Stadler fährt auf der digitalen Überholspur - weiterer Erfolg für das selbst entwickelte Zugsicherungssystem Guardia

Der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler kann drei Dutzend Züge mit seinem Europäischen Zugsicherungssystem (ETCS) Guardia nachrüsten. Damit verbunden ist die Zulassung des Systems in den Niederlanden, in Belgien und Deutschland. Erst vor wenigen Tagen war Guardia in Polen zugelassen worden.

Thomas Griesser Kym
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Ein Stadler-Zug des Typs Flirt von Arriva Nederland im Hauptbahnhof der deutschen Stadt Aachen. Arriva gehört der Deutschen Bahn.

Ein Stadler-Zug des Typs Flirt von Arriva Nederland im Hauptbahnhof der deutschen Stadt Aachen. Arriva gehört der Deutschen Bahn.

Bild: PD

Die Bahngesellschaft Arriva Nederland unterhält in ihrer Flotte unter anderem 36 Stadler-Triebzüge des Typs Flirt. Diese waren seit 2016 schrittweise in Betrieb genommen worden. Nun haben Stadler und Arriva einen Vertrag unterzeichnet über die Nachrüstung dieser Züge mit dem Europäischen Zugsicherungssystem (ETCS) Guardia. Dieses ist von Stadler gemeinsam mit der italienischen Engineeringfirma Mermec im Rahmen des Joint Ventures Angel Star entwickelt worden.

Wie Stadler schreibt, umfasst der Auftrag auch die Zulassung von Guardia in den Niederlanden, in Belgien und Deutschland. Das ist von Bedeutung, weil Stadler Guardia in Zügen in möglichst vielen Ländern einsetzen will und weil Arriva acht der Flirt-Züge seit diesem Jahr bereits auf einer grenzüberschreitenden Verbindung in der Region Limburg zwischen den Niederlanden und Deutschland einsetzt, konkret zwischen den Städten Maastricht und Aachen.

Arbeit für Stadlers niederländisches Servicecenter

Laut Mitteilung ist Arriva der erste Betreiber im Regionalverkehr in den Niederlanden, der Guardia bestellt, um seine Züge für das Europäische System zum Management und zur Steuerung des Eisenbahnverkehrs (ERMTS) auf den Transeuropäischen Netzen vorzubereiten. Eine Komponente des ERMTS ist das ETCS.

Wie Stadler schreibt, sollen die ersten nachgerüsteten Arriva-Züge bis 2022 betriebsbereit sein und auf der grenzüberschreitenden Strecke eingesetzt werden. Installiert wird Guardia in den Zügen von Stadlers Servicecenter in den Niederlanden. Der Auftrag erstreckt sich über die Jahre 2020 bis 2024.

Ein weiterer Schritt nach vorne in der Signaltechnik

Für Stadler sind der Nachrüstauftrag und die Zulassung von Guardia in drei Ländern ein weiterer Schritt in der seit vier Jahren verfolgten Strategie, das Geschäft mit der Signaltechnik (Signalling) auszubauen und sich aus der Abhängigkeit der dominierenden Anbieter Alstom und Siemens zu lösen, denn diese sind im Bahnbau gleichzeitig Konkurrenten Stadlers.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte Stadler über die allererste Zulassung von Guardia berichtet. Diese wurde in Polen erteilt, wo Stadler die Flirt-Züge des Bahnbetreibers Koleje Mazowieckie (KM) in der Region Masowien mit Guardia ausstattet. Mit KM hatte Stadler Anfang 2018 einen Rahmenvertrag zur Lieferung von 71 Flirt-Zügen abgeschlossen

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