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Stadler Rail will Metros und Strassenbahnen forcieren

Die Züglete des Ostschweizer Schienenfahrzeugbauers Stadler vom Werk Altenrhein nach St.Margrethen liegt ebenso auf Kurs wie der Einstieg in die Signaltechnologie. Zudem will Stadler Rail in Zukunft vermehrt Metros und Strassenbahnen forcieren.
Thomas Griesser Kym
80 Prozent des Auftragseingangs stammen aus Westeuropa und der Schweiz. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

80 Prozent des Auftragseingangs stammen aus Westeuropa und der Schweiz. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

In drei Dutzend Länder hat Stadler mittlerweile Schienenfahrzeuge verkauft. Doch noch immer liegt ein starkes Übergewicht auf den Märkten in Westeuropa inklusive der Schweiz. Von hier stammten vergangenes Jahr 80 Prozent des Auftragseingangs und 70 Prozent des Umsatzes.

Natürlich ist sich Stadler-Inhaber und Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler der Wichtigkeit dieser Region bewusst, und vor allem in der Schweiz und in den Niederlanden hat er viele treue und grosse Kunden. Dennoch ist dem Patron daran gelegen, die geografische Verteilung breiter abzustützen, mit der Ausdehnung in neue Märkte wie etwa die USA oder die ehemaligen Sowjetrepubliken. Sorgen bereitet Spuhler hingegen zunehmender Protektionismus, wobei ihm China, per se ein gigantischer Markt, komplett verschlossen ist. Dort protegiert die Pekinger Regierung den Staatskoloss CRRC.

Vorwärts im Untergrund

Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident (Bild: Keystone)

Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident (Bild: Keystone)

Für Spuhler ist denn auch, wie er an der Jahresmedienkonferenz am Hauptsitz in Bussnang sagte, klar: "Nichtstaatliche Kunden gewinnen für Stadler an Bedeutung." Im Weiteren ist er bestrebt, neben der Erschliessung neuer Märkte auch einzelne Produktekategorien zu forcieren.

Nach dem gelungenen Einstieg in die Segmente der Hochgeschwindigkeitszüge bis 250 km/h und der U-Bahnen sieht Spuhler Wachstumschancen bei eben diesen Metros, aber auch mit Strassenbahnen und Lokomotiven. Mut macht bei den U-Bahnen zum einen der erste Auftrag über zehn Kompositionen, den Stadlers Werk Minsk aus der weissrussischen Hauptstadt erhalten hat. "Diese Bestellung, die 2019 ausgeliefert wird, ist eine Referenz für Teilnahmen an Ausschreibungen von Grossstädten auch aus allen anderen Sowjetrepubliken", sagt Spuhler. Das Gute: Die Spezifikationen sind in all diesen Republiken dieselben. Ohne Referenz aber wäre man chancenlos.

«Das geplante Investment in St.Margrethen ist ein klares Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz und zum Standort im Dreiländereck.»

Zum anderen hofft Spuhler auf weitere Geschäfte mit der Berliner U-Bahn. Nach einer ersten Bestellung von 40 Kompositionen wollen die Berliner Verkehrsbetriebe bei Stadler weitere 20 Garnituren bestellen und dies ohne Ausschreibung, indem sie wegen drohender Kapazitätsengpässe eine Notlage geltend machen. Wegen eines Rekurses von Siemens ist diese Order aber weiterhin hängig. Spuhler hofft, "diesen Auftrag noch zu bekommen", doch er blickt auch schon weiter voraus: Derzeit laufe eine Ausschreibung über 240 U-Bahn-Kompositionen in Berlin, und die würde Spuhler allzu gerne ebenfalls ergattern.

Wunsch für den Wechselkurs

Die schwierigen Jahre als Folge der Finanzkrise und des Frankenschocks sieht Stadler überwunden. 2017 erreichte der Auftragseingang 3,5 Milliarden Franken. Das liegt zwar deutlich unter dem Vorjahresrekord von 4,8 Milliarden, wird aber dennoch als „erfolgreich“ taxiert. Entscheidend dazu beigetragen haben bedeutende Bestellungen aus der Schweiz (BLS, SBB, SOB) und aus dem übrigen Europa.

