Stadler beliefert die Zentralschweiz und hat Osteuropa im Visier

Der Ostschweizer Schienenfahrzeughersteller baut Züge mit Zahnradantrieb für die Zentralbahn und will in Bulgarien einsteigen.

Thomas Griesser Kym
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Ein Triebzug des Typs Adler von Stadler unterwegs als Luzern-Interlaken-Express der Zentralbahn am Lungerersee.

Ein Triebzug des Typs Adler von Stadler unterwegs als Luzern-Interlaken-Express der Zentralbahn am Lungerersee.

Bild: PD

Zwei siebenteilige Triebzüge des Typs Adler und sieben dreiteilige Triebzüge des Typs Fink: Dieser Beschaffung beim Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler hat der Verwaltungsrat der Zentralbahn zugestimmt. Alle Züge sind mit Zahnradantrieb ausgerüstet und können auf dem ganzen Netz der Zentralbahn verkehren. Diese ist im touristischen Dreieck Luzern, Engelberg-Titlis und Interlaken unterwegs. Das Auftragsvolumen beträgt 114 Millionen Franken.

Die neuen Züge vereinheitlichen und erweitern die Flotte der Zentralbahn, denn diese «wird vom ei­genen Erfolg überrannt», wie sie schreibt. «Die Kapazitäten sind entgegen früherer Prognosen teilweise bereits heute erreicht.» Deshalb wird das neue Rollmaterial nun mehrere Jahre früher beschafft als ursprünglich geplant.

Lokomotiven mit Pannen, Wagen mit Rissen

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn die neuen Züge sollen ab 2022 auch die lokbespannten Pendelzüge im Regelverkehr ersetzen. Die Lokomotiven sind pannenanfällig, und Wagen habe Risse (vgl. Ausgabe vom 12. September 2018), weshalb sie aus dem Verkehr gezogen werden sollen.

Besteller der neuen Züge von Stadler sind die Kantone Bern, Luzern, Nid- und Obwalden sowie der Bund. Stadler hat bereits 2009 und 2014 Aufträge der Zentralbahn für fast 200 Millionen Franken erhalten.

Stadler will mit Bulgarien ins Geschäft kommen

Im Weiteren bewirbt sich Stadler um einen Auftrag der Bulgarischen Staatsbahnen BDZ für zehn Lokomotiven für den Passagierverkehr. Der Wert des Vertrags wird auf 57,5 Millionen bulgarische Lew (32 Millionen Franken) geschätzt. Neben Stadler, der sich an der Ausschreibung über seine spanische Tochter Stadler Rail Valencia beteiligt, haben drei weitere Interessenten Angebote eingereicht: die kanadische Bombardier, die deutsche Siemens und ein Konsortium namens Excelor-E.L.

Laut BDZ soll der Gewinner der Ausschreibung bis Ende März feststehen. Nach Vertragsunterzeichnung sollen die ersten neuen Loks binnen 18 Monaten geliefert werden.

Stadler peilt Bulgarien seit einiger Zeit an. Vergangenes Jahr wurde das Unternehmen als einer von vier Herstellern eingeladen, bei der BDZ Angebote zur Lieferung von 42 elektrischen Triebzügen im geschätzten Wert von 260 Millionen Franken einzureichen.

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