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Wer bietet mehr? Stadler-Loks kommen unter den Hammer

Ein südafrikanisches Auktionshaus will 13 Lokomotiven versteigern, die sich für den Kunden als unbrauchbar erwiesen haben. Zudem ist die damalige Auftragsvergabe mit Korruptionsvorwürfen behaftet. Im spanischen Stadler-Werk in Valencia harrt derweil noch immer ein Dutzend fixfertiger Loks aus.
Thomas Griesser Kym
Arbeiter verkabeln einen Bahnwagen in Stadlers spanischem Werk in Valencia. (Bild: Pau Barrena/Valencia, 22. November 2016)Arbeiter verkabeln einen Bahnwagen in Stadlers spanischem Werk in Valencia. (Bild: Pau Barrena/Valencia, 22. November 2016)
Ein Inserat bewirbt die bevorstehende Online-Versteigerung der 13 Lokomotiven von Vossloh und Stadler in Südafrika. (Bild: PD)Ein Inserat bewirbt die bevorstehende Online-Versteigerung der 13 Lokomotiven von Vossloh und Stadler in Südafrika. (Bild: PD)
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Stadler-Loks kommen unter den Hammer

Das südafrikanische Auktionshaus WH Auctioneers bietet auf seiner Onlineplattform allerlei an. Bauernhöfe, Privathäuser, Lastwagen, Baumaschinen – solche Dinge gehören zu den Spezialitäten. Seit kurzem scheinen auf der Website auch 13 Lokomotiven auf. Hergestellt hatte sie der deutsche Vossloh-Konzern in den Jahren 2014 und 2015, verkauft wurden sie von Stadler, der das Vossloh-Produktionswerk im spanischen Valencia per Anfang 2016 übernommen hatte. Und damit auch den Auftrag aus Südafrika, der ursprünglich die Lieferung von 70 Lokomotiven umfasste. Bestellvolumen: 3,5 Milliarden südafrikanische Rand oder umgerechnet zum aktuellen Kurs 225 Millionen Euro.

Die Bestellung hat Stadler kaum Freude bereitet, aber Sorgen und Risiken eingetragen. Um die Auftraggeberin, die südafrikanische Leasinggesellschaft Swifambo, ranken sich Korruptionsvorwürfe, und die gelieferten 13 dieselelektrischen Loks haben sich als zu hoch herausgestellt, weil der Sicherheitsabstand zur Oberleitung auf den elektrifizierten Strecken zu gering ist. Die Verantwortung für diesen Fehler trägt die staatliche südafrikanische Verkehrsgesellschaft Prasa. Diese hatte in ihrer Ausschreibung Swifambo den Zuschlag erteilt, die Loks zu beschaffen.

Ungewissheit über den Erfolg der Versteigerung

Im Kotierungsprospekt, den Stadler Ende März kurz vor seinem Börsengang veröffentlichte, wies der Ostschweizer Schienenfahrzeughersteller auch auf potenzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Südafrika-­Geschäft hin. Einerseits sei nicht auszuschliessen, dass Forderungen zivilrechtlicher oder strafrechtlicher Natur gegen Stadler Rail Valencia geltend gemacht werden. Andererseits könnte es sein, dass Stadler verpflichtet werde, die 13 gelieferten Loks zurückzunehmen. In so einem Fall sei ungewiss, ob und wenn ja zu welchem Preis man sie an einen anderen Kunden verkaufen könnte.

Diese Sorge scheint sich nun mit der bevorstehenden Auktion der Loks zumindest ein Stück weit zu entschärfen. Vom 1. bis zum 12. September können Interessenten Einzelgebote für die Loks abgeben. Diese sind in fünf Prasa-Depots in Südafrika eingelagert, können nach vorheriger Anmeldung inspiziert werden und weisen Kilometerstände zwischen 509 und 12356 Kilometern auf. Ungewiss ist, ob sich Interessenten finden und wenn ja, zu welchen Preisen die Loks weggehen. Während die südafrikanische «Engineering News» die Ansicht äussert, der Wert einer Lok sei von den ursprünglichen 3 Millionen Euro mittlerweile auf 4,1 Millionen gestiegen, meinen andere Beobachter, die Loks dürften nur einen Bruchteil dieser Summe einspielen. Zumal das potenzielle Einsatzgebiet beschränkt ist. Laut einer Auflistung passen die Loks nur auf Schienensysteme in 16 Ländern ausserhalb Südafrikas. In Frage kämen beispielsweise sechs weitere afrikanische Länder, aber auch Staaten wie Australien, Neuseeland, Kanada, Ecuador, Japan oder Taiwan. Für Europa seien die Loks hingegen kein Thema.

Ein «korruptes Ausschreibungsverfahren»

Die Versteigerung angestossen haben die Liquidatoren von Swifambo. Die Leasinggesellschaft hatte sich in freiwillige Liquidation begeben, nachdem sie mit sämtlichen Einsprachen gegen ein Urteil des Obergerichts von Johannesburg durch alle Instanzen gescheitert war. Das Gericht hatte festgestellt, dass die alte Prasa-Führung den Vertrag zur Beschaffung der Loks in einem «korrupten Ausschreibungsverfahren» an Swifambo erteilt hatte. Dabei geht es auch um Betrug und um Schmiergeldzahlungen.

So hat Swifambo Stadler 1,8 Milliarden Rand (133 Millionen Eu­ro) überwiesen, Prasa aber 2,6 Milliarden in Rechnung gestellt. Die südafrikanische «Mail & Guardian» schrieb ausserdem, der ehemalige Swifambo-Eigentümer habe möglicherweise rund 50 Millionen Rand an Geldern aus dem Lok-Geschäft für den Kauf von Immobilien abgezweigt, und rund 80 Millionen Rand seien von Swifambo an eine angolanische Geschäftsfrau und gute Freundin des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma geflossen.

Ein Dutzend Lokomotiven harrt bei Stadler aus

Die «Mail & Guardian» stützt sich auf eine anonyme Quelle, wonach bei Swifambo nicht mehr viel zu holen sei. Deshalb könnte die neue Prasa-Führung, versucht sein, auch ge­gen Vossloh juristisch vorzugehen, um geleistete Zahlungen zurückzufordern. Von Stadler als Nachfolger Vosslohs im Werk Valencia ist nicht die Rede. Dennoch ist dort der missratene Auftrag bis heute sichtbar, sind doch bei Stadler Rail Valencia 12 weitere fixfertige, aber nie ausgelieferte Lokomotiven eingelagert. Hannes Muller, einer der Swifambo-­Liquidatoren, wird in der «Mail & Guardian» zitiert, «wir hatten ein Treffen mit Stadler und sie haben uns gesagt, dass in Valencia Loks stehen, für die bezahlt worden ist. Wir versuchen festzustellen, ob es für diese Loks einen Markt gibt auf der Welt.»

Stadler-Sprecherin Marina Winder gibt auf Anfrage keinen Kommentar ab über die jüngsten Entwicklungen. Es gälten aus Sicht Stadlers nach wie vor die Angaben im Kotierungsprospekt.

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