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Spuren des 30-jährigen Börsenbooms

Im Jahr 1988 waren die Unternehmen im Swiss Market Index halb so viel wert wie das Bruttoinlandprodukt. Jetzt kosten sie einen Drittel mehr.
Daniel Zulauf
Ein Blick aufs Zürcher Börsenparkett im Januar 1994. (Bild: Martin Ruetschi/Keystone)

Ein Blick aufs Zürcher Börsenparkett im Januar 1994. (Bild: Martin Ruetschi/Keystone)

Fast 10 Pozent hat der Swiss Market Index (SMI) in den vergangenen sechs Monaten bereits verloren. Dem Börsenjahr 2018 droht eine miserable Ernte. Dabei hatte sich der SMI doch erst noch im Januar von seiner schönsten Seite gezeigt. Fünf Tage nach dem Jahreswechsel erreichte er das Allzeithoch von 9558 Punkten. Wer weiss, wie lange es dauert, bis dieser Gipfel wieder erklommen ist? Für die Rückkehr zum letzten Allzeithoch im Jahr 2007 waren immerhin mehr als zehn Jahre nötig.

Für solche Langzeitbetrachtungen ist heute genau der ­richtige Tag. Die Lancierung des Schweizer Bluechip-Aktienindex jährt sich nämlich zum 30. Mal. Er wurde am 30. Juni 1988 mit einem Basiswert von 1500 Punkten eingeführt und hat sich seither verfünfeinhalbfacht. Die 20 in dem Index enthaltenen Aktien haben einen Marktwert von 894 Milliarden Franken oder rund einen Drittel mehr als das Bruttoinlandprodukt der Schweiz. 1988 war der Marktwert der damals noch 24 SMI-Werte (bzw. 20 Unter­nehmen) nur etwas mehr als halb so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung der Schweiz.

Die Veränderung ist ein eindrücklicher Beleg für das starke Wachstum des Finanzsektors in den zurückliegenden drei Dekaden. Dessen Bedeutungsgewinn wird sogar noch massiv unterschätzt, wenn man lediglich auf den SMI abstellt. Der SMI ist nämlich ein sogenannter Kurs­index. Das heisst, dass er nur die nominale Wertveränderung der Aktien misst und die jährlichen Dividendenausschüttungen vernachlässigt, obschon sie einen zentralen Bestandteil jeder Ak-tien­investition darstellen.

Mehr Pharma, weniger Finanzen

Dafür gibt es den Swiss Performance Index (SPI), der das gesamte Aktienuniversum der Schweiz mit weit über 200 Aktien repräsentiert. In dieser sogenannten Total-Performance-Betrachtung hat sich der Wert der an der Schweizer Börse gehandelten Aktien seit 1988 sogar verzwölffacht. Der Aufstieg der Schweizer Börsen ist eng verknüpft mit der Öffnung und Globalisierung der Kapitalmärkte, die sich in den 1980er-Jahren stark beschleunigte. Sinnbildlich steht dafür der Nestlé-Crash im Jahr 1988. Das war der Moment, in dem der Nahrungsmittelkonzern die Namenaktien auch für ausländische Investoren freigab und damit einen scharfen Kurseinbruch in den Inhaberpapieren provozierte.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass die im SMI gehandelten Aktien und Anteilsscheine 1988 ausschliesslich Inhaberaktien oder stimmrechtslose Partizipations- oder Genussscheine waren. Inhaberaktien sind heute praktisch aus dem Verkehr verschwunden. Im Unterschied zu den Namenaktien kennen die Unternehmen ihre Inhaberaktionäre nicht. Die Anonymität verträgt sich nicht mehr mit den heute geltenden Transparenzbestimmungen. Damals sahen aber nicht zuletzt die Banken die Titel als geeignetes Mittel, die Anonymität ihrer ausländischen Kunden zu wahren.

Nebst den internationalen Entwicklungen sorgte auch das 1985 gesetzlich verankerte Obligatorium zur beruflichen Vorsorge für ein zusätzliches Wachstum der Finanzbranche. Das in den Pensionskassen angehäufte Vermögen beläuft sich inzwischen auf 950 Milliarden Franken, wovon immerhin rund 15 Prozent oder rund 140 Milliarden Franken in Schweizer Aktien angelegt sind.

Ausschlaggebend für den Aufstieg der Aktien im SMI waren aber letztlich nicht die Investoren, sondern die dahinterstehenden Unternehmen selber. Die Hälfte der 20 Firmen, die 1988 den Bluechip-Index repräsentierten, haben sich durch Fusionen und Übernahmen stark vergrössert und dabei oft auch ihre Position auf den Märkten im In- und Ausland verstärkt. Die damals noch vier Grossbanken schmelzten zu den heutigen UBS und Credit Suisse zusammen. Aus den Chemie- und Pharmakonzernen Ciba-Geigy und Sandoz wurde Novartis, und die damalige Holderbank mutierte zum weltgrössten Zement­riesen Lafarge-Holcim.

Sieben ehemalige SMI-Firmen verschwanden indessen ganz aus dem Index entweder durch Erfolglosigkeit oder durch Übernahmen. Indices seien im Grunde dasselbe wie Momentumstrategien, sagt Alex Hinder, ein Zürcher Vermögensverwalter und bekannter Spezialist für Indexanlagen. Unter solchen Strategien wählen Investoren konsequent jene Aktien mit der besten historischen Performance aus.

Mindestens suggeriert die Geschichte des Swiss Market Index, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit von Momentum grösser ist als das altbekannte Prinzip des Kaufens und Haltens. Betrachtet man die aktuelle Zusammensetzung des SMI, fällt der Aufstieg des Pharma- und Nahrungsmittelsektors auf, während der Finanzsektor stark an Gewicht verloren hat.

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