STABWECHSEL: «Natürlich und beerenstark»

Der Agronom und Bio-Beerenfachmann Simon Räss hat vom Thurgauer Peter Konrad das Präsidium der IG Aronia Schweiz übernommen. Anbau und Erntemenge der Beeren wachsen.

Urs Oskar Keller
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Die Nachfrage nach Schweizer Aroniabeeren hat in den letzten Jahren stets zugenommen. (Bild: Coralie Wenger (Oberbühren, 4. September 2012))

Die Nachfrage nach Schweizer Aroniabeeren hat in den letzten Jahren stets zugenommen. (Bild: Coralie Wenger (Oberbühren, 4. September 2012))

Urs Oskar Keller

2017 wird sich die Aronia-Ernte in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr auf etwa 240 Tonnen verdoppeln. Die Kraftbeere findet einen immer grösser werdenden Kundenkreis. In der Ostschweiz wird im September aus den bestehenden Aronia-Kulturen rund ein Viertel der Schweizer Ernte erwartet.

Simon Räss, trinken Sie morgens schon ein Gläschen Aroniasaft?

Nein. Ich bevorzuge den Aroniasaft am Abend, damit sich die volle Kraft in der Nacht entfalten kann.

Der natürliche Aroniasaft soll sehr gesund und «beerenstark» sein, schmeckt herb und fliesst nicht so angenehm wie Schwarze Johannisbeeren (Cassis) über die Zunge.

Unterdessen fliesst der Saft sehr angenehm über die Zunge. In den vergangenen fünf Jahren fand in der Schweizer Aronisaftverarbeitung eine grosse Entwicklung statt, auch im Vergleich zum Ausland. Ich bin sehr stolz auf unsere innovativen Produzenten innerhalb der IG Aronia. Der Saft ist sehr bekömmlich und geschmackvoll. Bei mir funktioniert er mit Wasser verdünnt sogar als echter Durstlöscher für zwischendurch. Auch beim Essen ist Aroniasaft ein feiner Geschmacksabrunder.

Auf dem elterlichen Bauernhof produzieren Sie und Ihr Bruder auf rund 30 Hektaren Beeren aller Art und auch Trauben. Seit 2015 seien Sie europaweit einer der ersten, der Goji-Beeren biologisch anbaut. Heisst der Zukunftsmarkt Beeren und nicht mehr Kartoffeln?

Das kommt ganz auf die individuellen Betriebsstrukturen an. Auch der Kartoffelanbau hat in der Schweiz eine Chance und seinen Zukunftsmarkt. In unserem spezifischen Fall heisst das Zukunftsmodel ganz klar Biobeeren in höchster Bio-Suisse-Qualität.

Statt auf Kartoffeln setzen Sie und Ihr Unternehmen seit vier Jahren auf den Bio-Wildbeerenanbau. Klasse statt Masse, eine Differenzierungsstrategie mit absoluter Nischenorientierung, lautet ihre Philosophie. Kommt das bei den Konsumenten an?

Ganz klar! Viele Konsumenten warten genau auf diese Produkte: Natürlich und beerenstark!

Hellrot, dunkelrot, violett, rund, oval oder spitz – die Auswahl an Bio-Suisse-Beeren bei Ihnen ist gross. Was fasziniert Sie denn an diesen Beeren?

Dass die Menschen bereits beim Konsum einen grossen Genuss erzielen können und zusätzlich etwas für ihre Gesundheit tun.

Konfitüren, Dörrobst, Tee, Gelees, Kompott, Essig, Kapseln, Fruchtsaucen und Schnaps werden daraus schon hergestellt. Die Vielfalt ist bemerkenswert.

Der typische Geschmack und die bedeutenden Inhaltsstoffe dieser Kraftbeeren verraten die Aronia als Star der Superfrüchte. Es freut mich, dass die Innovationskraft unsere Produzenten und Verarbeiter sehr hoch ist. Wir dürfen uns also auf die Ernte von 2017 freuen.