Der Lebensmittelhändler Spar stopft Verlustquellen

Die Bereinigung unrentabler Läden, eine effizientere Lieferkette und Supermärkte mit mehr Frische – so gelingt es Spar Schweiz, trotz weniger Umsatz mehr zu verdienen.

Thomas Griesser Kym
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Spar-Schweiz-Chef Rob Philipson will die Rendite zügig steigern. (Bild: Thomas Hary (St. Gallen, 13. Dezember 2018))

Spar-Schweiz-Chef Rob Philipson will die Rendite zügig steigern. (Bild: Thomas Hary (St. Gallen, 13. Dezember 2018))

Der Schweizer Detailhandel ist ein hartes Pflaster. Der Markt ist weitgehend gesättigt, der Wettbewerbsdruck hoch, die Umsätze stagnieren. Dazu kommt die Konkurrenz des Onlinehandels und des Einkaufstourismus. In solch einem Umfeld ist es für statio­näre Händler zentral, mit einem attraktiven Sortiment, guten Services sowie hoher Effizienz und Produktivität zu punkten.

Die im Lebensmittelhandel tätige Spar-Schweiz-Gruppe hat einigen Aufholbedarf. Seit Frühling 2016 mehrheitlich im Besitz der börsenkotierten Spar Süd­afrika, hat sich diese zunächst unzufrieden gezeigt mit der Umsatzentwicklung, der Profitabilität und der Logistik ihrer Schweizer Tochter. Vergangenes Jahr hat Spar Südafrika deshalb Rob Philipson als neuen Geschäftsleiter in die Schweiz geschickt, um dem Unternehmen Beine zu machen.

Weniger verkauft, mehr verdient

Den Umsatz erst stabilisieren und dann steigern sowie die Profitabilität Schritt für Schritt erhöhen – das hat sich Philipson auf die Fahne geschrieben. Der Bericht von Spar Südafrika für das jüngste Geschäftsjahr (per Ende September) zeigt: Spar Schweiz hat schon einiges erreicht, aber auch noch viel Arbeit vor sich.

Laut den Angaben ist der Umsatz von Spar Schweiz um 5,1 Prozent auf 729 Millionen Franken gesunken. Dabei handelt es sich um den Grosshandelsumsatz, den Spar Schweiz mit der Belieferung von Spar-Supermärkten, anderen Detaillisten und TopCC-Abholmärkten erarbeitet. Den rückläufigen Verkäufen steht eine deutlich verbesserte Profitabilität gegenüber. So stieg das Betriebsergebnis von 5,1 Millionen Franken auf 9,3 Millionen gleich um 83 Prozent, und unter dem Strich steht ein Gewinn nach Steuern von 5 Millionen Franken, knapp ein Fünftel mehr als im Vorjahr.

Eigene Läden sind defizitär

Spar erklärt die Umsatz­abnahme weitgehend mit dem strategischen Entscheid, weitere «unprofitable», in Eigenregie ­geführte Spar-Läden dicht zu machen oder zu verkaufen. Bereinigt man den Umsatz um die Ladenschliessungen, beträgt das Verkaufsminus noch 0,8 Prozent. Vor Philipsons Amtsantritt hatte Spar 51 Supermärkte selber geführt, jetzt sind es noch 39 solcher Corporate Stores. Diese Zahl will Philipson mittelfristig auf 10 bis 15 verringern, denn das ­reiche, um das Retailgeschäft zu verstehen, den Konsumenten den Puls zu fühlen und an der Verkaufsfront neue Dinge auszuprobieren, ohne im Falle hoher Kosten oder bei Fehlschlägen die Franchisenehmer in Mitleidenschaft zu ziehen, die als selbstständige Unternehmer die Mehrzahl der Spar-Läden führen.

Der Abbau der Corporate Stores ist auch Beweis dafür, was ein früherer Spar-Manager vor einiger Zeit gesagt hat: «Mit den eigenen Läden verdient Spar kein Geld.» Runder laufen die Spar-Geschäfte der Franchisenehmer. Philipson sagt:

«Ein selbstständiger Unternehmer leistet immer mehr als ein Angestellter.»

