitig die Schönheit und die Möglichkeiten der Natur kennen lernen und erfahren wollen. Dummermuth: «Lavendel ist meine Passion!»

Anfang 2018 wird Claudia Dummermuth ihr Anwesen verlassen. Das Haus in Marokko sei dann bezugsbereit. «Marokko ist das ruhigste und friedlichste Land in Nordafrika», sagt sie. Und so öffnet sie ihren Garten in Oberstammheim dieses Jahr zum letzten Mal für die Öffentlichkeit, und zwar am 17. Juni.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.