Stabiler Euro-Franken-Kurs dank SNB

«Grossbritannien verlässt die EU» – diese Schlagzeile hat am 24. Juni die Devisenmärkte aufgeschreckt. Während das britische Pfund und der Euro unter der neuen Ausgangslage leiden, legten klassische Sicherer-Hafen-Währungen wie Franken, Yen oder Dollar in der Gunst der Anleger zu.

Daniel Wachter, Strategieanalyst der St. Galler Kantonalbank
Drucken
Teilen

«Grossbritannien verlässt die EU» – diese Schlagzeile hat am 24. Juni die Devisenmärkte aufgeschreckt. Während das britische Pfund und der Euro unter der neuen Ausgangslage leiden, legten klassische Sicherer-Hafen-Währungen wie Franken, Yen oder Dollar in der Gunst der Anleger zu. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) stemmt sich mit Devisenkäufen gegen das Erstarken des Frankens. Das gab sie am Tag 1 nach dem Brexit-Entscheid bekannt, worauf sich der Euro-Franken-Kurs erholte.

Anhaltspunkt Sichtguthaben

Die Äusserungen sind insofern interessant, da sich die Nationalbank bezüglich Interventionen am Devisenmarkt grundsätzlich bedeckt hält. Wie viel Geld die SNB aufwendete, um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen, ist damit jedoch nicht abschliessend bekannt. Einen Anhaltspunkt geben die wöchentlichen Daten der Sichtguthaben der Banken bei der SNB. Das Prinzip dahinter: Kauft die SNB bei ihren Interventionen am Devisenmarkt Euro, dann schreibt sie den Gegenwert in Franken den Banken auf deren SNB-Konten gut. Entsprechend steigen die Sichtguthaben. Allerdings können neben direkten Währungsinterventionen weitere Faktoren zu Veränderungen der Sichtguthaben führen, so zum Beispiel Veränderungen der Barmittelbestände. In den Tagen vor dem 23. Juni sind die Sichtguthaben um rund 5 Mrd. Fr. auf mehr als 500 Mrd. Fr. gestiegen.

Nach den jüngsten SNB-Kommentaren durfte davon ausgegangen werden, dass die Sichteinlagen auch in den Tagen nach der Brexit-Abstimmung nochmals zulegten. So stiegen die Sichteinlagen in der Woche danach um weitere 6,3 Mrd. Franken. Ein Blick in die Statistik offenbart, dass die wöchentlichen Sichteinlagen seit 2015 stark angewachsen sind, besonders in den Wochen nach der Aufgabe der Eurountergrenze im Januar 2015.

Interventionen der SNB

Auf die zweistellige prozentuale Frankenaufwertung folgten damals Interventionen der SNB-Währungshüter und ein Anstieg der Sichtguthaben von 400 Mrd. Fr. auf 440 Mrd. Franken. Ein weiteres Indiz für eine aktive SNB-Politik ist die Entwicklung ihrer Fremdwährungsbestände. Hier zeigt sich seit 2015 eine Zunahme von umgerechnet 100 Mrd. Fr. auf 600 Mrd. Franken.

SNB-Präsident Thomas Jordan muss heute zwar keine fixe Untergrenze verteidigen wie es vor 2015 beim Mindestkurs der Fall war. Mit ihrer Bereitschaft, aktiv am Markt einzugreifen, erzielt die SNB dennoch Wirkung. Trotz der Marktturbulenzen nach dem Brexit-Entscheid ist das Euro-Franken-Währungspaar nicht ins Bodenlose gestürzt. Für die Schweizer Wirtschaft sind das positive Neuigkeiten. Inzwischen bewegt sich der Franken-Euro-Kurs wieder im Bereich um 1.08. Das ist ein Niveau, das seit dem zweiten Halbjahr 2015 Bestand hat.

Aufwertungsdruck hält an

Mit dem Brexit betreten Grossbritannien und die Europäische Union Neuland. Es bleiben etliche Fragen vorerst unbeantwortet. Negativschlagzeilen werden in erster Linie auf dem britischen Pfund lasten. Steigende politische Unsicherheiten für die EU stellen jedoch auch einen Belastungsfaktor für den Euro dar. In diesem Umfeld dürfte die SNB weiterhin mit Interventionen am Devisenmarkt agieren.