Stadler-Trams stehen still

MÜNCHEN. In München müssen sämtliche Strassenbahnen der Berliner Tochterfirma des Ostschweizer Schienenfahrzeugherstellers Stadler Rail in die Werkstatt.

Thomas Griesser Kym
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Die Variobahn hatte Risse an Schweissnähten. (Bild: Wolfgang Wellige/tram-muenchen.de)

Die Variobahn hatte Risse an Schweissnähten. (Bild: Wolfgang Wellige/tram-muenchen.de)

13 Strassenbahnen vom Typ Variobahn im Wert von 37 Mio. € (45 Mio. Fr.) hat der Ostschweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail an die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) geliefert. Im Herbst 2005 hatte Stadler eine Order für drei Trams erhalten, im Herbst 2008 bestellte die MVG weitere zehn Kompositionen. Damals sagte Michael Daum, in jener Zeit Chef der Berliner Stadler Pankow GmbH, welche die Variobahn fertigt: «Wir freuen uns sehr, dass die bayrische Landeshauptstadt von der Qualität unseres Produktes überzeugt ist.» Und als an einem Frühlingstag im März 2009 das erste Tram in München auf Testfahrt ging, jubelte Daum: «Nun sind wir bei einem der schönsten Meilensteine solcher Aufträge angekommen.»

Schäden an der «Donnerwalze»

Heute sind solche Lobeshymnen verstummt. Nachdem es zunächst Probleme mit der Zulassung der Trams gegeben hatte, tauchte im Sommer 2012 ein erster Serienschaden auf: Risse in den Gummidämpfern der Räder, gefolgt von weiteren Schäden – und Beschwerden lärmgeplagter Anwohner, die dem Tram den Namen «Donnerwalze» gaben. Was der Variobahn zuvor auch schon in Graz passiert war.

Spezialfirma muss nacharbeiten

Und nun geht gar nichts mehr. Wie Stadler Rail auf Anfrage eine Mitteilung der MVG bestätigt, sind alle 13 Variobahn-Trams in die Werkstatt beordert worden. Grund ist eine mangelhafte Schweissnaht an den Anlenkstangenkonsolen. Ein Unterlieferant von Stadler habe diese 36 cm langen Nähte nur einseitig statt wie vorgeschrieben doppelseitig ausgeführt, sagt Ulf Braker, der heutige Chef von Stadler Pankow. Laut Münchner Zeitungen hat Stadler mit den Nachbesserungen eine Spezialfirma beauftragt; die Arbeiten an allen Trams sollen acht bis zehn Wochen dauern. Bis dahin setzt die MVG auf einer Linie Ersatzbusse ein, und auf einer anderen Linie fallen einzelne Trams ganz aus.

München hat Siemens gewählt

Aus dem Verkehr gezogen hat die Trams die Technische Aufsichtsbehörde. Braker betont, «die mangelhafte Schweissnaht verursacht keine sicherheitsrelevanten Gefahren». Laut MVG gehen die Kosten für die Reparatur zulasten Stadlers. Braker nennt «derartige Nacharbeiten» einen «völlig normalen Vorgang während der Garantiezeit». Insgesamt fielen für Garantie- und Nacharbeiten «pro Jahr etwa 1,5 bis 2 Prozent des Umsatzes» an.

Der Forderung des Verkehrsclubs Deutschland, die MVG solle die schadhaften Fahrzeuge einfach an Stadler zurückgeben, erteilt die MVG eine Absage. Von weiteren Variobahn-Trams hingegen lässt sie die Finger: Die MVG hat sich gegen eine Option auf acht weitere Stadler-Trams entschieden – und stattdessen im Herbst 2012 bei Siemens acht Trams vom Typ Avenio bestellt.