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Spione in der Bank

Nach den Betrugsfällen bei Investmentbanken legen Banken ihren Händlern Ketten an. Um sie zu kontrollieren, heuern Finanzinstitute im grossen Stil Geheimdienstagenten an.
Adrian Lobe
Blick auf die City of London, den weltgrössten Finanzplatz. Als Folge von Betrügereien und Milliardenstrafen sind Banken vorsichtiger geworden. Und wachsamer. (Bild: Andy Rain/EPA)

Blick auf die City of London, den weltgrössten Finanzplatz. Als Folge von Betrügereien und Milliardenstrafen sind Banken vorsichtiger geworden. Und wachsamer. (Bild: Andy Rain/EPA)

2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, wurde der New Yorker Finanzjongleur Bernie Madoff als Betrüger entlarvt. Über Jahre hatte er mit einem Schneeballsystem Anleger um 65 Mrd. $ geprellt. Seither ist viel passiert. Bankenaufsicht, Eigenmittelvorschriften und Kreditvergabe wurden verschärft, Ratingagenturen an die Leine genommen. Auch Banken haben ihre Compliance (Einhaltung der Regeln) verschärft und Investmentbankern Ketten angelegt.

In der Betrugsprävention greifen Finanzinstitute nun offensichtlich zu ungewöhnlichen Methoden. Wie die Agentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtet, heuern Banken zunehmend ehemalige Geheimdienstmitarbeiter an, um solche «rogue trader» (Schurkenhändler) frühzeitig zu identifizieren.

Was nach Agententhriller klingt, ist längst Realität. Bryon Linnehan war zwei Jahre US-Agent in Irak. Seit Mai 2015 überwacht er die elektronische Kommunikation der britischen Investmentbank Barclays in den USA. Leute wie Linnehan sollen laut Bericht das gesamte Verhalten verfolgen: Wie lange Banker für die Zigarettenpause brauchen oder welche Webseiten sie aufrufen. Schlapphüte, die einst Terroristen und Verbrecherbanden observierten, finden an der Wall Street ein lukratives Betätigungsfeld. Rund doppelt so viel sollen sie bei den Banken kassieren. Dabei gehen sie ähnlich vor wie die Geheimdienste: Texterkennung, E-Mail-Scans, Stimmanalysen.

In den vergangenen zwei Jahren sollen Banken, darunter die Deutsche Bank, HSBC und JP Morgan, Dutzende ehemaliger Geheimdienstler des US- und des britischen Militärs, der CIA sowie Topagenten des britischen GCHQ eingestellt haben.

UBS beaufsichtigt und überwacht deutlich strenger

Die UBS, deren Londoner Investmentbank durch Händler Kweku Adoboli einen Milliardenschaden erlitt, stockte vergangenes Jahr ihre Compliance-Abteilung um 300 Stellen auf. Ob darunter auch Geheimdienstler sind, wollte die Bank auf Anfrage nicht sagen – zum «Schutz für den Angestellten». Eine UBS-Sprecherin sagte aber: «Wir haben unsere Aufsichts- und Überwachungskapazität deutlich erhöht, so dass wir in der Lage sind, ungewöhnliche Verhaltensmuster unserer Mitarbeiter und unzulässige Geschäftspraktiken und Vorgehensweisen früher zu erkennen.»

Dabei setzt die UBS auch Monitoringinstrumente ein, darunter softwaregestützte Programme, «die sicherstellen und überwachen, dass das Richtige getan wird». Zudem werde das Verhalten der Mitarbeiter auch bei der jährlichen Festlegung der Vergütung berücksichtigt. Im Klartext: Händler werden überwacht, und anhand dieses Monitorings bemisst sich ein Teil ihrer variablen Vergütung. Das Anreizsystem, Banker mit hohen Boni für hochspekulative Geschäfte zu belohnen, und das eine Risikokultur geschaffen hat, wird umgekehrt.

Milliardenschwere Bussen haben Banken sehr vorsichtig gemacht. Und wachsam. JP Morgan hat einen Algorithmus getestet, um Fehlverhalten von Mitarbeitern zu entlarven. Die Software sammelt Daten über Investmententscheide und kombiniert diese mit Informationen über geschwänzte Schulungen und Hinweisen auf besondere Risikofreude. Am Ende soll ein Profil entstehen – zur Beherrschung des «Risikos Mitarbeiter».

Mark T. Williams, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Boston, hält diese Methoden für problematisch. Aggressivität sei nicht per se negativ. Die Instrumente sendeten überdies als «falsches Signal» an die Händler, dass die Führung einen Generalverdacht hege und davon ausgehe, dass sie ein «Verbrecher-Gen «in sich trügen. Bloomberg zitiert Händler, die anonym von «Überwachungsparanoia» am Arbeitsplatz sprechen. Verunsicherte oder gar verängstige Händler träfen dabei schlechtere Entscheide.

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