Umkämpfter Lebensmittelhandel: Spar Schweiz geht in Position

Der Lebensmittelhändler sieht die Basis gelegt für Umsatzwachstum und eine höhere Profitabilität.

Thomas Griesser Kym
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Soll Spar Schweiz auf Wachstum und Rendite trimmen: Firmenchef Rob Philipson. (Bild: Urs Bucher)

Soll Spar Schweiz auf Wachstum und Rendite trimmen: Firmenchef Rob Philipson. (Bild: Urs Bucher)

Wie der gesamte Schweizer Lebensmittelhandel operiert auch Spar Schweiz in einem frostigen Klima. Die hiesige Wirtschaft wächst nur gemächlich, der Markt ist weitgehend gesättigt, die Konkurrenz gross, der Einkaufstourismus ungebrochen. In diesem Umfeld hat die Tochtergesellschaft von Spar Südafrika den Grosshandelsumsatz im ­Geschäftsjahr 2019 (per Ende September) um 6 Prozent auf 10,4 Milliarden Rand gesteigert. Parallel dazu nahm aber das Betriebsergebnis um ein Drittel auf 83 Millionen Rand ab.

In Franken gerechnet sieht das Gesamtbild noch düsterer aus. Der Umsatz sank um 1,5 Prozent auf 738 Millionen Franken. Bei einem Betriebsergebnis von 5,8 Millionen Franken ergibt sich eine operative Marge von 0,8 Prozent. Vor Jahresfrist zeigte Spar-Schweiz-Chef Rob Philipson Zuversicht, bis 2021 eine Marge von 3 Prozent erreichen zu können. Das hält er nach wie vor für «ein realistisches Ziel». Aber es könnte auch erst 2022 so weit sein, sagt er heute.

Bei Preissenkungen zurückbuchstabiert

Das Unternehmen erklärt die Minuszeichen mit der «aggressiven Marketingkampagne», die Spar Schweiz seit geraumer Zeit fährt, die aber in der ersten Hälfte des abgelaufenen Geschäftsjahrs nicht den erwarteten Umsatz eingebracht habe. Konkret wollte Spar über «substanziell günstigere Preise» die Verkäufe befeuern. Weil dies nicht so gelang wie erhofft und zudem an der Marge nagte, wurde diese Initiative im zweiten Semester deutlich gedrosselt. Darauf hat sich in diesem Zeitabschnitt das Betriebsergebnis gegenüber der Vorperiode fast vervierfacht. «Das erste Semester war enttäuschend, das zweite zufriedenstellend», sagt Philipson.

Spar Südafrika nennt es zudem «ermutigend, dass sich der Verkaufsrückgang der Schweizer Tochter verlangsamt hat, nach –5,1 Prozent im Vorjahr auf –1,5 Prozent. Philipson schliesst daraus, dass Initiativen wie die laufende Modernisierung der Läden (2019 wurden deren 23 renoviert) oder die Forcierung frischer Lebensmittel und von Convenience-Artikeln allmählich zu greifen beginnen. Ausserdem hat Spar Schweiz das ursprünglich 51 Standorte starke Netz jener zumeist unrentablen Spar-Läden, die in Eigenregie geführt werden, weiter verkleinert, indem weitere Läden geschlossen oder an Franchisenehmer übergeben wurden.

Spar Mini ist mit hohen Erwartungen verbunden

Insgesamt belieferte Spar per Ende September 322 Verkaufspunkte im Detailhandel, netto sieben mehr als vor Jahresfrist. 26 neue Läden wurden eröffnet, darunter 19 in der Westschweiz. Zu den bisherigen Formaten Spar, Spar Express, Maxi und unabhängige Detaillisten hat sich mit Spar Mini ein weiterer Verkaufskanal gesellt. Von diesen Dorf- oder Quartierläden mit kompaktem Sortiment und Schwergewicht auf Frische und Regionalität gibt es mittlerweile drei Stück, darunter einen in Trogen und einen in Rapperswil. Im angelaufenen Geschäftsjahr 2020 will Spar neun weitere Spar Mini eröffnen, entweder ganz neue Läden oder durch Umwandlung bisher unabhängiger Detaillisten oder von Maxi-Läden, denn: «Die Spar Mini entwickeln sich ausserordentlich gut und sind ein signifikanter Wachstumskanal.»

