Stadler signalisiert Stärke

Mit dem Vossloh-Lokomotivgeschäft in Spanien stösst ein neuer Standort zu Stadler Rail. Die Übernahme ist aber mehr: Sie stärkt den Thurgauer Hersteller in turbulenten Zeiten der Branche.

Thorsten Fischer
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Rail Vehicles – bisher zu Vossloh gehörend und neu bei Stadler Rail – stellt die «Euro 4000» her, Europas stärkste dieselelektrische Lok. (Bild: pd)

Rail Vehicles – bisher zu Vossloh gehörend und neu bei Stadler Rail – stellt die «Euro 4000» her, Europas stärkste dieselelektrische Lok. (Bild: pd)

BUSSNANG. Das im spanischen Valencia angesiedelte Lokomotiven-Geschäft Rail Vehicles gehörte bisher zum deutschen Verkehrstechnikkonzern Vossloh. Für 48 Mio. € kauft nun Stadler Rail die Sparte, einschliesslich der Schulden und Guthaben. Vossloh will sich seit geraumer Zeit vom Bereich Transportation trennen, und Rail Vehicles ist eine der Sparten davon. In Valencia werden 850 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich über 200 Mio. € umgesetzt.

Neues Wissen, leichterer Zutritt

Aus der Optik von Stadler tut sich ein Neubeginn auf: Das Thurgauer Unternehmen tritt dank der Übernahme ins neue Marktsegment der dieselelektrischen Lokomotiven ein. Zugleich werden neue Absatzmärkte im spanischen Sprachraum erschlossen. Und das durchaus weltweit: Rail Vehicles erleichtert Stadler den Zutritt zu den Absatzmärkten auf der Iberischen Halbinsel sowie in Süd- und Mittelamerika. Vorteile beim Zugang rechnen sich die Thurgauer auch in Afrika aus. Was die Produkte angeht, kommt neben den Lokomotiven Know-how für Strassenbahnen und Metros dazu. Die Transaktion – der Vertrag wurde am Dienstag unterzeichnet – muss aber noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. Über die Bühne gehen soll die Transaktion dann im 1. Quartal 2016.

«Erfahren und motiviert»

Thomas Ahlburg, stellvertretender operativer Chef der Stadler Rail Group, sieht durch den Schritt in Valencia «das Produkteportfolio perfekt ergänzt», wie er in der Firmenmitteilung festhält. «Auch dürfen wir auf eine sehr erfahrene und motivierte Führungs- und Engineering-Crew zählen.»

Vossloh-Chef Hans Martin Schabert lobt wiederum das Ostschweizer Unternehmen. Man freue sich sehr, «mit Stadler Rail einen in der Branche erfahrenen, hoch reputierten und verlässlichen Käufer gefunden zu haben.» Schabert betonte, dass sich Know-how, Erfahrung und Unternehmensverständnis beider Fahrzeug-Spezialisten ideal ergänzten. Rail Vehicles werde sich in der Stadler-Gruppe «perspektivisch entwickeln können.»

In diesem Zusammenhang wird bei Stadler Rail auch strukturell ein Zeichen gesetzt. Geplant ist, den Standort Valencia mit seinen 850 Mitarbeitern als neue Division «Latin» in die Gruppe zu integrieren. Für den Schienenfahrzeugbauer entstehe in Valencia ein neues Kompetenzzentrum für den Lokomotivenbau.

Konsolidierungswelle im Blick

Der weltweit tätige Hersteller aus Bussnang markiert damit auch bewusst eine gesteigerte Präsenz in Europa. Der Schritt sei für Stadler eine Antwort auf die Konsolidierungswelle, erklärt das Unternehmen. In die Branche ist Bewegung gekommen, seit sich die chinesischen Schienenfahrzeughersteller CSR und CNR zusammengeschlossen haben – und CSR schon früh klar machte, dass er verstärkt Aufträge in Europa gewinnen will. Der neue Megakonzern CRRC setzt jährlich fast 36 Mrd. $ um.

Ein Thema, das Stadler Rail bereits an der Bilanzmedienkonferenz im Juni beschäftigte. Indes ist Grösse nicht alles – und Stadler Rail sieht seine Wettbewerbsfähigkeit durch den neusten Schritt weiter gestärkt.

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