Stadler-Tochter erhält Kredit zur Überbrückung einer Liquiditätslücke in der Coronazeit

Gut durch die Wirren der Coronapandemie kommen: Mit diesem Argument erhält die weissrussische Tochtergesellschaft des Ostschweizer Schienenfahrzeugherstellers Stadler einen Kredit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Diese hatte Stadler schon beim damaligen Bau des Montagewerks in Weissrussland unterstützt.

Thomas Griesser Kym
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Anfang 2019 hat Stadler von der weissrussischen Eisenbahn einen Auftrag zur Lieferung von zehn fünfteiligen elektrischen Flirt-Zügen erhalten.

Anfang 2019 hat Stadler von der weissrussischen Eisenbahn einen Auftrag zur Lieferung von zehn fünfteiligen elektrischen Flirt-Zügen erhalten.

Bild: PD

Die weissrussische Tochtergesellschaft des Ostschweizer Schienenfahrzeugbauers Stadler erhält von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) einen Betriebsmittelkredit in Höhe von 20 Millionen Euro. Der Kredit werde es Stadler Minsk erlauben, die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Produktion zu bewältigen, heisst es auf der Website der EBRD.

Konkret sollen die Mittel die Produktion unterstützen, eine rechtzeitige Auslieferung bestellten Rollmaterials ermöglichen und Störungen in der Lieferkette, konkret in der Versorgung mit Materialien, mildern. Im Endeffekt soll es die Kreditfazilität erlauben, dass Stadler Minsk «seinen Wettbewerbsvorteil als verlässlicher Anbieter von Rollmaterial in der Region bewahrt».

Liquiditätslücken überbrücken

Wie die EBRD weiter schreibt, zielen solche Kredite darauf ab, Liquiditätslücken zu überbrücken, die wegen nachteiliger Marktbedingungen in der Coronazeit entstanden sind. Stadler bestätigt auf Anfrage die Kreditverhandlungen, und es handle sich um «einen normalen Betriebsmittelkredit zwecks einer kurzfristigen Finanzierung».

Stadler Minsk in Fanipol na­he der weissrussischen Hauptstadt ist ein Montagewerk, das 2013 neu gebaut worden ist. Insgesamt wurden gegen 80 Millionen Euro investiert. Schon damals unterstützte die EBRD das Projekt mit Krediten über 26 Millionen Euro. 2018 wurde das Werk tüchtig ausgebaut.

Viel Nachholbedarf in oft klammen Staaten

Stadler Minsk beliefert vor allem die Staaten der früheren Sowjetunion, wo laut Stadler das Erneuerungspotenzial beim Rollmaterial gross ist, vor allem in Russland. Allerdings herrscht oft auch Ebbe in den Staatskassen. So war das Werk von Stadler Minsk etwa vor ein paar Jahren als Folge der Erdöl- und Erdgaskrise und der damit verbundenen Rubelkrise vorübergehend nicht voll ausgelastet.

In Minsk montiert Stadler unter anderem Kiss-Doppelstöcker, einstöckige Flirt-Züge, Metros und die selbst entwickelte Breitspur-Strassenbahn Metelitsa. Diese wurde 2018 auch nach Bolivien verkauft.

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