Stadler Rail fährt auf den Uetliberg

Für 58 Millionen Franken beliefert der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler Rail die steilste Normalspur-Adhäsionsbahn Europas: Die Uetlibergbahn hat sechs Triebzüge bestellt.

Thomas Griesser Kym
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Die Uetliberg-Triebzüge von Stadler werden in der Ostschweiz gebaut. (Bild: pd)

Die Uetliberg-Triebzüge von Stadler werden in der Ostschweiz gebaut. (Bild: pd)

Bussnang/Zürich. Am steilsten Stück hat die Uetlibergbahn eine Steigung von 79 Promille zu überwinden. Eine Zahnradbahn ist dafür nicht vonnöten. Wohl aber gilt die Zürcher Uetlibergbahn damit als die steilste Normalspur-Adhäsionsbahn in Europa.

Weil die heutigen Züge die Nachfrage oft nicht mehr bewältigen können, erweitert die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) ihre Flotte und hat nach einer öffentlichen Ausschreibung den Auftrag für sechs dreiteilige Triebzüge vom Typ Be510 an die Stadler Rail mit Hauptsitz in Bussnang vergeben.

Die Beschaffungskosten betragen 58 Mio. Fr., wie der Verwaltungsrat der SZU mitteilt.

Auf den Berg und durchs Tal

Als Besonderheit werden die Fahrzeuge als Zweispannungs-Züge gebaut. So sind sie für den Betrieb unter beiden SZU-Stromsystemen von 1200 V DC (Gleichstrom) der Uetlibergbahn und 15 kV AC (Wechselstrom) der Sihltalbahn ausgerüstet.

Während die Uetlibergbahn als S10 den Zürcher Hauptbahnhof mit dem Üetliberg verbindet, verkehrt die Sihltalbahn als S4 zwischen Hauptbahnhof und Sihlwald. Im Jahr 1973 fusionierten die beiden Bahnen zur SZU.

Nachdem der Verkehrsrat des Kantons Zürich der Beschaffung und Finanzierung der Triebzüge zugestimmt hat, soll der erste Zug in der ersten Jahreshälfte 2013 ausgeliefert werden. Die Betriebsaufnahme aller neuen Züge ist ab Ende 2013 vorgesehen. Wie Stadler-Sprecherin Vincenza Trivigno auf Anfrage sagte, werden die Züge «in der Schweiz gebaut».

Ob im Werk am Thurgauer Hauptsitz oder in der Fabrik in Altenrhein, stehe noch nicht fest.

Am besten in beiden Belangen

Die Uetlibergbahn befährt eine Strecke von gut zehn Kilometern. Letztes Jahr transportierte sie 5,12 Millionen Fahrgäste auf den Zürcher Hausberg. Sobald die neuen Stadler-Züge im Einsatz sind, werden die heutigen Triebwagen der S10 vom Typ Be 4/4 mit Baujahr 1993 revidiert und danach vierteilig verkehren.

SZU-Direktor Clemens Schöb bezeichnet die Herausforderungen für den Bau der Zweistrom-Fahrzeuge als «anspruchsvoll». Die Offerte von Stadler habe sowohl in technischer als auch in kommerzieller Hinsicht am besten abgeschnitten. Stadler-Chef und -Mehrheitsaktionär Peter Spuhler sagte, «als Bürger von Zürich» freue ihn dieser Auftrag der SZU «ganz besonders».