SPEZIALZÜGE
Messlabors auf Rädern: Stadler inspiziert das italienische Bahnnetz

Nach Diagnosezügen für Spanien liefert Stadler nun auch solche Fahrzeuge nach Italien. Mit an Bord ist erneut die italienische Firma Mermec, mit der Stadler eng in der Signaltechnik kooperiert.

Thomas Griesser Kym
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Visualisierung der Stadler-Diagnosezüge für Italien.

Visualisierung der Stadler-Diagnosezüge für Italien.

Bild: ferrovie.info

Ein Konsortium aus Stadler und Mermec entwickelt, produziert und liefert fünf Triebzüge, die für die Echtzeit-Inspektion von Gleisen und Oberleitungen eingesetzt werden. Auftraggeberin ist die italienische Infrastrukturgesellschaft RFI, eine Tochter der Staatsbahnen (FS). Der Auftrag ist rund 130 Millionen Euro wert.

Bei den Fahrzeugen handelt es sich um dreiteilige dieselelektrische Triebzüge. Sie sollen auf dem ganzen italienischen Bahnnetz verwendet werden, das eine Länge von 16'782 Kilometern hat. Die Zulassung für den Betrieb wird für das Jahr 2023 erwartet.

Überwachung der Eisenbahninfrastruktur

Die Diagnosezüge sind mobile Labors, mit denen die Wartungsparameter der Eisenbahninfrastruktur überwacht werden. Gemessen werden Parameter wie beispielsweise Gleisgeometrie, Telekommunikation, elektrische Traktion und Signalisierung.

Visualisierung der Inneneinrichtung der Diagnosezüge für RFI.

Visualisierung der Inneneinrichtung der Diagnosezüge für RFI.

Bild: ferrovie.info

Zuletzt hat Ende 2019 die spanische Infrastrukturgesellschaft Adif bei Stadler und Mermec drei Diagnosezüge bestellt. Mermec stellt Zugsicherungssysteme her und spielt eine wichtige Rolle in der Signaltechnik (Signalling), die als Folge der Digitalisierung immer stärker mit den Zügen verschmilzt.

Abnabelung von Alstom und Siemens

Den Entscheid, in die Signaltechnik einzusteigen, hat Stadler 2016 gefällt, um sich unabhängiger zu machen von den weitaus grössten Signalling-Anbietern Alstom und Siemens, die aber im Bahnbau zugleich Konkurrenten des Ostschweizer Schienenfahrzeugherstellers sind.

Stadler hat im Rahmen des Ausbaus der Signaltechnik mit Mermec das Joint Venture Angelstar gegründet und in Wallisellen einen Engineering-Standort aufgebaut. Gemeinsam haben Stadler und Angelstar Guardia entwickelt, ein ETCS-Zugbeeinflussungssystem, das erstmals bei den neuen Stadler-Zügen des Typs Flirt für die BLS eingesetzt worden ist. Dieser Zug feierte seinen Roll-out im September 2020 im Stadler-Inbetriebsetzungszentrum Erlen.