Stadler kommt in Spanien zum Zug: 22 Rettungslokomotiven für 153 Millionen Franken 

Schneeräumung, Inspektion des Schienennetzes, die Rettung liegengebliebener Züge: Für solche Arbeiten verkauft Stadler die Loks und unterhält sie während acht Jahren.

Thomas Griesser Kym
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Macht sich auf einen Lokomotivauftrag aus Spanien gefasst: Stadler-Patron Peter Spuhler. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller, Bussnang, 7. Juni 2017)

Macht sich auf einen Lokomotivauftrag aus Spanien gefasst: Stadler-Patron Peter Spuhler. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller, Bussnang, 7. Juni 2017)

Noch läuft die Einsprachefrist. Während dieser können unterlegene Mitbewerber Beschwerde einlegen gegen die geplante Auftragsvergabe an das Konsortium aus Stadler und der Firma Erion. Erst wenn diese Frist ungenutzt verstrichen ist oder ein Nachprüfverfahren den Vergabeentscheid bestätigt hat, kann der Vertrag rechtsgültig unterzeichnet werden. Im Konsortium hat Stadler mit einem Anteil von 80 Prozent die Federführung.

Geht alles glatt, dann kann Stadler 22 Rettungslokomotiven in Spanien liefern. Über den Auftragswert lässt der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer von Inhaber und Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler noch nichts verlauten. Laut Recherchen unserer Zeitung beläuft er sich aber auf gut 139 Millionen Euro (153 Millionen Franken). Die Loks werden im spanischen Werk Stadler Rail Valencia gefertigt, Stadlers Kompetenzzentrum für Lokomotiven.

Für Notfälle und den Unterhalt

Neben der Lieferung der Lokomotiven soll das Konsortium auch mit der Instandhaltung der Loks während acht Jahren betraut werden. Das wird primär Aufgabe von Erion sein, einem Joint Venture, das zu 51 Prozent Stadler gehört und zu 49 Prozent der staatlichen spanischen Bahngesellschaft Renfe. Der Website von Erion ist zu entnehmen, dass das Unternehmen gegenwärtig neben anderem Rollmaterial für die Wartung von 150 Loks zuständig ist. 

Ausgeschrieben hatte die Beschaffung der Lokomotiven Anfang Jahr die spanische Verwaltung für Eisenbahninfrastruktur (Adif), die das Schienennetz und Bahnhöfe betreibt. Die 22 dieselelektrischen Lokomotiven sollen für vielfältige Aufgaben eingesetzt werden: Inspektion von Hochgeschwindigkeitsstrecken vor der morgendlichen Aufnahme des täglichen Bahnbetriebs, Rettung liegengebliebener Züge, Schneeräumung und als Zugmaschinen von Infrastrukturwartungszügen mit einem Gewicht von bis zu 600 Tonnen.

Lieferung binnen 40 Monaten

Sobald der Vertrag unterzeichnet ist, muss Stadler den Angaben zufolge die ersten beiden 160 km/h schnellen Loks innert 36 Monaten liefern und die gesamte Flotte innert 40 Monaten.

Wer bietet mehr? Stadler-Loks kommen unter den Hammer

Ein südafrikanisches Auktionshaus will 13 Lokomotiven versteigern, die sich für den Kunden als unbrauchbar erwiesen haben. Zudem ist die damalige Auftragsvergabe mit Korruptionsvorwürfen behaftet. Im spanischen Stadler-Werk in Valencia harrt derweil noch immer ein Dutzend fixfertiger Loks aus.
Thomas Griesser Kym