SPIELWAREN: Von Mädchen für Mädchen

Von der Bankerin zur Puppenmacherin: Theresia Le Battistini will mit ihrer Puppenkollektion den Markt aufmischen – und Mädchen wieder zum Spielen verleiten.

Federico Gagliano
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Jungunternehmerin Theresia Le Battistini präsentiert ihre Puppe Lola. (Bild: PD)

Jungunternehmerin Theresia Le Battistini präsentiert ihre Puppe Lola. (Bild: PD)

Federico Gagliano

Mit I’m a Girly hat das Start-up Finfin AG aus Freienbach seine Zielgruppe gleich im Namen integriert: Mädchen im Alter zwischen 9 und 13 Jahren sollen mit den Puppen ihrer Stylingfantasie freien Lauf lassen. Die frühere Bankerin Theresia Le Battistini entwickelte die Idee während ihres Mutterschaftsurlaubs – und kündigte daraufhin ihre Stelle bei der UBS, wo sie als Analystin und im Support des obersten Managements arbeitete. Das Angebot an Puppen für Mädchen, die Rollenspiele und das Styling ihrer Puppen lieben, sei bisher sehr klein, sagt Le Battistini. Eine Lücke, die sie nun mit ihren eigenen Puppen schliessen will.

Ein Jahr lang entwickelte sie ihre eigene Kollektion – mit der Hilfe von Expertinnen: Fünfzehn 9- bis 13-jährige Mädchen bestimmten Aussehen, Design und Material der Puppen mit. Durch diese Zusammenarbeit entstand eines der Hauptmerkmale der Girly-Puppen: die Haare lassen sich austauschen, was es den Kindern ermöglicht, sie zu frisieren und zu schneiden. Dies gilt auch für die anderen Teile der Girlys: Alles ist ersetzbar oder wiederverwendbar. Sogar die Verpackungsschachtel kann zum Kleiderschrank umfunktioniert werden. Vergangenen Monat wurde der Onlineladen mit drei Modellen lanciert, die Preise beginnen bei 148 Franken. Zu den drei Puppen Lucy, Zoé und Lola entwickelte Le Battistini zusammen mit Buchautorin Mirjam Hüberli eigene Geschichten, die der Verpackung beigelegt sind.

«Packperlen» helfen mit

Hergestellt werden die Puppen in China und Hongkong. «Ich habe zwar Produktionsstätten in Spanien erwogen, diese konnten aber unsere Standards nur bedingt erfüllen», sagt Le Battistini. In Asien produziere man hingegen schon seit 40 Jahren Puppen für grosse Firmen aus Amerika und Europa. In den Verhandlungen konnte sie auf ihre chinesischen Wurzeln zurückgreifen: «Es half bei der Evaluation der besten Partner.» Die Wahl fiel gleich auf mehrere Produktionsstandorte, um nicht von einem einzelnen Zulieferer abhängig zu sein. Die Ware wird in die Schweiz verschickt und gelagert. Für den Versand zu den Kunden hat Le Battistini ein eigenes Vertriebsmodell: die «Packperlen». So nennt Le Battistini Mütter, die I’m a Girly-Produkte verpacken und versenden. Da sich die Arbeit der «Packperlen» von zu Hause aus erledigen lässt, haben diese so genug Zeit für die Kinderbetreuung.

Le Battistini hat eine klare Vorstellung, was sie mit ihren Puppen erreichen will: «Viele Kinder spielen gar nicht mehr – ausser vielleicht vor einem Bildschirm. Ich möchte Mädchen dazu verleiten, wieder einmal richtig zu spielen.» Die Puppen sollen auch Teenager ansprechen. Diese hätten oft Angst, ausgelacht zu werden und spielten darum heimlich mit Puppen. Le Battistini äussert aber die Hoffnung, dass die Mädchen ihren Style und ihre Kreativität durch ihre Puppen auf sozialen Medien bedenkenlos ausdrücken können. In Amerika seien solche Puppen-Selfies normal.

Weitere Modelle sind geplant

Mädchen und Puppen – verstärkt diese Paarung aber nicht die gleichen Stereotype, die Barbie über 50 Jahre lang verbreitete? «Dass heranwachsende Mädchen sich intensiv mit dem Thema Schönheit beschäftigen, ist unvermeidlich», sagt Le Battistini. Sie wolle mit ihren Produkten aber keine falschen Rollenbilder vermitteln. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten die Puppen möglichst natürlich wirken. «Die Beine sind weder zu dick noch zu dünn. Auch haben wir Taille und Lippen den natürlichen Proportionen angepasst», sagt sie. Ein Trend, der in der ganzen Branche erkennbar ist. Auch der US-Spielwarenkonzern Mattel experimentiert mit verschiedenen Körpergrössen und Hautfarben. Trotzdem läuft das Geschäft schlecht: Barbie-Besitzer Mattel verbuchte im ersten Quartal den grössten Verlust seit 15 Jahren, der Umsatz mit Barbie-Puppen sank um 13%. Der Klassiker ist aus der Mode gekommen.

Eine Chance für die Girly-Puppen? «Es war uns wichtig, ­keine zweite Barbie zu kreieren», sagt Le Battistini. Die ersten drei Puppen und rund 100 Accessoires sind jetzt erhältlich, Ziel ist es aber, später auch Modelle mit verschiedener Hautfarbe zu bieten. Bis zum Weihnachts­geschäft und zur Kindermesse in Paris im Januar will Le Battistini, die inzwischen zum zweiten Mal Mutter geworden ist, ein klares Bild darüber haben, wie gross sie mit I’m a Girly denken darf.