Stadler steht vor dem Markteinstieg in Portugal – Auftrag von über 180 Millionen Franken  winkt

Die portugiesische Staatsbahn CP will beim Ostschweizer Schienenfahrzeughersteller 22 Triebzüge für gut 180 Millionen Franken kaufen. Einzig die Beschwerde eines unterlegenen Mitbewerbers steht noch im Weg. In Kürze soll sich zudem entscheiden, ob Stadler im Nordosten Englands zum Zug kommt.

Thomas Griesser Kym
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Blick in die Produktion des Schienenfahrzeugbauers Stadler in Bussnang.

Blick in die Produktion des Schienenfahrzeugbauers Stadler in Bussnang.

Bild: Reto Martin (15. Juni 2018)

Die staatliche portugiesische Bahngesellschaft Comboios de Portugal (CP) will bei Stadler 22 einstöckige Regionaltriebzüge des Typs Flirt bestellen. Der Auftrag ist voraussichtlich 167,8 Millionen Euro (182 Millionen Franken) wert. Die Vergabe ist aber noch nicht definitiv: Der spanische Schienenfahrzeughersteller CAF als unterlegener Mitbewerber hat die Vergabe an Stadler beim Verwaltungsgericht in Lissabon angefochten.

Einzelne Beobachter äussern die Erwartung, dass CAF mit der Einsprache nicht durchkommen werde. Sie dürfte aber den Vergabeentscheid und damit auch die Vertragsunterzeichnung um mindestens einen Monat verzögern.

Stadler soll zehn elektrische und zwölf hybride Triebzüge liefern

Auf die internationale Ausschreibung der CP vor einem Jahr hatten zunächst fünf Schienenfahrzeughersteller Interesse signalisiert an dem Auftrag. Neben Stadler und CAF waren dies Talgo aus Spanien, Alstom aus Frankreich und Siemens aus Deutschland, wobei Alstom in der Vorqualifikation scheiterte und Siemens kein Angebot einreichte.

Mit den neuen Zügen wollen die CP erstmals seit zwei Jahrzehnten ihre Flotte mit neuen Fahrzeugen verstärken und zudem zwei Dutzend Dieselzüge ablösen, die vom spanischen Bahnbetreiber Renfe angemietet worden waren.

Den Ausschreibungsunterlagen zufolge wollen die CP zehn elektrische Triebzüge bestellen sowie zwölf dieselelektrische, die auch auf nicht elektrifizierten Strecken verkehren können. Die neuen Züge sollen zwischen 2023 und 2026 geliefert werden.

Showdown im Ballungsraum Newcastle

Weiter im Rennen ist Stadler in England, wo es um einen 362 Millionen Pfund (460 Millionen Franken) schweren Auftrag über 42 Züge für das zweitgrösste britische Metrosystem Tyne and Wear im Ballungsraum Newcastle-Gateshead-Sunderland geht. Um den Zuschlag kämpfen Stadler, CAF und die lokale Tochter der japanischen Hitachi.

Laut Angaben aus England soll Hitachi mittlerweile gescheitert sein, und angeblich sei ein Vorentscheid zu Gunsten der CAF gefallen. Die Spanier hatten Stadler und dessen Konsortialpartner Siemens Mitte vergangenen Jahres schon beim drittgrössten britischen Metrosystem Docklands Light Railway (DLR) in London ausgestochen. Die DLR bestellte damals bei CAF 43 führerlose Metrozüge.

Der Gewinner der Ausschreibung der Tyne and Wear Metro soll noch diesen Monat bekannt gegeben werden.

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Thomas Griesser Kym