Weitere Schliessungen von Corporate Stores soll es indessen nicht geben. Philipson zeigt sich überzeugt, die weitere Bereinigung mit Übergaben an Franchisenehmer bewerkstelligen zu können. Eine «enttäuschende» Umsatzabnahme zeigt das Cash & Carry-Geschäft der elf TopCC-Abholmärkte, was vor allem auf Schliessungen von Restaurants und Hotels zurückgeführt wird. Das Gastgewerbe ist eine wichtige Kundengruppe der Abholmärkte.

Einstieg in der Romandie ist geschafft

Dass Spar Schweiz im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich mehr verdient hat und die operative Marge von 0,7 auf 1,3 Prozent des Umsatzes annähernd verdoppeln konnte, ist auch einer «signifikanten» Senkung der Kosten zu verdanken. Dazu beigetragen hat neben der Trennung von eigenen Spar-Läden eine Optimierung der Lieferkette. Als «realistisches Ziel» peilt Philipson eine Marge von 3 Prozent an; das könnte im Geschäftsjahr 2021 erreicht werden. Wichtig sei, dass ausser Spar Schweiz auch die Franchisenehmer ihre Marge steigern.

An der Front ist Spar daran, unter dem Namen «New Generation Stores» sukzessive die Läden zu modernisieren. Für Investitionen hat Spar Schweiz im alten Geschäftsjahr 14,3 Millionen Franken ausgegeben. Für das laufende Geschäftsjahr sind weitere 25 Millionen budgetiert. Vergangenen Frühling haben die Spar-Läden ihr Sortiment mit konsumfertigen Produkten der Convenience-Linie «Fresh to go» erweitert, und mehr Frische ist auch im TopCC-Kanal ein Thema. Ferner hat Spar Schweiz mit der Belieferung von 46 zusätz­lichen Läden begonnen, davon alleine 28 bisherige Pam-Läden in der Romandie. Damit versorgt Spar Schweiz ein Netz aus eigenen und selbstständigen Spar-Läden sowie Maxi-Geschäften und weiteren unabhängigen Detaillisten, das 315 Läden umspannt, und der Einstieg in der Romandie ist gelungen. Dort lotet Spar Schweiz weitere Chancen aus, den Heimmarkt auszudehnen.

Spar Südafrika zeigt sich fordernd, aber geduldig

Spar Südafrika schreibt, die Spar-Schweiz-Gruppe mit gut 2000 Mitarbeitenden (in Vollzeit gerechnet) werde die identifizierten strategischen Initiativen vorwärtstreiben, um die Umsatzleistung zu verbessern. Das brauche Zeit, aber positive Veränderungen seien sichtbar. Dazu zählt, dass Spar im zweiten Semester des vergangenen Geschäftsjahrs den Umsatz leicht und das Betriebsergebnis kräftig gesteigert hat gegenüber der Vorperiode.

Spar Südafrika will Spar Schweiz bald ganz

Die südafrikanische Spar Group hat 60 Prozent der schweizerischen Spar Holding AG per 1. April 2016 für 44,5 Millionen Franken erworben. Eine weitere Tranche von 16 Millionen ist aufgeschoben und wird zusammen mit dem Erwerb der übrigen 40 Prozent für 40,3 Millionen bezahlt, was zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 geplant ist. Verkäufer der Spar Holding AG sind die Leuthold & Co. AG des ehemaligen Spar-Schweiz-Chefs Stefan Leuthold, die noch 25 Prozent hält, und die Aspiag (15 Prozent), in der Spar Österreich ihre Auslandbeteiligungen bündelt. (T.G)

MODERNISIERUNG: Spar gibt viel Geld aus

Der Südafrikaner Rob Philipson bringt frischen Wind in den Schweizer Lebensmittelhändler. Das umfangreiche Investitionsprogramm bekommen die Kunden in den Läden zu spüren.
Thomas Griesser Kym