Spotify verschafft sich Gehör

Warum Musik kaufen, wenn man sie gratis anhören kann? Die schwedische Firma Spotify bietet in der Schweiz seit kurzem ihre Streaming-Dienste an.

Hans Bärtsch
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ZÜRICH. Rund 15 Millionen Songs sind es, die der schwedische Musikdienst Spotify derzeit anzubieten hat. Um jeden auch nur einmal anzuhören, würde das bei einer angenommenen durchschnittlichen Dauer von vier Minuten pro Song 114 Jahre in Anspruch nehmen. Nun sind die Geschmäcker bekanntlich verschieden, Musik wird selektiv gehört.

Sowohl für Hörer, die sehr gezielt nach einzelnen Liedern oder Interpreten suchen, wie solche, die Neues entdecken wollen, bieten sogenannte Streaming-Dienste eine immense Fülle an Material. Es sind nichts anderes als riesige digitale Jukeboxes, die übers Internet funktionieren. Spotify ist einer der aufstrebendsten Dienste im Bereich Musikstreaming. Seit kurzem ist er in der Schweiz empfangbar, nachdem Spotify mit der Urheberrechtsgesellschaft Suisa Anfang Oktober einen entsprechenden Lizenzvertrag unterzeichnen konnte.

Ein legaler Dienst

Dieser Vertrag zeigt auch: Spotify ist ein legaler Dienst, die Musikstücke werden von (grossen und kleinen) Labels zur Verfügung gestellt, Komponisten und Interpreten werden entschädigt (siehe Kasten). Das ist allerdings auch der Grund, dass der Dienst erst in wenigen Ländern verfügbar ist. Denn die Lizenzvereinbarungen gestalten sich oft schwierig – und sind auch der Grund, weshalb Deutschland beispielsweise eine «Spotify-freie» Zone ist. Nichtsdestotrotz: Dank grosser Musikmärkte wie den USA, Grossbritannien und Frankreich zählt Spotify gemäss eigenen Angaben mehr als 10 Millionen registrierte Nutzer. Zahlen für einzelne Länder gibt der 2008 gestartete Dienst keine bekannt, den Auftakt in der Schweiz bezeichnet Spotify-Regionaldirektor Axel Bringéus auf Anfrage indes als «über den Erwartungen liegend, sowohl was das Gratisangebot wie die abonnierten Dienste anbelangt». Das Basisangebot von Spotify ist kostenlos. Allerdings müssen damit Werbeunterbrechungen in Kauf genommen werden, und der Musikkonsum ist auf zehn Stunden pro Monat begrenzt. Mit der Bezahloption entfallen die Werbung und die zeitliche Begrenzung. Je nachdem lässt sich die Musik zumindest zwischenspeichern und offline konsumieren. Doch bei allen Varianten ist es grundsätzlich nicht möglich, die Songs abzuspeichern. Dafür ist der Dienst auf sämtlichen Geräten mit Internetverbindung nutzbar (PC, Smartphones), unabhängig auch von der Art des Betriebssystems.

Abspiellisten austauschen

Um Spotify nutzen zu können, ist zwingend ein Konto beim sozialen Netzwerk Facebook nötig – ein Umstand, der in Online-Foren teils heftig kritisiert wurde. Wem das nichts ausmacht, wird schon bald Abspiellisten mit seinen Freunden teilen – und zwangsläufig viel neue Musik entdecken. Spotify war von den beiden Schweden Daniel Ek und Martin Lorentzon gegründet worden mit dem Ziel, eine einfache und praktische sowie legale Alternative zur Musikpiraterie anbieten zu können. Unter den Digitalmusikanbietern ist Spotify der am schnellsten wachsende. Konkurrenzlos ist er aber nicht. Der deutsche Dienst Simfy etwa ist in der Schweiz schon seit mehr als einem Jahr verfügbar.