Negativ zu Buche schlägt weiterhin der Abholgrosshandel. Dessen elf TopCC-Läden melden einen laut Spar Südafrika «erneut enttäuschenden» Umsatzrückgang von 0,4 Prozent. Spar führt dies auf Schliessungen im Gastgewerbe zurück, das ein wichtiger Kunde ist. Philipson dagegen sieht für TopCC eine recht stabile Entwicklung, und auch diese Kette versucht, mit mehr Frische eine Wende zu erzwingen. In Läden, die man bereits modernisiert hat, sei man mit den Verkaufsverbesserungen «sehr zufrieden».

Das neue Geschäftsjahr soll «weit besser» werden

Im neuen Geschäftsjahr plant Spar Schweiz Kapitalausgaben von 22 Millionen Franken nach 25 Millionen im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die Mittel sollen in weitere Investitionen in den Detailhandelskanal (Expansion und Modernisierung) und in Verbesserungen der eigenen Infrastruktur fliessen, vor allem in die Verteilzentrale. Es werde erneut erwartet, dass alle Ausgaben aus dem eigenen Cashflow finanziert werden, also aus selbst erarbeiteten Mitteln. Abgesehen davon bleibe «das Schweizer Geschäft zuversichtlich», dass die strategischen Initiativen zur Belebung des Umsatzes an Dynamik gewinnen und auf einer stabilen Kosten­basis die erhofften Ergebnisse bringen. Graham O’Connor, der Konzernchef von Spar Südafrika: Spar Schweiz sei «gut positioniert für ein weit besseres Geschäftsjahr 2020». Dem stimmt auch Rob Philipson zu.

Spar Südafrika steigt in Polen ein

Vor kurzem hat Spar Südafrika seinem Geschäft ein viertes geografisches Segment hinzugefügt. Das börsenkotierte Unternehmen, das im südlichen Afrika, in Irland/Südwestengland und in der Schweiz tätig ist, will nun auch Fuss fassen in Polen. Dazu hat Spar Südafrika per 1. Oktober 80 Prozent an der Piotr i Pawel Group (PiP) erworben. Kaufpreis: 1 Euro. PiP betreibt und beliefert eine Kette aus 66 Delikatessenläden und Supermärkten.
Das polnische Unternehmen steckt in finanziellen Schwierigkeiten und wird seit einiger Zeit einer Restrukturierung seiner Schulden unterzogen. Im Vorjahr hat PiP bereits die Zahl seiner Läden halbiert. Spar Süd­afrika hat PiP für die Sanierung einen Kredit von 40 Millionen Euro gewährt und plant, die PiP- Läden mit den 250 Supermärkten des bisherigen Spar-Lizenznehmers in Polen zusammenzuführen. Das vereinigte Netz soll dann bis Ende 2020 auf 175 bis 200 Läden bereinigt werden.

An der Schweizer Spar Holding AG mit Sitz in St. Gallen hat Spar Südafrika vor gut dreieinhalb Jahren 60 Prozent erworben. Vorgesehen ist, dass Spar Südafrika zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 auch die restlichen 40 Prozent an Spar Schweiz übernimmt, die noch bei den Altaktionären liegen. Dies sind die Aspiag, in der Spar Österreich ihre Auslandbeteiligungen gebündelt hat, und die Leuthold & Co. AG des ehemaligen Spar-Schweiz-Chefs Stefan Leuthold. Als Totalpreis für die ganze Spar-Schweiz-Gruppe sind 100,8 Millionen Franken vereinbart, wovon bisher 44,5 Millionen bezahlt sind. In Vollzeitstellen gerechnet beschäftigt die Spar-Schweiz-Gruppe rund 2000 Mitarbeitende. (T. G.)