Stadlers Fahrt in die Zukunft

Zwei nigelnagelneue Fabriken und der erste Doppelstöcker für die Zürcher S-Bahn – der Schienenfahrzeugbauer Stadler Rail hat gleich drei Gründe aufs Mal, um zu feiern.

Thomas Griesser Kym
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Im Führerstand: Bundespräsidentin Doris Leuthard, links von ihr der St. Galler Regierungsrat Keller, SBB-Chef Meyer und Stadler-Chef Spuhler. (Bild: Michel Canonica)

Im Führerstand: Bundespräsidentin Doris Leuthard, links von ihr der St. Galler Regierungsrat Keller, SBB-Chef Meyer und Stadler-Chef Spuhler. (Bild: Michel Canonica)

Altenrhein/Winterthur. 450 Mitarbeitende zählt der Schienenfahrzeugbauer Stadler Rail inzwischen in Altenrhein. Zum Vergleich: 1997, als Stadler-Chef Peter Spuhler das Werk von Schindler übernahm, war es auf grade noch 67 Arbeitsplätze abgemagert. Und das Wachstum der letzten Jahre soll weitergehen: Spuhler stellt einen sukzessiven Ausbau auf 600 Mitarbeitende in Aussicht.

Antrieb ist der SBB-Auftrag für 74 Doppelstöcker für die Zürcher S-Bahn und den Rheintal-Express zwischen Wil und Chur. Am vergangenen Freitag feierte Spuhler im Beisein von Bundespräsidentin Doris Leuthard und 500 weiteren Gästen den Roll-out des ersten dieser Züge in Altenrhein, die dort gefertigt werden. Darüber hinaus wurde auf dem Areal eine neue Fabrik eingeweiht, die als Aluminium-Kompetenzzentrum dient und die Wagenkasten fertigt.

100 Millionen Franken investiert

Mittlerweile hat Stadler vier Aufträge für 125 Doppelstöcker erhalten: Neben jenen 74 für die SBB liefert man 51 Einheiten an die BLS für die S-Bahn-Bern, an die S-Bahn im Grossraum Berlin-Brandenburg und an die Westbahn für die Strecke Wien–Salzburg. Die Österreicher befahren diese Linie mit Intercity-Tempo 200 km/h, wie Spuhler süffisant bemerkte – ein Seitenhieb gegen die SBB, die den Auftrag für Intercity-Doppelstöcker an Stadlers Rivalen Bombardier vergeben haben.

Für die 125 Stadler-Doppelstöcker werden 614 Wagenkasten benötigt. Der Neubau in Altenrhein hat eine Jahreskapazität von 165 bis 170 Stück, ist also für über drei Jahre voll ausgelastet. «In den letzten zwei Jahren haben wir 100 Millionen Franken in den Werkplatz Schweiz investiert», sagt Spuhler. Das Geld floss neben dem Neubau in Altenrhein auch in Investitionen am Hauptsitz Bussnang, in eine Halle in Erlen, wo die neuen Züge in Betrieb gesetzt werden, und in den Standort Winterthur.

Winterthur sticht Osteuropa aus

«Klein, kompakt, äusserst modern» – so präsentiert sich laut Spuhler die neu gebaute Fabrik in Winterthur, die ebenfalls am Freitag eingeweiht wurde. Das Werk ist das Kompetenzzentrum für Drehgestelle der Stadler-Gruppe und beschäftigt derzeit gut 220 Mitarbeitende. Innert 21 Monaten wurde es aus dem Boden gestampft und ersetzt den alten Standort auf dem Sulzer Areal im Stadtzentrum.

Beim Standortentscheid für den Neubau hatte Spuhler zu wählen zwischen Winterthur sowie Alternativen in Polen und der Slowakei. Da gegen drei Viertel der Kosten Materialkosten sind, liegen die Gesamtkosten, also inklusive Löhne, in Winterthur nur 5% höher als sie es in Osteuropa wären.

Das neue Werk in Winterthur hat eine Kapazität von jährlich 1200 Drehgestellen, dieses Jahr werden 850 hergestellt.

Legte ein Drehgestell während seines Produktionszyklus in der alten Fabrik 3,8 km zurück, sind es nun noch 400 m. Schweissen ist am neuen Ort 50% günstiger, die mechanische Bearbeitung 55%. Laut Spuhler sind es diese straffen Kosten, gepaart mit «modernsten Fertigungstechnologien», die Stadler einen «Gewinn an Wettbewerbsfähigkeit» bringen. Und das ist für Spuhler Basis «für ein Bestehen am Werkplatz Schweiz».