Das Servicegeschäft hat Aufträge über 800 Millionen Franken beigesteuert oder bereits 22 Prozent zum ganzen Auftragseingang. Der Service, also Unterhalt und Wartung, gilt als lukrativer als der Bau des Rollmaterials und weniger konjunkturabhängig. Für 2018 budgetiert man mit Aufträgen über 3,5 Milliarden. Über den Wechselkurs sagt Spuhler, dieser „könnte noch ein bisschen besser sein“. Im Klartext: Der Franken, der dieses Jahr nach einer Abschwächung auf 1.20 pro Euro wieder auf 1.15 bis 1.16 erstarkt ist, dürfte gerne etwas schwächer werden.

Zurück auf Niveau vor dem Frankenschock

Beim Umsatz hat Stadler 2017 einen Sprung von 2,1 auf 2,4 Milliarden Franken hingelegt, aufs ungefähre Niveau vor dem Frankenschock. Für 2018 sind 2,2 Milliarden budgetiert. Dieser erwartete Rückgang mag angesichts voller Auftragsbücher erstaunen, doch wird ein schöner Teil dieser Bestellungen erst in den Folgejahren fakturiert werden.

Für 2019 und 2020 prognostiziert Spuhler denn auch Umsätze von 3,3 und von 3,9 Milliarden, wobei auch hier das Servicegeschäft eine zentrale Rolle spielen werde. Verlust geschrieben hat das Unternehmen laut Spuhler in keinem Jahr, auch nicht in der Krisenzeit. Seinen Ausführungen ist zu entnehmen, dass vergangenes Jahr der Gewinn über 100 Millionen Franken betrug. Um wieviel darüber, gibt der Patron nicht preis.

Kampfansage an Siemens und Alstom

Ein weiteres Geschäftsfeld, in dem Stadler künftig mitmischen will, ist das Signalling. Dieses umfasst Technologien wie das Europäische Zugsicherungssystem ETCS sowie Systeme für teil- oder vollautomatisiertes Fahren von Schienenfahrzeugen. Das Stadler hier selber Studien erstellt, Lösungen entwickelt und Tests durchführt, ist eine Folge des geplanten Zusammenschlusses der Konkurrenten Alstom und Siemens. Zwar fehlt noch das Plazet der Wettbewerbshüter, aber falls dieses erteilt wird, werden Siemens und Alstom 85 bis 90 Prozent des ETCS-Marktes kontrollieren.

Stadler ist jedoch nicht gewillt, für diese Systeme vom Angebot eines solch marktmächtigen „Nahezu-Monopolisten“ abzuhängen, der bei Rollmaterialausschreibungen erst noch ein Rivale ist. Deshalb hat Stadler mit der italienischen Mermec das Joint Venture Angelstar gegründet, das ein ETCS namens Guardia entwickelt hat, das derzeit im Feldtest ist. Für ein Kontrollsystem für Metros hat Stadler in Wallisellen ein Ingenieurteam zusammengezogen, und für das automatisierte Fahren von Zügen hat Stadler im Dezember erste Beschleunigungs- und Bremstests zwischen Ostermundigen und Olten durchgeführt.

"Sehr suboptimal“ im Werk Altenrhein

Auf Kurs liegt der geplante Umzug von Stadler Altenrhein nach St.Margrethen. Dort ist für das Bauprojekt am Bahnhof laut Spuhler vor zwei Wochen der letzte Rekurs erledigt worden. "Wir erwarten nun die Baubewilligung in den nächsten Wochen.“ Geht alles glatt, will Stadler 2020 den Grossteil der 1000-köpfigen Belegschaft an den neuen Standort zügeln.

In Altenrhein, bisher Stadlers Kompetenzzentrum für Doppelstöcker, soll lediglich die moderne Aluminium-Detailfertigung bleiben. Der Rest des Werks, und das ist der Grund für den Umzug, ist dagegen über 100 Jahre alt. Dementsprechend sind die Logistik und die Prozesskette, wie Spuhler sagt, "sehr suboptimal“. Insgesamt hat Stadler weltweit 7600 Mitarbeitende, 600 mehr als vor Jahresfrist. 3100 davon arbeiten in der Schweiz. Und, so der neue Stadler-Geschäftsleiter Thomas Ahlburg: "Das Wachstum dürfte weitergehen.“

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