SPARPROGRAMM: Postfinance zückt Rotstift

Die Finanztochter der Post legt ihre Kontaktzentren zusammen und überprüft das Filialnetz. In St. Gallen gehen wegen Verlagerungen 58 Stellen verloren.

Ernst Meier
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Postfinance muss sparen und baut Stellen ab. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Postfinance muss sparen und baut Stellen ab. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Ernst Meier

Vorbei sind die Zeiten, in denen Postfinance vom Leiden anderer Banken in der Finanzkrise profitierte und gute Kunden mit Schokoladetruffes zu Weihnachten belohnte. Die Bank der Post leidet unter den Negativzinsen stärker als andere Finanzinstitute. Der grosse Zulauf an Kunden und Zufluss an Spargeldern in den letzten Jahren ist zu einer Bürde geworden, denn nach wie vor darf Postfinance keine Hypotheken und andere Darlehen vergeben. Auch der Strukturwandel mit der Digitalisierung und Automatisierung setzt Postfinance zu.

Was das Unternehmen vergangenen November erstmals angetönt hat und wegen Indiskretionen seit einigen Wochen immer konkreter wurde, ist seit gestern offiziell: Das Finanzinstitut steht vor einem umfangreichen Spar- und Umbauprogramm. So will Postfinance in den nächsten Monaten die Zahl der Kontaktzentren und die Büroflächen reduzieren. In der zentralen Administration plant sie einen Abbau von Stellen. Insgesamt sind 400 Mitarbeitende von den Massnahmen betroffen. 45 Stellen werden ganz gestrichen.

Am stärksten betroffen sind die Standorte Kriens und Münchenstein im Baselbiet, die komplett geschlossen werden. Kriens zählt 107 Arbeitsplätze. 74 Personen arbeiten im Kontaktzentrum. Diese Stellen werden nach Zofingen verlagert. «Für die 33 Mitarbeitenden, die Geschäftskunden betreuen, suchen wir eine Lösung in der Region», sagt Postfinance-Sprecher Johannes Möri. In Münchenstein sind es 76 Stellen aus dem Kontaktzentrum, die nach Zofingen verschoben werden, und 35 Geschäftskundenmitarbeiter, die den Arbeitsplatz in der un­mittelbaren Region wechseln. In St. Gallen wird zwar das Kontaktzentrum geschlossen und 58 Stellen werden nach Netstal im Glarnerland verlagert, es bleiben aber 163 Arbeitsplätze hier. Durch die Anpassungen spart Postfinance 2000 Quadratmeter Büroflächen ein, wie Möri sagt.

In St. Gallen gilt ein Sozialplan

Die Mitarbeitenden erhalten eine Änderungskündigung – einen neuen Arbeitsvertrag mit neuen Bedingungen. «Da der Weg von Kriens und Münchenstein nach Zofingen laut Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter zumutbar ist, besteht für uns die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis zu kündigen, falls jemand den Umzug nicht mitmachen will», sagt Möri. Bei der Verlagerung von St. Gallen nach Netstal hingegen ist die Zumutbarkeit des Arbeitsortswechsels nicht gegeben. «Hier käme der Sozialplan zur Anwendung», sagt Möri.

Ferner werden jene 120 Angestellte, die Dokumente und Belege bearbeiten, 1. März 2018 zur Posttochter Swiss Post Solutions (SPS) ausgelagert. Erklärt wird dies mit der Digitalisierung, welche die Zahl an Papierdokumenten stark schrumpfen lässt. Die Gewerkschaft Syndicom befürchtet tiefere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen.

Postfinance prüft auch ihr Filialnetz mit 42 Standorten. «Die Schliessung einer Filiale ist nicht geplant», versichert Möri. Hingegen wolle man schwach frequentierte Kundenzonen in den Filialen abbauen. Betroffenen Mitarbeitenden biete man eine Stelle in einer anderen Filiale oder eine Umschulung Richtung Kundenberater an.