BAHNBAU
Stadler erhält Milliardenauftrag aus Spanien für neue Züge – Rückschlag in Schweden

In Spanien hat der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler schon Aufträge an Land gezogen, aber noch keinen von der staatlichen Renfe. Das ist nun vorbei. In Schweden dagegen muss Stadler einen schon auf sicher geglaubten Auftrag abschreiben.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
Ein Arbeiter im spanischen Stadler-Werk Stadler Valencia. Dieses kann 59 Nahverkehrszüge für den spanischen Markt bauen.

Ein Arbeiter im spanischen Stadler-Werk Stadler Valencia. Dieses kann 59 Nahverkehrszüge für den spanischen Markt bauen.

Bild: Pau Barrena/Bloomberg

Das staatliche spanische Eisenbahnunternehmen Renfe hat Stadler mit dem Bau und der Lieferung von 59 Hochkapazitäts-Nahverkehrszügen beauftragt. Der Wert beträgt 998 Millionen Euro (1,1 Milliarden Franken). Der Auftrag umfasst auch Ersatzteile und Wartung über einen Zeitraum von 15 Jahren. Der Vertrag wird gemäss dem Vergabeverfahren später unterzeichnet.

Dieser Zuschlag ist eines der Lose im Bieterverfahren für die von Renfe ausgeschriebenen Hochkapazitätszüge. Stadler schlägt vor, die Kapazität durch den Einsatz von Doppelstockwagen mit einer skalierbaren Länge von 100 bis 120 Metern (24 Züge) und von 160 bis 240 Metern (35 Züge) zu maximieren.

Option für weitere 44 Züge plus Wartung

Die Züge mit iberischer Spurweite werden auf Strecken mit 3-Kilovolt-Gleichstrom-Oberleitungen verkehren und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde erreichen. Sie werden im Nahverkehr in den grössten spanischen Städten eingesetzt. Grösste Städte des Landes sind Madrid und Barcelona.

Sowohl das Engineering als auch die Produktion der Züge sollen im spanischen Stadler-Werk in Valencia erledigt werden. Der Vertrag soll eine Option für 44 weitere Einheiten und deren Wartung enthalten, im Wert von 832 Millionen Euro.

Auch Alstom gewinnt, CAF und Talgo gehen leer aus

Das zweite Los dieser Vergabe ist an den französischen Bahnbauer Alstom gegangen. Dieser fertigt 152 Züge für 1,45 Milliarden Euro. Alstom wird die Züge in seinem spanischen Werk in Barcelona herstellen.

Die Angebote der beiden spanischen Hersteller CAF und Talgo wurden laut Renfe aufgrund technischer Mängel disqualifiziert.

Abbruch der Auftragsvergabe in Schweden

Schlechte Kunde hat Stadler dagegen aus Schweden erreicht. Dort hatte das Unternehmen im Februar 2020 den Zuschlag erhalten für die Lieferung von Doppelstöckern für die Strecke Helsingborg–Malmö–Kopenhagen. Auftragswert: Umgerechnet 236 Millionen Franken. Doch nach einer Beschwerde des unterlegenen Mitbewerbers Bombardier urteilte das Verwaltungsgericht Malmö im Dezember, der Auftrag müsse neu vergeben werden.

Doch dazu kommt es nun nicht. Bereits Ende Januar 2021 hat der südschwedische Verkehrsverbund Skånetrafiken entschieden, die Ausschreibung der Doppelstöcker nicht zu wiederholen. Stattdessen erwägt Skånetrafiken, zehn von den dänischen Staatsbahnen DSB angebotene Occasionszüge günstig zu kaufen.

Aktuelle Nachrichten